Erfahrungsbericht: Die NIKON Z7 im Einsatz

Erfahrungsbericht: Die NIKON Z 7 im praktischen Einsatz

Die NIKON Z7 im Praxistest beim Lost Place Architektur-Fotoshooting. Foto: Dr. Klaus Schörner

Über die NIKON Z 7 ist in den letzten Monaten viel geschrieben worden. Sogar die Stiftung Warentest hat ihr einen Test gewidmet und der Kamera hervorragende Leistungen bescheinigt. Ich spare mir daher an dieser Stelle das Repetieren von technischen Daten, Anleitungen und Testwerten, die bereits an ...zig anderen Stellen nachzulesen sind, und berichte stattdessen von meinen praktischen Erfahrungen mit der neuen Spiegellosen. NIKON hat mir für 10 Tage eine Z 7 mit FTZ-Adapter und dem Z 24-70 mm 1:4 S zur Verfügung gestellt, um auszuprobieren, ob die Kamera meine Art zu Fotografieren sinnvoll unterstützt oder den Workflow sogar verbessert, wie sie mit meinen bestehenden Objektiven zusammenarbeitet und ob beim Arbeiten mit der Kamera insgesamt "der Funke überspringt". 

NIKONs neue spiegellose Systemkamera Z 7 mit Standard-Zoom Z 24-70 mm 1:4 S, Vorderansicht. Foto: bonnescape.de.

Oben: NIKONs neue spiegellose Systemkamera Z 7 mit dem Standard-Zoom Z 24-70 mm 1:4 S.

Die NIKON-Leute denken mit und haben mir eine XQD-Karte samt Lesegerät mit dazu gelegt. Ausgezeichnet, ich hätte sonst keine gehabt, weil ich gar nicht mehr daran gedacht habe, dass die Z7 ja keinen SD-Slot hat und zu 100% auf das aktuell noch nicht so verbreitete XQD-Format setzt. Man kann diesen Schritt bedauern, zumal er die Anschaffungskosten der Kamera spürbar verteuert. Andererseits ist die Z 7 derart kompakt gebaut, dass ich mir kaum vorstellen kann, wie da noch ein zusätzlicher SD-Kartenslot hätte Platz finden sollen, ohne die Kamera wieder größer zu machen. Abgesehen davon ist die Performance der XQD richtig heftig und passt zu den großen Bilddateien: Der Beschriftung zufolge hat die Karte eine Schreibgeschwindigkeit von 400 MB/Sek. und beim Lesen sogar 440 MB/Sek. Das ist rund 4,5mal so viel wie bei meinen SANDISK Extreme Pro Karten! Im Einsatz zeigt sich später, dass die rund 65 MB großen Raw-Dateien derart schnell auf die Karte geballert werden, dass ich beim Fotografieren keinerlei Verzögerung wahrnehme. Und nicht nur das: Auch mein iMac war noch nie so flott beim Download von mehreren hundert NEF-Dateien über den USB-Port.

SONY XQD Speicherkarte mit Lesegerät und integriertem USB-Stecker, Foto: bonnescape.de.

Oben: Gibt es aktuell nur von SONY, die XQD Speicherkarte mit Lesegerät und integriertem USB-Stecker.

Immer neue Details und alles bestechend scharf

Die Bildergebnisse sind großartig für eine Vollformatkamera. Beim Betrachten am Rechner kommt fast Mittelformat-Feeling auf, so groß und detailreich sind die Bilder. Man kann mit den Augen im Bild spazieren gehen, entdeckt dabei immer neue Details und alles ist von bestechender Schärfe, so lange es gelingt, das Rauschen im Zaum zu halten. Obwohl ich es der Z 7 mit der Motivauswahl und hohen ISO-Werten während der Lost Place Shootings nicht leicht gemacht habe, sind Kontrastumfang, Tonwertspektrum, Detailreichtum und Schärfe ziemlich gut. Bei ISO 100 ist die Bildqualität atemberaubend, scharf, brillant, mit großem Tonwertspektrum und rauschfrei. Wenn es auf maximale Bildqualität ankommt, würde ich immer bei ISO-Werten zwischen 100 und 400 bleiben und dafür lieber längere Verschlusszeiten in Kauf nehmen. Was durch den kamereigenen 5-Achsen-VR auch mit älteren F-Objektiven sinnvoll unterstützt wird. Ab ISO 800 sieht man in homogenen Flächen in der 100%-Ansicht ein sehr leichtes Farbrauschen. Störend wird das Rauschen in den Tiefen ab ISO 3200 und bei extremen Kontrastbedingungen, wenn die Tiefen in der Nachbearbeitung künstlich angehoben werden müssen. Der umgekehrte Weg, d.h. Überbelichtung und nachträgliches Abdunkeln mildert das Rauschen deutlich. Dazu bieten die Rohdaten der Z 7 üppige Tonwertreserven. Die Long Exposure Rauschminderung habe ich wie immer auf ON gestellt, die High ISO Rauschminderung auf OFF. Zu den Gründen, warum ich das tue, gibt es HIER einen eigenen Blog post.

Urbex Lost Place, alte Fabrikhalle. NIKON Z 7 mit PC-E NIKKOR 3,5/24 mm. Foto: Dr. Klaus Schörner

Oben: "Lost Place", alte Fabrikhalle. NIKON Z 7 mit dem PC-E NIKKOR 24 mm und etwa 10 mm Shift nach oben. ISO 3200, Blende 16.

Vergleichsbild zum Kontrastumfang der NEF-Dateien aus der NIKON Z7. Foto: Dr. Klaus Schörner

Oben: NIKON Z 7 mit Z 24-70 mm, 1:4 S, Straßenszene Maastricht mit intensiver Sonneneinstrahlung und Schlagschatten. Das JPG out-of-cam (links) zeigt einen scheinbar unüberbrückbaren Kontrast aus abgesoffenen Tiefen und völlig ausgefressenen Lichtern. Bei der Entwicklung der NEF-Datei offenbaren sich jedoch mit dem Absenken der Lichter und Anheben der Tiefen erhebliche Tonwertreserven. Das ist sogar noch mehr drin, das Ergebnis erhält dann aber leicht eine unrealistische, grafisch wirkende HDR-Optik, die ich nicht mag.

Urbex abandoned place Kirchenruine. NIKON Z7 mit PC-E 1:3,5/24mm. Foto: Dr. Klaus Schörner

 

Links: "Lost Place" Kirchenruine. NIKON Z 7 mit PC-E 24 mm, ca. 5 mm Shift nach unten, ISO 1600, Blende 16 und 1/160 Sekunde aus der Hand.

Detailbild lost place Kirchenruine, ungeschärft. Foto: bonnescape.de

 

Links: Crop aus dem Bild Kirchenruine, oberer Bildrand, ungeschärft.

Detailbild lost place Kirchenruine, nachgeschärft. Foto: bonnescape.de

 

Links: dito, nach Schärfung.

Detailbild lost place Kirchenruine, ungeschärft. Foto: bonnescape.de

 

Links: Crop aus dem Bild Kirchenruine, Bildecke unten rechts, ungeschärft.

Detailbild lost place Kirchenruine, geschärft. Foto: bonnescape.de

 

Links: dito, nach Schärfung.

Urbex Industrieruine, Backsteintor. NIKON Z7, PC-E-NIKKOR 24mm.Schwarzweiß. Foto: Dr. Klaus Schörner

 

Links: "Lost Place" Industrieruine, NIKON Z 7 mit PC-E 24 mm, 1:3,5D ED, ca. 7 mm Shift nach oben, bei ISO 1600, Blende 22 und 1/80 Sekunde.

Crop, ungeschärft, Urbex Industrieruine, Backsteintor. NIKON Z7, PC-E-NIKKOR 24mm.Schwarzweiß. Foto: bonnescape.de

 

Links: Crop aus dem Foto Industrieruine, Bildmitte, ungeschärft.

Crop, nachgeschärft, Urbex Industrieruine, Backsteintor. NIKON Z7, PC-E-NIKKOR 24mm.Schwarzweiß. Foto: bonnescape.de

 

Links: dito, nach Schärfung.

Urbex, Ruine Industriehalle mit durchbrochenem Glasdach. Z 7 mit PC-E 24 mm 1: 3,5D ED. Foto: Dr. Klaus Schörner

Oben: Ruine einer Industriehalle mit Glasdach. Z 7 mit PC-E 24 mm 1: 3,5D ED mit ca. 8 mm Shift nach oben. ISO 1600, Blende 16, 1/160 Sekunde.

Unten: 100% Crop aus der Bildmitte, links ungeschärft, rechts nach Schärfung. Das extrem kontrastreiche Bild hat durchgezeichnete Lichter, aber zu wenig Zeichnung in den Tiefen und Farbrauschen, das auch die Detailschärfe etwas beeinträchtigt.

100% Crop vor und nach Schärfung. Urbex, Ruine Industriehalle. Z 7 mit PC-E 24 mm 1: 3,5D ED. Foto: bonnescape.de. Foto: Dr. Klaus Schörner

Wow! NIKON Tilt/Shift-Objektive mit VR!

Mein PC-E NIKKOR 24 mm 1: 3,5D ED liefert an der Z 7 eine Schärfeleistung bis in die Bildecken hinein, die ich ihm gar nicht zugetraut hätte. Das eigentlich recht kompakte 24er wird durch den FTZ-Adapter zu einer langen Tüte. Objektiv, Adapter und Kamera arbeiten perfekt zusammen. Der elektronische Abblendknopf des Objektivs wird unterstützt und ist wichtig, da die elektronische Bildwiedergabe mit ihrer konstanten Helligkeit kaum Aufschluss darüber gibt, ob gerade abgeblendet ist oder nicht. Im aufgeblendeten Zustand lässt sich die Schärfe allerdings erheblich präziser platzieren. Generell empfinde ich die visuelle Schärfekontrolle durch Abblenden im Life View bzw. bei digitalen Sucherbildern weniger aussagekräftig als bei Spiegelreflexsuchern. Das mag damit zusammenhängen, dass der Life View beim Ausgleichen der Helligkeit eines abgeblendeten Bildes in der Wiedergabequalität stark nachlässt. Die Z 7 zeigt eine starke Abblendung auf 11 oder höher sogar nur tendentiell an, indem sie die Blende für die Abblendansicht "ein wenig" schließt und den tatsächlich gewünschten Blendenwert erst bei der eigentlichen Aufnahme realisiert. Ganz wichtig ist für mich daher die Scharfstellunterstützung durch die Assistenzsysteme der Kamera. Ich bin bekanntermaßen kein Freund von farbig konturierten Motivkanten im Schärfebereich. Ich muss aber zugeben, dass der Z 7 Sucher diese wirklich sehr filigran abbildet. Ganz im Gegensatz zu meiner SONY Alpha 7 s II, bei der ich vor lauter fett-buntem Liniengeraffel das Bild kaum noch erkennen kann, wenn ich ein abgeblendetes Weitwinkelobjektiv drauf habe. Bei meinen NIKON DSLR Kameras nutze ich bei diffizilen manuellen Scharfstellaufgaben meist den Monitor im Vergrößerungsmodus. Die Z 7 bietet diese Möglichkeit zusätzlich im elektronischen Sucher und überzeugt dabei durch eine derart brillante Bildwiedergabe, dass ich den Monitor dafür nur noch in Ausnahmefällen verwende. Etwa, wenn die Positionierung der Kamera eine komfortable Nutzung des Suchers unmöglich macht. Etwas umständlich ist nur, dass das Rein- und Raus-Zoomen über die beiden Knöpfe rechts unten neben dem Monitor erfolgt. Die sind nicht so intuitiv zu finden und zu bedienen, wenn ich die Kamera am Auge habe. Man kann den Zoom zwar auch auf einen der programmierbaren Funktionsknöpfe legen, aber lieber wäre mir doch eine Lösung wie bei den SONY Alphas. Bei denen wird mit einer Berührung des Fokusrings automatisch die Lupenansicht eingeschaltet und nach wenigen Sekunden oder mit leichtem Druck auf den Auslöser wieder zurückgeschaltet. Das ist definitiv komfortabler. Aber dennoch, ich habe das Arbeiten mit meinen PC-E Objektiven noch nie als so angenehm empfunden. Und als großartiges Add-On liefert die Z 7 auch noch eine integrierte Vibrationshemmung für die adaptierten Objektve mit. Knackscharfe Aufnahmen mit Tilt/Shift-Verstellung bei einer 1/8 Sekunde aus der Hand. Macht man so was? Keine Ahnung. Rolf Lohmann machte das jedenfalls mit seiner SONY Alpha 7 R und dem 17er CANON TSE. Und dass man das jetzt auch mit einer NIKON kann, ist cool!

NIKON Z 7 mit FTZ-Adapter und dem PC-E 24 mm 1: 3,5D ED, Seitenansicht. Foto: bonnescape.de

Oben: Z 7 mit FTZ-Adapter und dem PC-E 24 mm 1: 3,5D ED ergibt eine leistungsfähige Kombi für die Architekturfotografie.

Unten: Bildbeispiel "Glasbausteinfenster" mit der oben gezeigten Aufnahmekombination bei ISO 3200, Blende 22 und 1/8 Sekunde.

Fenster aus Glasbausteinen, Abandoned Place / Urbex alte Glasfabrik, NIKON Z7 mit 24mm PC-E, Foto: Dr. Klaus Schörner
Hausfassade, Altstadt Lüttich. NIKON Z7 mit PC-E NIKKOR 24mm 1: 3,5D ED. Foto: Dr. Klaus Schörner

 

Links: Hausfassade, Lüttich. NIKON Z 7 mit PC-E 24 mm und ca. 8 mm Shift nach oben. Wegen parkender Autos auf der gegenüberliegenden Straßenseite war kein Stativeinsatz möglich. Daher aus der Hand fotografiert bei ISO 1600, Blende 16 und 1/125 Sekunde.

Kompakte Kameras brauchen kompakte Objektive

Auch mein AF-S 16-85 mm 1:3,5-5,6G ED lässt sich problemlos an der Z 7 verwenden und ergibt eine auch visuell und vom Gewicht her stimmige Kombi. Die Kamera erkennt das angesetzte Objektiv automatisch und schaltet sang- und klanglos auf das DX-Format mit 5408 x 3600 px um. Ich kann keinen Nachteil dabei entdecken, die VR des Objektivs mit der VR der Kamera zu kombinieren. Beide scheinen sich zu ergänzen.

 NIKON Z7 mit FTZ-Adapter und DX-Nikkor AF-S 16-85 mm 1:3,5-5,6G ED, Seitenansicht. Foto: bonnescape.de

Oben: Mit FTZ-Adapter und dem DX-Nikkor AF-S 16-85 mm 1:3,5-5,6G ED liefert die Z 7 Bilder mit knapp 20 Megapixeln Größe. Das Umschalten auf das kleinere DX-Format erledigt die Kamera automatisch, das Sucherbild ist genauso groß und brillant wie im Vollformat.

Eine richtig gut zu bedienende Kombi ergibt sich auch mit meinem AF-S 14-24 mm 1:2,8G ED, obwohl das Konstrukt mit dem FTZ-Adapter einen ganz schön langen Vorbau bekommt. Die Bildschärfe bis in die Ecken ist hervorragend und beim Fotografieren aus der Hand ist der kameraeigene VR bei der hohen Auflösung auch im Weitwinkelbereich durchaus willkommen.

NIKON Z 7 mit FTZ-Adapter und AF-S 14-24 mm 1:2,8G ED, Foto: bonnescape.de

Oben: Z 7 mit FTZ-Adapter und dem AF-S 14-24 mm 1:2,8G ED

Mein gutes altes AF-S 28-70 mm 1:2,8D ED bringt seine gewohnt hervorragende Leistung auch an der Z 7. Von der Bildqualität her ist das sehr schön, von der durch das FTZ-Adapter verlängerten Größe und dem Gewicht her weniger. Beim Fotografieren vom Stativ mit Befestigung des Adapters am Stativkopf ist das ok, aber zum Herumtragen ist mir das Konstrukt zu vorderlastig. Bei kompakten Kameras bevorzuge ich definitiv auch kompakte Objektive.

Landschaftsaufnahme, NIKON Z 7, AF-S 28-70mm 1:2,8D ED bei 70mm. Foto: bonnescape.de
100%-Crop, Landschaftsaufnahme, NIKON Z 7, AF-S 28-70mm 1:2,8D ED bei 70mm. Foto: bonnescape.de

Oben: Landschaftsaufnahme mit NIKON Z 7 und AF-S 28-70mm 1:2,8D ED bei 70mm. ISO 1600, Blende 11, 1/160 Sekunde, aufgestützt aus der Hand. Das Bild ist von vorn bis hinten und bis in die äußersten Ecken scharf.

 

Links: Der winzige, ungeschärfte 100%-Ausschnitt zeigt die gute Schärfeleistung. Da wäre vom Sensor her wahrscheinlich noch mehr drin, aber die Objektivauflösung erreicht die Sensorauflösung nicht ganz.

Mein altes AF 80-200 mm 1:2,8D ED Telezoom funktioniert nur eingeschränkt. Da es keinen integrierten AF-Motor hat, sondern einen Stangen-Autofokus, den die Kamera nicht unterstützt, kann ich damit zwar fotografieren, muss aber manuell scharfstellen. Das ist gerade bei diesem Objektivtyp eher unpraktisch. Obwohl die kameraeigene VR auch hier ein willkommenes Feature ist, werde ich das Telezoom an der Z 7 wohl nicht einsetzen. Da ich es eh nur selten brauche, ist das kein Verlust.

Ein richtig gutes Kit-Zoom

Das Z 24-70 mm 1:4 S Kit-Zoom überzeugt durch eine sehr gute Schärfeleistung ohne nennenswerte optische Schwächen. Natürlich liegt es preislich auch etwas über den Beträgen, die man normalerweise für Kit-Zooms auf den Tresen blättern muss, es sei denn, man erwirbt es im Set mit der Kamera. Es hat jetzt auch nicht gerade die Haptik eines Boliden aus der Profiliga, aber dennoch: Es wirkt recht wertig und einigermaßen massiv, liegt gut in der Hand und ist zusammen mit der Z 7 ausgewogen. Ein ideales Immerdrauf. Da die Kamera höhere High ISO Werte bis zu einem gewissen Grad gut wegsteckt, stellt sich die Frage, ob man überhaupt ein lichtstärkeres Standard-Zoom braucht, zumal es mit seinem naturgemäß höheren Gewicht und seinen größeren Abmessungen das angenehme Mitnahmegewicht der Kamera konterkarieren würde. Also für meine Landschafts- oder Architekturaufnahmen, die ich möglichst von vorn bis hinten scharf haben möchte, jedenfalls nicht. Bei Motiven, bei denen es auf Freistellung oder Bokeh ankommt, vielleicht schon.

Seitenansicht NIKON Z 7 mit Z 24-70 mm 1:4 S
Kirschblüte vor Glasfassade. NIKON Z7, Z-NIKKOR 24-70mm 1:4S. Foto: Dr. Klaus Schörner

Oben: Liegt gut in der Hand, die NIKON Z 7 mit dem Z 24-70 mm 1:4 S Standard-Zoom.

 

Links: Kirschblüte vor Glasfassade. NIKON Z 7 mit Z-NIKKOR 24-70mm 1:4S. Aus der Hand fotografiert mit ISO 800, Blende 16, 1/250 Sekunde.

100%-Crop. Kirschblüte vor Glasfassade. NIKON Z7, Z-NIKKOR 24-70mm 1:4S. Foto: Dr. Klaus Schörner

 

Links: Ungeschärfter 100%-Crop aus dem Bild oben. Geringes Farbrauschen in den unstrukturierten Flächen bei ISO 1600.

Sillage-Ballen, Erftkreis. NIKON Z7 mit Z-NIKKOR 24-70mm 1:4S bei 24 mm. Foto: Dr. Klaus Schörner

 

Links: Sillage-Ballen, Erftkreis. NIKON Z 7 mit Z-NIKKOR 24-70mm 1:4S bei 24 mm. Aus der Hand fotografiert mit ISO 100, Blende 11, 1/160 Sekunde.

Crop 100%. NIKON Z7 mit Z-NIKKOR 24-70mm 1:4S bei 24 mm. Foto: Dr. Klaus Schörner

 

Links: Dank der hohen Sensorauflösung macht der noch ungeschärfte 100%-Crop Details sichtbar, die im Bild nur mit der Lupe zu finden sind. Wohlgemerkt: Der Fokus lag im Vordergrund auf den Ballen. Bei ISO 100 ist kein Rauschen feststellbar.

Quadratisches Aufnahmeformat mit 30 Megapixel, YESSS!

Schön, dass die Kamera auch ein 1:1 Bildfeld unterstützt und dieses in Sucher und Monitor schwarz maskiert anzeigt. Ausgegeben wird dann eine Bilddatei mit 5504 x 5504 px, also mit etwas mehr als 30 Megapixeln. Das ist genug Auflösung für einen 70x70 cm großen Tintenstrahldruck, an den man ganz nah herangehen kann, um die Bilddetails aus allernächster Nähe zu betrachten. Ich liebe es, quadratisch zu fotografieren, und verwende dazu auch gern den in die Waagerechte ausgeklappten Monitor, so dass ich wie mit dem Schachtsucher einer Mittelformatkamera arbeiten kann. Natürlich kann man auch ein rechteckiges Format später zum Quadrat beschneiden. Aber es erleichtert die Bildkomposition sehr, wenn man bereits im Sucher ein sauber maskiertes quadratisches Bildformat angezeigt bekommt. Störend ist dabei lediglich die automatische Umschaltung zwischen Monitor und Sucher. Hält man die Kamera zu nah am Körper, meint der Sensor, ein Auge nähert sich und schaltet das Bild vom Monitor auf den Sucher. Das passiert mir im Eifer des Gefechts ebenso oft wie mit der SONY Alpha 7. Die NIKON hat dabei allerdings den kleinen Vorteil, dass sich der Knopf, mit dem man darauf Einfluss nehmen kann, gut erreichbar links oben am Suchergehäuse befindet, was ich für ergonomisch gelungen halte. Nichtsdestoweniger hätte ich mir eine intelligente Lösung gewünscht wie z.B. bei der FUJI GFX, bei der die Umschaltautomatik einfach ausgeschaltet wird, wenn der Monitor in die Waagerechte geklappt wird. Das ist ausgesprochen gut durchdacht, denn niemand wird den Sucher nutzen wollen (oder können), wenn der Monitor so weit ausgeklappt ist.

Urbex abandoned place Glasfabrik, von Efeu überwucherte Reste von alten Produktmustern. NIKON Z7, 1:1 Bildfeld quadratisch. NIKKOR PC-E 24 mm, 1:3,5. Foto: Dr. Klaus Schörner

Oben: Alte Glasfabrik. Die Z 7 unterstützt ein quadratisches Aufnahmeformat mit rund 30 Megapixeln. ISO 800, Blende 16, 1/15 Sekunde vom Stativ mit dem 24er PC-E.

Unten: VR macht's möglich, quadratische Nahaufnahme aus der Hand mit dem Z 24-70 mm 1:4 S bei 70 mm und der minimal möglichen Entfernung von 30 cm zum Motiv. Das Kit-Zoom entpuppt ich auch in dieser Hinsicht als echter Allrounder mit "Immerdrauf"-Qualitäten. ISO 1600, Blende 11, 1/400 Sekunde.

Nahaufnahme Blütendolde, NIKON Z7 mit Z 24-70 mm 1:4 S bei 70 mm und 30 cm Abstand. Foto: Dr. Klaus Schörner

Pros & Cons zu Ausstattung, Handling und Design

Das Aussehen der Z 7 ist Geschmackssache. Ich persönlich finde das Kameradesign mit dem knubbeligen Suchergehäuse gewöhnungsbedürftig, aber ergonomisch ist die Z 7 zweifelsfrei gelungen. Und das ist ja auch ein Merkmal für gutes Design. Die Kamera liegt ausgesprochen gut in der Hand. Der tief ausgeformte Griff gewährleistet einen sicheren und ermüdungsfreien Grip und die linke Hand findet an der abgeflachten linken Seite des Kameragehäuses beim Fokussieren eine stabile Auflage mit dem Handballen. Dazu ist das Ding auch noch leicht, ohne allerdings billig zu wirken. Mit dem 24-70er Standardzoom ergibt sich ein Gesamtgewicht von 1180g. Zum Vergleich bringt meine D500 mit dem 16-85er 1390g auf die Waage und mein D4-Monster mt dem 28-70er wiegt stolze 2370g. Die Bedienungsknöpfe der Z 7 sind überwiegend so gut positioniert, dass man sie blind findet. Besonders gut gelungen finde ich den Joystick, der ein schnelles Verschieben des AF-Feldes ermöglicht, auch wenn man die Kamera am Auge hat. Gerade für "Linksäuger" und Brillenträger wie mich keine Selbstverständlichkeit bei so einer kompakten Kamera. Toll ist auch der Haupteinstellknopf an der oberen rechten Ecke des Z 7 Gehäuses. Besser als das gewohnte gummierte Rändelrad der NIKON DSLR sieht der Knopf nicht nur gut aus, sondern ist perfekt für die Bedienung mit dem Daumen. Dass ein so kompaktes Gehäuse im Vergleich zu den Profiboliden insgesamt einige Kompromisse machen muss, sehe ich ein. So muss ich zum Beispiel immer nach den nur geringfügig aus dem Gehäuse hervorragenden Lupenknöpfen suchen. Blind finde ich die noch nicht, wenn ich die Kamera am Auge habe.

Vergleich Größe und Gewicht zwischen NIKON D500, Z7, D4. Foto: bonnescape.de

Oben: Größen- und Gewichtsvergleich, jeweils mit Standard-Zoom: links die D500, rechts die D4, dazwischen die Z 7.

Generell bringt die Bedienung der Z 7 aber kaum Überraschungen mit sich, wenn man gewohnt ist, mit NIKON DSLR zu fotografieren. Man findet sich schnell zurecht. Schön ist die Verschlussauslösung per Screen-Touch, die wie bei der D500 so zart reagiert, dass sie auch bei Langzeitaufnahmen einen Fernauslöser unnötig macht. Ein paar Funktionsknöpfe wie die erwähnte Lupensteuerung und die Einstellung von Bildfolge und Selbstauslöser, die normalerweise auf der linken Schulter bzw. links neben dem Monitor zu finden sind, sind bei der Z 7 rechts unten platziert. Und die Bracketing-Funktion findet man jetzt auf Seite 4 im Fotoaufnahme-Menü, was ich bedaure, da ich sie bei Architekturfotos schon mal häufiger ein- und ausschalte. Da war das bisherige Zweiknopfsystem komfortabler. Die Funktionsknöpfe rechts neben dem Objektivbajonett und auf der Kamerarückseite lassen sich auf vielfältige Weise individualisieren, indem man über eine sehr anschauliche Eingabemaske im Kameramenü häufig benötigte Funktionen auf diese Knöpfe legt. Soweit ich feststellen kann, gehört die Bracketing-Funktion leider nicht dazu. Wie ich allerdings bei Rückgabe der Kamera erfahre, gibt es laut NPS Düsseldorf wohl auch noch eine Möglichkeit, beliebte Funktionen im Menü weiter nach vorn zu rücken, so dass man den Menüpfad zumindest etwas abkürzen kann. 

NIKON Z7, Rückansicht. Foto: bonnescape.de

Oben: Rückansicht der NIKON Z 7. Das Bedienpanel links neben dem Monitor, das man von den NIKON DSLR kennt, fehlt hier. Die Knöpfe für den Bild-Zoom finden sich rechts unten, die Einstellung der Bildrate auch. Der OK-Knopf ist in die Mitte des Multifunktionswählers verschoben.

Bedauerlich finde ich, dass nur das Schulter-Display, nicht aber das Funktionsknopf-Instrumentarium der Kamera beleuchtet ist, um sich bei Aufnahmen im Dunkeln besser zurechtzufinden. Das schätze ich bei meinen DSLR sehr, und die Z 7 ist immerhin ca. 1.500 € teurer als meine D500, die dieses Feature bietet. Für den Verzicht auf die bipolare Blitzsteuerung, den die hochelektronifizierte Kamera nun konsequent durchsetzt, habe ich da fast schon Verständnis. Eine Blitzsynchrobuchse sucht man bei der Z 7 vergebens. Wie die Kamera also z.B. mit einer Studioblitzanlage zusammenarbeitet, wäre noch zu testen.

Architekturgerippe öffentlicher Raum, NIKON Z 7 und Z-NIKKOR 24-70 mm 1:4S. Foto: Dr. Klaus Schörner

Oben: "Gerippe", Aufnahme aus der Hand mit NIKON Z 7 und Z-NIKKOR 24-70 mm 1:4S @ 38 mm.
ISO 1600, Blende 6,3 bei 1/80 Sekunde.

Aktuell scheint es nicht so einfach, eine geeignete L-Schiene für die Z 7 zu finden. Das Akkufach an der Kameraunterseite ließe sich mit einer Rahmenkonstruktion oder einer entsprechend kurzen Schiene aussparen. Aber bei den Modellen, die ich bisher gesehen habe, sitzt die Schiene nicht verdrehsicher an der schmalen Kameraunterseite, oder der Verdrehschutz ragt so weit um die vordere Gehäusekante herum, dass der FTZ-Adaper nicht mehr passt. Ich hoffe, dass der Zubehörmarkt da in den nächsten Monaten noch nachliefert. Bei meinen Architekturfotos wechsle ich oft zwischen Quer- und Hochformat und profitiere beim Einsatz einer L-Schiene davon, dass die einmal eingestellte Bildachse und Nivellierung beim Formatwechsel unverändert bleiben. Bei einem Schwenk mittels Stativkopf ist das nicht der Fall. Selbst die kleine ARCA SWISS Stativplatte, die ich bei den Testaufnahmen verwende, kann nur in einer Richtung in der äußersten Position angesetzt werden, da sie sonst an den Adapter stößt. Der Adapter selbst ist zwar auch mit einem Stativgewinde ausgestattet, wenn man aber bei einem Shooting zwischen F- und Z-Objektiven wechseln möchte, ist eine Befestigung des Adapters am Stativ sicher nicht die geeignete Lösung.

Unterseite NIKON Z7 mit SIRUI Stativadapter. Foto: bonnescape.de

Oben und unten: Die kompakten Abmessungen der Z 7 erfordern etwas Aufmerksamkeit bei der Stativbefestigung. Meine kleinste Stativplatte lässt sich gerade noch in der äußersten Einstellung montieren und wird durch den FTZ-Adapter verdrehsicher festgehalten. Nach einer verdrehsicheren L-Schiene, die nicht mit dem Adapter kollidiert, suche ich noch. Das Stativgewinde am FTZ-Adapter ist prima für die Verwendung schwerer F-Objektive, macht für die Stativbefestigung aber nur Sinn, wenn man nicht dauernd zwischen F- und Z-Linsen hin und her wechselt.

Unterseite NIKON Z7 mit SIRUI Stativadapter. Foto: bonnescape.de

Fazit:

Meiner bescheidenen Meinung nach haben die NIKON-Produktentwickler vieles richtig gemacht bei der Z 7. Meine vorhandenen Nikkore haben an der neuen Spiegellosen fast so etwas wie eine Renaissance erlebt. Die Bildqualität ist wirklich hervorragend, vor allem in den unteren ISO-Bereichen. Mit einer durchschnittlichen ISO-Einstellung von 1600 habe ich der Z 7 bei den Architektur-Shootings allerdings fast etwas zu viel zugemutet. Bei der abschließenden Durchsicht der entstandenen Fotos komme ich zu dem Schluss, dass geringere Werte bis maximal ISO 800, gepaart mit VR oder mit Stativ unterstützten längeren Verschlusszeiten, in einigen Fällen wahrscheinlich zu noch besseren, weil glatteren, rauschfreieren Ergebnissen geführt hätten. Aber auch bei schwierigen Lichtverhältnissen und höheren ISO-Werten von 1600 oder 3200 zeigt die Z 7 eine sehr ordentliche Bildqualität, und das ist bei der hohen Auflösung von rund 45 Megapixeln sicher keine Selbstverständlichkeit.

Hinsichtlich Ihres Bedienspektrums ist die Kamera bestückt wie eine Profi-DSLR. Ok, der umständliche Zugriff auf die Bracketing-Funktion ist suboptimal, die fehlende Tastenbeleuchtung ist es in einen Augen auch, das L-Schienen-Problem wäre noch zu lösen und auf meinem Wunschzettel für ein Nachfolgemodell findet sich ganz oben die Überarbeitung der Sucher/Monitor-Umschaltautomatik. Etwa dahingehend, dass beim Abspreizen des Monitors generell das Monitorbild angezeigt wird, so wie bei FUJIFILM. Auf Platz 2 steht dann mein wahrscheinlich unerfüllbarer Wunsch, dass sich beim Betätigen des Fokussierrings automatisch die Suchervergößerung einschalten möge. So wie bei den SONY Alphas. Aber ansonsten ist die Z 7 richtig gut, so dass ich beim besten Willen kein weiteres Haar in der Suppe finde. Ich bin fast ein wenig irritiert, dass die Z 7 kleiner und leichter ist als jede andere Kamera in meinem Stall, aber zugleich in nahezu jeder Beziehung mehr Leistung bringt. Vielleicht wird es jetzt doch allmählich Zeit, über eine Beendigung der Dienstzeit meiner geliebten D4 & Co. nachzudenken. Der hervorragende FTZ-Adapter, den NIKON zur Z-Reihe entwickelt hat, erleichtert einen weichen Umstieg durch die Möglichkeit, bestehende F-Objektive weiter zu verwenden. Das Standard-Zoom zur Z 7, das Z 24-70 mm 1:4S, ist der hohen Sensorauflösung absolut gewachsen. Nun weiß ich jetzt nicht, was der Objektivgüte zuzuschreiben ist und was der kamerainternen Korrektur. Kann mir eigentlich auch egal sein. Die Ergebnisse mit der Kit-Linse sind jedenfalls so irre gut, dass ich es gar nicht oft genug betonen kann.

Mittelalterliche Natursteinwand, Praxistest der NIKON Z 7 mit Z-NIKKOR 24-70 mm 1:4S @ 24 mm. Foto: Dr. Klaus Schörner

Oben: Scharf-schärfer-NIKON Z! Ein 45-Megapixel-Foto ohne Unschärfen, aus der Hand aufgenommen mit NIKON Z 7 und Z-NIKKOR 24-70 mm 1:4S @ 24 mm. Ich bin überrascht von der hervorragenden Schärfeleistung des Kit-Zooms. ISO 3200, Blende 7,1, 1/160 Sekunde.

Copyright 2019 by Klaus Schörner / www.bonnescape.de

Herzlichen Dank an NIKON für die Leihgabe der Z 7 samt FTZ-Adapter und Standard-Zoom, die meine Urteilsfindung allerdings nicht beeinflusst hat. Vorteile, Nachteile und Eigenarten der Komponenten habe ich in dem Bericht entsprechend meinem persönlichen Eindruck ungefiltert und unbeeinflusst wiedergegeben. 


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Kommentare: 1
  • #1

    Dan (Montag, 06 Mai 2019 12:58)

    Aussagekräftiger Bericht, sehr gute Bildbeispiele, interessante Lektüre. Danke dafür. Auch wenn ich als Fan lichtstarker Festbrennweiten nicht überall zustimmen kann.