Erfahrungsbericht NIKKOR Z 40 mm 1:2

Erfahrungen mit dem neuen Nikkor Z 40mm f/2

Test Nikon Z 40 mm f/2. Foto: bonnescape.de

 

Wie im September angekündigt, hat Nikon seine Auswahl an Objektiven für die Kameras mit Z-Bajonett um ein Standardobjektiv mit ungewöhnlichen 40 mm Brennweite ergänzt. Das Z 40 mm f/2 ist für Vollformat- und APS-C Sensoren geeignet und kompakter, leichter und preisgünstiger als vergleichbare Z-Festbrennweiten. Ich wollte wissen, was das neue Nikkor leistet und hatte es einige Monate lang als "Immerdrauf" auf der Z7.

Der erste Eindruck

Mit einem Gewicht von nur 170 Gramm und einer kurzen Baulänge von 46 mm erinnern mich die Proportionen des Z 40 mm f/2 ein wenig an die alten "Eins-Achter" AF-Standard-Brennweiten mit F-Bajonett. Im Unterschied zu diesen besteht das Gehäuse des neuen Z-Objektivs allerdings aus Kunststoff – mitsamt der Bajonettplatte. Und neben dem Gehäusematerial lässt auch die sonstige Ausstattung erkennen, dass die Produktmanager bei NIKON bemüht waren, den Verkaufspreis niedrig zu halten. Im Vergleich mit dem komplexen optischen Aufbau eines Z 35 mm oder eines Z 50 mm ist der neue 40 mm Sechslinser konstruktiv schlicht. Knapp gehalten ist auch der  Lieferumfang: Nach dem bei NIKON-Objektiven fast schon obligatorischen Objektivbeutel und einer Gegenlichtblende sucht man vergeblich. Für Letztere hat das Objektiv auch gar keine Bajonettbefestigung und auch im Zubehörprogramm bietet NIKON keine speziell für dieses Objektiv konfigurierte Blende an. Bei der technischen Ausstattung muss man auf einen AF/MF-Schalter am Gehäuse und auf eine integrierte Bildstabilisierung verzichten. Besitzer von Z-Kameras der Einsteigerklasse, die keine eigene IBIS (in-body-image-stabilization) haben, werden das bedauern. Und dennoch, trotz der offensichtlichen Low-Budget-Ausstattung: Mein erster Eindruck von NIKONs neuem 40er ist keineswegs schlecht. Das Objektiv ist leicht, wirkt aber gut und präzise verarbeitet. Die Oberfläche ist griffig, die Haptik wertig. Ich setze es in das Bajonett meiner Z7, ein kurzer Dreh, und mit einem leisen Klicken rastet das Objektiv ein. Nicht zu fest, nicht zu locker, absolut spielfrei, wie es sein soll. Ich möchte hoffen, dass das auch nach mehrjähriger Nutzung noch so ist.

Der vergessene Kronleuchter. 100%-Crop aus dem Erfahrungsbericht zum Nikon Z 40 mm f/2. Foto: bonnescape.de

Oben und rechts: "Der vergessene Kronleuchter", Aufnahme mit Z40 mm, Blende 4, 1/15 Sekunde aus der Hand, ISO 800, ungeschärft.

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Der vergessene Kronleuchter. Foto aus dem Erfahrungsbericht zum Nikon Z 40 mm f/2. Foto: bonnescape.de

Baum an der Landstraße. 100%-Crop aus dem Erfahrungsbericht zum Nikon Z 40 mm f/2. Foto: bonnescape.de

Oben und rechts: "Baum an der Landstraße", Aufnahme mit Z40 mm. Blende 6,3, ungeschärft.

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Baum an der Landstraße. Foto aus dem Erfahrungsbericht zum Nikon Z 40 mm f/2. Foto: bonnescape.de

Das Z 40 mm f/2  ist mit einem 52 mm Filtergewinde ausgestattet, in das man auch gängige Gegenlichtblenden aus dem Zubehörhandel einschrauben kann. Wegen des etwas breiteren  Bildwinkels sollten es aber kurze Weitwinkelblenden sein, entsprechend dem Typ HN-3 für 35 mm Objektive. Nötig ist das allerdings nicht. Wir werden später sehen, dass sich die Empfindlichkeit des Objektivs für Streulicht und Reflexionen sehr in Grenzen hält.

Gut gefällt mir die Irisblende des Objektivs. Mit neun abgerundeten Lamellen schließt sie eher rund als vieleckig, was eine positive Wirkung auf das Bokeh und speziell auf die Abbildung von unscharfen Lichtpunkten erwarten lässt. Der griffige, elektronische Scharfstellring läuft weich und präzise bis zur Naheinstellung von 29 cm. Dank der Innenfokussierung bewegen sich nur innere Baugruppen. 

Laut Nikon soll das Z 40 mm 1:2 eine gewisse Abdichtung gegen Feuchtigkeit und Spritzwasser haben. Im Gegensatz zu meinen anderen Z-Objektiven sehe ich aber keinen Dichtring am Bajonett.

Fotografieren mit dem neuen 40er

Durch das geringe Gewicht und die kurze Bauweise des 40 mm Objektivs wird die Formgebung der spiegellosen Kameras gut unterstützt. Im Gegensatz zu meinen anderen Objektiven habe ich mit dem 40er an meiner  Z7 das Gefühl, mit einer Kompaktkamera zu arbeiten. Die Kamera hängt fast völlig gerade  am Tragegurt, ohne dass der Schwerpunkt nach vorn gezogen wird, wie es bei längeren, schweren Objektiven der Fall ist. Somit ergibt sich auch keine ungünstige Hebelwirkung auf das Kunststoffbajonett.

50 mm Standardobjektive sind mir mit ihren rund 47° Bildwinkel häufig etwas zu eng. Daher nutze ich sie gar nicht so oft, sondern nehme im Zweifelsfall lieber ein 35 mm Weitwinkelobjektiv mit einem Bildwinkel um die 63° mit. In den vergangenen Monaten hat sich gezeigt, dass ich mit dem Bildwinkel von 57°, den das neue 40er Nikkor liefert, bei vielen meiner Motive gut zurecht komme. Das Objektiv kommt mir dabei noch nicht wie ein Weitwinkel vor, sondern eher wie ein Standardobjektiv mit etwas mehr "Luft zum Atmen." 

Test Nikkor Z 40 mm F/2: Wenig Schwerpunktverlagerung an der Z7. Foto: bonnescape.de

Oben: Das kurze, nur 170 g leichte Z Nikkor 40 mm verändert den Schwerpunkt der Z7 nur wenig.


Dieses neue Nikkor ist definitiv ein Objektiv zum Autofokussieren. Der integrierte Motor für die Scharfstellung hat keinen langen Drehweg zu bewältigen und arbeitet schnell, präzise und flüsterleise. Manuell kann man jederzeit durch Drehen des Rings eingreifen. Im Sucher schaltet sich dann automatisch eine Anzeige zur Fokussierunterstützung ein. Das Zusammenspiel mit dem Auslöser, den man leicht gedrückt halten muss, da er sonst beim erneuten Drücken den AF wieder aktiviert und gegebenenfalls eine manuelle Scharfstellung überschreibt, empfinde ich aber als diffizil. Daher schalte ich, wenn ich manuell fokussieren möchte, den AF auf dem Touchscreen aus. Das kommt selten vor. Wer es mag, kann dem Scharfstellring im Kameramenü auch eine andere Funktion zuweisen. Damit kann der Ring dann alternativ zur Steuerung der Blende, des ISO-Werts oder für die Belichtungskorrektur verwendet werden. Ansonsten stellt man die Blende, wie üblich bei G- und Z-Objektiven, über das vordere Rändelrad der Kamera ein. 

Größe, Gewicht, Preis gut – aber was ist mit der Bildqualität?

Nachfolgend eine Auswahl von Fotos, die in den letzten Monaten mit dem neuen Z 40 mm  entstanden sind. Zunächst eine Bildserie, die die Schärfeleistung im Bildzentrum in einer Gegenlichtsituation zeigt. Da mich eine Einordnung des neuen Nikkors interessiert, habe ich meine anderen Z-kompatiblen Objektive dazu genommen, die sich in einem ähnlichen Brennweitenbereich bewegen.
F-Objektive wurden per FTZ-Adapter, M-Objektive wurden per Ocamo-Adapter an die NIKON Z7 montiert. Alle Aufnahmen entstanden im Raw-Modus und durchliefen meinen normalen Lightroom/Photoshop-Workflow. Der Verarbeitungsschritt Schärfung wurde ausgelassen.

 

Rechts: Innenaufnahme mit Gegenlichtsituation und direktem Blick in die Lichtquellen, Aufnahme NIKON Z7 mit Nikkor Z 40mm f/2.0 bei Blende 8.

Der Kronleuchter. Foto aus dem Test des Nikon Z 40 mm f/2. Foto: bonnescape.de

Test des Nikon Z 40 mm f/2 im Vergleich mit anderen Objektiven ähnlicher Brennweite. Foto: bonnescape.de

Oben: Das Testfeld von links nach rechts: AF-Nikkor 35 mm f/2, Zeiss Biogon T* 2/35 ZM, Nikkor Z 24-70 mm 1:4 S, PC-E Micro-NIKKOR 45mm f/2.8D ED, AF-Nikkor 50 mm f/1.8, Leica Summicron-M 1:2/50 mm. Hinten rechts die Z7 mit dem Z 40 mm f2.0


Sequenz 1: Offenblende bei Gegenlicht

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Das Nikon Z 40 mm f/2 im Test. Bildzentrum Gegenlicht. Foto: bonnescape.de

Links: Der 100%-Crop ist in der Gesamtanmutung sehr leicht soft und in den kleinsten Details noch nicht 100%ig knackig. An der vorderen Lichtquelle wird kaum sichtbar ein Magenta-Farbsaum abgebildet. Blendensterne gibt es bei offener Blende nicht, um das Zentrum der Lichtquellen sind aber sehr feine diagonale Ausstrahlungen zu erkennen, eher wie eine Art Sprühnebel, der sich etwas brillanz-mildernd auswirkt. Im Hintergrund zeigt der knappe Bildausschnitt ein durchaus ansprechendes, ruhiges Bokeh mit weich verlaufenden Formen und nahezu perfekt gerundeten Unschärfekreisen. Die Leistung des Z 40 mm finde ich hier ziemlich gut, Brillanz und Schärfe werden im Testfeld nur durch das Z 24-70 und das PC-E übertroffen, und die sind beide lichtschwächer.


Das Nikon AF 35 mm f/2 im Test. Bildzentrum Gegenlicht. Foto: bonnescape.de

Oben: Brillanz und Schärfe der Abbildung aus dem 35 mm AF-Nikkor rücken nah an das Beispiel des neuen Z 40ers heran, leiden aber unter den etwas stärkeren Farbsäumen und Überstrahlungen. Das Bokeh ist etwas unruhiger. Dennoch bin ich angenehm überrascht von der Leistung des alten 35ers.

Das Zeiss Biogon 35 ZM mm f/2 im Test. Bildzentrum Gegenlicht. Foto: bonnescape.de

Oben: Infolge einer etwas geringeren Schärfentiefe wirkt das mit dem Zeiss Biogon aufgenommene Bild insgesamt weicher. Im Fokusbereich sind die Details jedoch nicht weniger scharf als bei den anderen Beispielen. Um die Lichtquellen herum zeigen sich feine Ausstrahlungen, die Ränder der Lichtquellen neigen zum Ausfressen. Das Bild ist, wohl als Folge eines dezenten Flares, um die Lichtquellen herum geringfügig heller. Insgesamt empfinde ich den Schmelz und die Plastizität des Bildes aber als angenehm.


Das Nikon Z 24-70 mm f/4 im Test. Bildzentrum Gegenlicht. Foto: bonnescape.de

Oben: Brillant und knackig scharf präsentiert sich das mit dem Z24-70 f4 aufgenommene Bild. Die Brennweite war auf 38 mm eingestellt. Die Lichtquellen sind von stärkeren, symmetrischen Ausstrahlungen umgeben, die im Umfeld für Kontrastverlust sorgen. Da, wo dieser abnimmt, zeigt das Bild die hervorragende Scharfzeichnung des Objektivs.

Das Nikon PCE 45 mm f/2.8 im Test. Bildzentrum Gegenlicht. Foto: bonnescape.de

Oben: Die beste Abbildungsleistung in dieser Beispielsequenz finde ich bei dem PC-E Nikkor 45 mm. Überstrahlungen spielen kaum eine Rolle, die Lichtquellen sind gut abgegrenzt, das Bild ist brillant und scharf. Die sehr geringfügigen, magentafarbigen CAs sind für eine Nachbearbeitung irrelevant.


Das Nikon AF 50 mm f/2 im Test. Bildzentrum Gegenlicht. Foto: bonnescape.de

Oben: Zu weich und insgesamt unscharf ist das mit dem 50 mm AF-Nikkor bei Offenblende aufgenommene Bild.

Das Leica Summicron M 50 mm f/2 im Test. Bildzentrum Gegenlicht. Foto: bonnescape.de

Oben: Eine gute Schärfe mit dezenten Ausstrahlungen und unauffälligem Bokeh liefert das 50 mm Leica Summicron. Die Brillanz des Bildes leidet allerdings unter der großflächigen Aufhellung bzw. Kontrastabschwächung rund um die Lichtquellen. Das Objektiv reagiert offensichtlich empfindlich auf direkte intensive Lichtquellen.



Sequenz 2: Blende 8 bei Gegenlicht

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Das Nikon Z 40 mm f/2 im Test. Bildzentrum Gegenlicht. Foto: bonnescape.de

Links: Sollten bei dem Z 40 mm bei Blende 8 Blendensterne eine Rolle spielen, so werden sie durch die Ausstrahlungen um die Lichtquellen herum überlagert. Derartige Strahlenkränze sind natürlich Geschmacksache, in der Gesamtansicht des Bildes lassen sie aber die Lichtquellen feiner und natürlicher strahlen, ohne das Bild durch massive, dornenartige Blendensterne zu dominieren. Brillanz und Schärfe des Bildes sind tadellos.


Das Nikon AF 35 mm f/2 im Test. Bildzentrum Gegenlicht. Foto: bonnescape.de

Oben: Auch das mit dem AF 35 mm bei Blende 8 aufgenommene Beispiel zeigt ein brillantes und scharfes Ergebnis und hat ausgeprägte Blendensterne.

Das Zeiss Biogon 35 ZM mm f/2 im Test. Bildzentrum Gegenlicht. Foto: bonnescape.de

Oben: Das Biogon liefert mit Blende 8 ein Bild, das noch etwas schärfer ist als das der Kontrahenten sowie gute Kontrastwerte und weit ausstrahlende Blendensterne mit fast dornenartiger Anmutung.


Das Nikon Z 24-70 mm f/4 im Test. Bildzentrum Gegenlicht. Foto: bonnescape.de

Oben: Beim Z 24-70er @38 mm sind die von den punktuellen Lichtquellen ausgehenden Strahlen schon etwas heftig. Die sind so dicht und diffus, dass sie im Umfeld zu einer sichtbaren Kontrast- bzw. Brillanzabschwächung führen.

Das Nikon PCE 45 mm f/2.8 im Test. Bildzentrum Gegenlicht. Foto: bonnescape.de

Oben: Das PC-E liefert auch bei Blende 8 sehr gute Scharfzeichnung. Blendensterne sind nicht zu erkennen, stattdessen sind vergleichsweise dezente diffuse Ausstrahlungen vorherrschend. 


Das Nikon AF 50 mm f/2 im Test. Bildzentrum Gegenlicht. Foto: bonnescape.de

Oben: Das AF 50 mm performt bei Blende 8 nicht schlecht, bleibt aber in der Scharfzeichnung hinter den anderen Objektiven zurück. 

Das Leica Summicron M 50 mm f/2 im Test. Bildzentrum Gegenlicht. Foto: bonnescape.de

Oben: Das Bild des Summicron lässt eine gute Scharfzeichnung erkennen. Die Blendensterne sind ausgeprägt, aber diffus auslaufend, so dass sich auch bei etwas geschlossener Blende noch eine Kontrastminderung ergibt.



Sequenz 3: Nahaufnahme eines planen Objektes

Test des Z-Nikkor 40 mm f/2 im Nahbereich, Beispiel Gemäldereproduktion.

Aufnahmeabstand 72 cm, Fokussierung auf die Bildmitte. Jeweils Gesamtaufnahme und Crop aus der Bildecke links oben.

Raw-Modus, Vignettierungskorrektur Normal, Beugungsausgleich On, Verzeichnungskorrektur On.

Gemälde von Adrianus Eversen, 27 x 31 cm, Öl auf Holz, 19. Jhdt.

Das Nikon Z 40 mm f/2 im Test. Reproduktion Adrianus Eversen, 19. Jhdt., Copyright: bonnescape.de
Das Nikon Z 40 mm f/2 im Test. Reproduktion Adrianus Eversen, 19. Jhdt., Copyright: bonnescape.de

Oben: Bei offener Blende sorgt die weit ins Bild hineinragende Eckenabdunklung für eine insgesamt dunklere Bildwiedergabe. Bei Blende 2.8 ist diese aber kaum noch feststellbar. Die Schärfe im Bildzentrum ist gut, lässt aber zu den Bildrändern hin ungleichmäßig nach. Die Bildecken sind unscharf. Ab Blende 5.6 ist die Abbildung über die ganze Fläche gut und einheitlich scharf. Die Verzeichnung ist bei allen Blendenstufen identisch und sehr gering (der antike Rahmen ist nicht 100% rechtwinklig).

Das Nikon Z 40 mm f/2 im Test. Reproduktion 100%-Crop Adrianus Eversen, 19. Jhdt., Copyright: bonnescape.de
Das Nikon Z 40 mm f/2 im Test. Reproduktion 100%-Crop Adrianus Eversen, 19. Jhdt., Copyright: bonnescape.de
Das Nikon Z 40 mm f/2 im Test. Reproduktion 100%-Crop Adrianus Eversen, 19. Jhdt., Copyright: bonnescape.de
Das Nikon Z 40 mm f/2 im Test. Reproduktion 100%-Crop Adrianus Eversen, 19. Jhdt., Copyright: bonnescape.de
Das Nikon Z 40 mm f/2 im Test. Reproduktion 100%-Crop Adrianus Eversen, 19. Jhdt., Copyright: bonnescape.de
Das Nikon Z 40 mm f/2 im Test. Reproduktion 100%-Crop Adrianus Eversen, 19. Jhdt., Copyright: bonnescape.de
Das Nikon Z 40 mm f/2 im Test. Reproduktion 100%-Crop Adrianus Eversen, 19. Jhdt., Copyright: bonnescape.de

Oben: Blendenreihe mit ungeschärften 1:1 Crops, jeweils obere linke Bildecke und Bildmitte. Die stufenweise Leistungssteigerung beim Schließen der Blende bis auf 8.0 ist offensichtlich, erreicht aber nicht die Qualität von Bildbeispielen mit größerem Aufnahmeabstand. Ab Blende 11 nimmt die Schärfe wieder ab.

Das Nikon Z 40 mm f/2 im Test. Reproduktion 100%-Crop Adrianus Eversen, 19. Jhdt., Copyright: bonnescape.de
Das Nikon Z 40 mm f/2 im Test. Reproduktion 100%-Crop Adrianus Eversen, 19. Jhdt., Copyright: bonnescape.de

Oben: Die Crops aus den mit Blende 2.0 und Blende 5.6 aufgenommenen Repros, hier jedoch mit der obligatorischen Nachschärfung aus meinem Workflow. Bei offener Blende bringt auch die Nachschärfung keine zufriedenstellende Qualität, es werden lediglich Pixelstrukturen verstärkt. Mit Blende 5.6 wird vor allem in der Bildmitte ein verwendbares Ergebnis erreicht. Insgesamt muss man aber feststellen, dass Reproduktionen nicht die Domäne des Z 40 mm sind. 


Sequenz 4: Nahaufnahmen dreidimensionaler Objekte

Rechts und unten: Im Nahbereich eignet sich das 40 mm Nikkor besser für dreidimensionale als für plane Vorlagen. Die Schärfe ist schon bei Blende 4 recht gut, die naturgemäß geringe Schärfentiefe ermöglicht nette Freistelleffekte.

Nahaufnahme eines Wasserhahns. Das Nikon Z 40 mm f/2 im Test.  Foto: bonnescape.de

Nahaufnahme eines Wasserhahns. 100% Crop. Das Nikon Z 40 mm f/2 im Test.  Foto: bonnescape.de

Rechts: Rübenfeld an einem Wintermorgen. Erste  Sonnenstrahlen lassen die gefrorenen Tautropfen schmelzen. Nahaufnahme ca. 50 cm mit Z 40 mm bei Blende 8. Geringe Schärfentiefe etwa in der Bildmitte. Unten 100% Crop.

Nahaufnahme Rübenfeld. Das Nikon Z 40 mm f/2 im Test.  Foto: bonnescape.de

Nahaufnahme Rübenfeld. Das Nikon Z 40 mm f/2 im Test.  Foto: bonnescape.de

Sequenz 5: Einsatz bei Architekturmotiven

Test: Architekturfotografie mit dem Nikon Z 40 mm f/2. Das verlassene Haus. Foto: bonnescape.de

Links und unten: Der noch nicht nachgeschärfte 100% Crop vom äußersten Bildrand attestiert dem Z 40 mm bei Blende 5.6 eine gute Abbildungsschärfe mit überzeugenden Micro-Kontrasten. Die spätere, dosierte Nachschärfung während des Nachbearbeitungsprozesses bringt untadelige Ergebnisse hervor.


Test: Architekturfotografie mit dem Nikon Z 40 mm f/2. Das verlassene Haus. Crop. Foto: bonnescape.de
Test zur Verzeichnung: Architekturfotografie mit dem Nikon Z 40 mm f/2. Foto: bonnescape.de

Oben: Die Verzeichnung ist sehr gering. Lediglich bei randnah verlaufenden Vertikalen ist eine geringe kissenförmige Verzeichnung festzustellen. Ob das Objektiv das alleine schafft oder die Kameraelektronik optimierend eingreift, kann mir egal sein. Obwohl ich dafür besser geeignete Objektive im Bestand habe, sehe ich keinen Grund, das Z 40 mm nicht auch für Architekturaufnahmen einzusetzen.

Test zur Verzeichnung: Architekturfotografie mit dem Nikon Z 40 mm f/2. Foto: bonnescape.de
Das Fenster. Nikon Z 40 mm f/2. Foto: bonnescape.de

Oben: 100%-Crop aus dem Bild unten. Es gibt keine Farbsäume an Hochkontrastkanten.

Das Fenster. Nikon Z 40 mm f/2. Foto: bonnescape.de

Sequenz 6: Koma

Erfahrungsbericht Nikon Z 40 mm f/2. Test Bildeffekte: Koma. Foto: bonnescape.de

Oben: Mit offener Blende bildet das Z 40 mm Lichtquellen im randnahen Bereich mit einem asymmetrischen Schweif in Richtung Bildrand ab. Diesen Effekt nennt man Koma. Abblenden um ein oder zwei Stufen führt zu einer deutlichen Verbesserung. 

Die Ausschnittvergrößerung rechts zeigt, dass bei diesem Bildbeispiel auch noch zwei dezente Blendenflecke im Spiel sind.

Erfahrungsbericht Nikon Z 40 mm f/2. Test Bildeffekte: Koma. Foto: bonnescape.de


Sequenz 7: Unschärfekreise und Bokeh

Erfahrungsbericht Nikon Z 40 mm f/2. Test Bildeffekte: Bokeh. Foto: bonnescape.de

Oben und unten: Mir gefällt, was das Objektiv im Unschärfebereich produziert: Ein weiches, relativ ruhiges Bokeh mit gleichmäßiger Wiedergabe unscharfer Lichtpunkte, die beim Abblenden ein wenig unrund werden, aber realistischer wirken als die Fünf- oder Sechsecke, die man von vielen anderen Objektiven kennt..

Der Weihnachtstisch. Erfahrungsbericht Nikon Z 40 mm f/2. Test Bildeffekte: Bokeh. Foto: bonnescape.de

Die Abbildungsqualität des Nikkor Z40 f/2 zusammengefasst:

Optisch ist das Z 40 mm bereits mit offener Blende recht ordentlich, mit guter Scharfzeichnung im Zentrum und etwas zu weichen Bildecken, die trotz kameraeigener Vignettenkorrektur (Einstellung "normal") noch etwas dunkler abgebildet werden als der Rest des Bildes. Erfreulicherweise reagiert das Objektiv auf Streulicht nicht sehr empfindlich. Anfangs hatte ich immer eine Gegenlichtblende aus meinem Fundus aufgeschraubt, inzwischen lasse ich sie weg. Ich hatte bisher keine Motivsituation, in der sie einen Vorteil gebracht hätte. Nikon bietet für dieses Objektiv auch gar keine Blende an. Aufnahmen in die Lichtquelle hinein bleiben weitgehend brillant und kontrastreich. Randnah platzierte Lichtpunkte werden bei offener Blende mit einem asymmetrischen Koma-Schweif abgebildet. Blendenflecke können bei bestimmten Aufnahmewinkeln zur Lichtquelle auftreten, spielen im Vergleich zu ähnlichen Objektiven aber keine große Rolle. Eine Neigung zu Farbsäumen an Kanten mit großen Helligkeitskontrasten ist quasi nicht vorhanden. Das Bokeh empfinde ich als relativ unaufgeregt mit gleichmäßigen, fast perfekt runden Unschärfekreisen, vor allem bei Offenblende. Sofern geringe, kissenförmige Verzeichnungen eine Rolle spielen, werden sie kameraseitig gut auskorrigiert.

Beim Abblenden um ein oder zwei Stufen verbessert sich die Abbildungsleistung noch einmal signifikant. Ab Blende 4 zeigen die mit dem Z 40 mm aufgenommenen Bilder eine messerscharfe Zeichnung bis in die äußersten Ecken ohne irgendwelche Abdunklungen oder nennenswerte Farbfehler. Der Sweet Spot des Objektivs liegt bei Blende 5.6. Ab Blende 11 lässt die Bildschärfe sukzessive nach, wohl als Folge der üblichen Diffraktion. Das Abblenden erzeugt ab Blende 4 Strahlenkränze um direkte punktförmige Lichtquellen, die dezenter ausfallen als die dornenartigen Sterne, die ich von einigen meiner anderen Objektive kenne. Welchem Effekt man hier den Vorzug gibt, ist Geschmackssache, kein Qualitätsmerkmal.

Auch im Nahbereich liefert das Objektiv in der Bildmitte eine sehr gute Scharfzeichnung, die bei geringer Schärfentiefe ansprechende Freistelleffekte ermöglicht. Beim Reproduzieren planer Vorlagen offenbart sich aber eine Bildfeldwölbung. Die Bildecken liegen dann auf einer anderen Fokusebene als das Bildzentrum, so dass erst ab Blende 5.6 eine einigermaßen einheitliche Schärfe über das gesamte Bildfeld erreicht wird. Daher muss man feststellen, dass sich das Z 40 weniger gut für Reproduktionen flacher Objekte eignet. Das gilt aber für die meisten Objektive und für diesen Zweck verwendet man am besten Makroobjektive.

Beim Abblenden fokussiert der AF ein wenig nach, was eine gewisse Fokusverschiebung vermuten lässt. Das würde mich bei einem Manualfokus-Objektiv nerven. Aber mit seinem elektronischen Fokusring ohne AF/MF-Umschalter ist das Z40 für mich kein Objektiv zum manuellen Scharfstellen. Der Autofokus reagiert schnell, präzise und flüsterleise und gleicht einen Fokus-Shift beim Abblenden unmerklich aus.

Fazit:

Kann ein Markenobjektiv, das "nur" 279 € (Stand Nov. 2021) kostet, gut sein? Fast hat man den Eindruck, ein Bejahen dieser Frage verstößt bei vielen Zeitgenossen gegen Glaubensgrundsätze – zumindest, wenn man sich in den einschlägigen Fotoforen die vielen emotionalen Statements durchliest, die schon abgegeben wurden, bevor das hier beschriebene Objektiv überhaupt erhältlich war. Zur Beantwortung der Frage müsste man zunächst definieren, was denn eigentlich ein gutes Objektiv ausmacht. In einer Zeit, in der viele Fotoenthusiasten uralte Objektivklassiker reaktivieren und an ihre Digicams adaptieren, um "Charakter" in ihre Bilder zu bekommen, ist das gar nicht so leicht zu sagen. Ich selbst beurteile die Güte eines Objektivs danach, ob es meine Bilder qualitativ bremst oder weiterbringt, ob beim vorgesehenen Einsatzzweck unerwünschte Bildfehler auskorrigiert sind, ob es sich praxisgerecht bedienen lässt und wie es sich im qualitativen Vergleich in meiner Objektivsammlung positioniert. Es sind also durchaus persönliche Kriterien, die mich zu meiner Beurteilung eines Objektivs führen. Siemenssterne und MTF-Kurven interessieren mich nicht, aber ich sehe mir meine Bilder während der Postproduktion in 100% Größe am großen kalibrierten Monitor sehr genau an. Manche würden das als "Pixel peeping" bezeichnen.

Und nachdem ich das Z-Nikkor 40 mm f/2 fast drei Monate im Einsatz hatte und es bei meiner Z7 schon fast zum Immerdrauf geworden ist, kann ich sagen: Ja, ich finde es so gut, dass ich es in meinem Fundus behalte und sicher noch häufig einsetzen werde. Es ist trotz Leichtbauweise einwandfrei verarbeitet und liefert mit wenigen Abstrichen eine sehr gute Bildqualität. Brennweite und Bildwinkel empfinde ich als Bereicherung meiner Objektivsammlung.

Im Vergleich mit seinem Schwesterobjektiv, dem Z 50 mm f/1.8, wird häufig betont, dass dieses optisch besser sei. Ja, das ist kein Geheimnis. Das 50er ist doppelt so groß, doppelt so teuer, hat doppelt so viele Linsen, wiegt mehr als das Doppelte und gehört zu den schärfsten Nikon-Objektiven aller Zeiten. Aber im Schatten des großartigen 50ers ist jede Menge Platz für andere Objektive, die immer noch sehr überzeugend und praxisgerecht sein können. Und so ein Objektiv ist das kleine Z 40 mm f/2.

Copyright 2022 by Klaus Schörner / www.bonnescape.de

Hinweis: Mein Bericht gibt unbeeinflusst meinen Eindruck von und meine Erfahrungen mit dem beschriebenen Objektiv wieder. Außer der Tatsache, dass ich Fotogeräte dieser Marke einsetze, habe ich keine Verbindung zur Firma Nikon, erhalte keine Vergütung für diesen Bericht und habe die hier beschriebenen Geräte zum ganz normalen Preis im Fotofachhandel gekauft. 


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Kommentare: 6
  • #1

    Martina Doerenkamp-Hintze (Montag, 17 Januar 2022 10:57)

    Lieber Klaus,
    vielen Dank für die Entscheidungshilfe, die Du mir mit Deinem Praxistest gegeben hast! Deine Tests sind immer sehr informativ und gut verständlich geschrieben! Liebe Grüße Martina

  • #2

    Klaus (admin) (Montag, 17 Januar 2022 12:26)

    Liebe Martina,
    danke, das freut mich :-)
    Liebe GrüßeKlaus

  • #3

    Dautzenberg, Birgit (Mittwoch, 19 Januar 2022 10:03)

    Ich habe meines seit Weihnachten :-) Geschenk von meinem Mann und den Kindern.
    Ich bin begeistert. Wozu eine kleine Kamera, wenn die Objektive riesig sind. Dann kann ich auch mit meiner Spiegelreflexkamera fotografieren. Das 40 mm Objektiv passt super zu meiner Z6 und macht scharfe Bilder. Juhu! Das Zoom lasse ich immer öfter zuhause. Schöner Artikel und tolle Fotos. Echt inspirierend.
    Liebe Grüße an Alle
    Birgit

  • #4

    Sedat (Mittwoch, 19 Januar 2022 10:32)

    Guter Test, aber ich habe mich für das doppelt so gute Z 50 mm entschieden.

  • #5

    Klaus (admin) (Mittwoch, 19 Januar 2022 18:27)

    @ Birgit: Das freut mich. Danke fürs Feedback und viele feine Bilder mit deinem 40er!

    @ Sedat: Danke. Dass das 50er auch "doppelt so gut" wäre, hab ich aber nirgendwo geschrieben. ;-)

    LG, Klaus

  • #6

    Marco H. (Donnerstag, 20 Januar 2022 10:08)

    Die Bilder hier beweisen die gute Qualität des Objektivs. Preis, Gewicht und Größe tun den Rest. Das Objektiv steht jetzt auf meiner Wunschliste.
    Danke für den überzeugenden Testbericht.