Voigtländer Color Skopar E 3,5/21 mm an der NIKON Z7

VOIGTLÄNDER 3,5 / 21 mm Color Skopar E an NIKON Z7

VOIGTLÄNDER 21mm/1:3,5 COLOR SKOPAR E im Test an der NIKON Z7. Foto: bonnescape.de

 

Ja, Ihr habt richtig gelesen! Wir adaptieren ein für SONY gerechnetes Weitwinkelobjektiv an die NIKON Z7. Geht das überhaupt, macht so eine Adaptierung Sinn, und welche Leistung können wir an dem extrem hoch auflösenden Sensor der spiegellosen NIKON erwarten? Antworten darauf gibt der folgende Bericht:

VOIGTLÄNDER für SONY an NIKON

Das etwas geringere Auflagemaß der NIKON macht es möglich: SONY-Objektive mit E-Mount lassen sich an die Z adaptieren. Und, – einen präzise gefertigten Adapterring vorausgesetzt – es lässt sich damit bis Unendlich fokussieren. Dennoch macht eine solche Adaptierung häufig keinen Sinn. Zumindest nicht mit einfachen Adapterringen und elektronisch gesteuerten Objektiven, weil sich Fokussierung und Blende ohne Stromversorgung durch die Kamera nicht bewegen lassen. Bei unserem Skopar ist das anders, weil es auf manuelle Fokussierung ausgelegt ist und einen herkömmlichen Blendenring besitzt. Mit einer SONY nimmt das Objektiv zwar ebenfalls elektronische Verbindung auf, um Leistungsmerkmale wie Bildstabilisierung und automatische Sucherlupe initiieren zu können. Bedienen lässt es sich aber ohne Strom, und die NIKON Z7 stellt vergleichbare Funktionen auch für Objektive ohne CPU bereit.

VOIGTLÄNDER 21mm/1:3,5 COLOR SKOPAR E mit PIXCO-Adapter im Test an der NIKON Z7. Foto: bonnescape.de

Die Zahnradoptik des verchromten Adapterrings ist gewöhnungsbedürftig.

Ansonsten passt das 21 mm Skopar aber sehr gut zur Z7.

Besonderheiten des PIXCO Adapterrings

PIXCO-Adapter NEX-NIK Z. Foto: bonnescape.de
PIXCO NEX NIK Z Adapter im Test an der NIKON Z7. Foto: bonnescape.de

Bei montiertem Adapter ragt der Entriegelungshebel etwas unglücklich über die Fn2-Taste.

Bei mechanischen E-Objektiven an der NIKON reicht also ein einfacher Adapterring wie der PIXCO Nex-Nik Z, den ich mir für einen Preis von weniger als 15 Euro aus China habe schicken lassen. Das unterschiedliche Auflagemaß beider Systeme erlaubt eine Adapterstärke von nur ca. 2 mm. Die Entriegelungstaste für das Objektiv ist dementsprechend kein fetter Knopf wie bei M- oder FTZ-Adaptern, sondern lediglich ein dünnes Federblech. Dennoch schafft der PIXCO-Adapter eine stabile Verbindung zwischen dem E-Mount Objektiv und der Kamera, rastet beiderseitig sauber ein und lässt sich ebenso einfach wieder lösen. Zumindest dann, wenn man beim Abnehmen des Objektivs den Ring noch an der Kamera belässt. Das Erscheinungsbild des montierten Adapters hat den Charme eines großen, verchromten Zahnrads. Etwas kleiner und in schwarz würde mir das besser gefallen. Unglücklich ist auch, dass das Entriegelungsblech bei montiertem Adapter über die Funktionstaste Fn2 der Kamera ragt. Wegen ihrer Breite lässt sich diese aber trotzdem noch bedienen.


VOIGTLÄNDER an NIKON: Ohne Kommunikation zum Ziel

Kamera und Objektiv sind also rein mechanisch miteinander verbunden. Es gibt demnach nur die Abbildung, die das Objektiv auf den Sensor projiziert. Das reicht der NIKON aber, um neben der Belichtungsautomatik A (Zeitautomatik nach Blendenvorwahl) einige Assistenzsysteme zur Verfügung zu stellen. Manuelles Scharfstellen wird durch das brillante, hochauflösende Sucherbild der Z7 sehr erleichtert. Über Knopfdruck kann ich die Lupe zuschalten, die ich bei meiner Kamera auf die ergonomisch gut erreichbare AF-ON Taste gelegt habe. Focus Peaking geht natürlich auch. Eine Springblendenfunktion gibt es nicht, daher kann man zur Kontrolle der Schärfentiefe nicht mal eben mit einem Tastendruck auf- oder abblenden, sondern muss das per Blendenring tun. Allerdings gleichen Kameramonitor und Sucher den Helligkeitsverlust beim Abblenden mit leichter Verzögerung aus. Die Bildhelligkeit bleibt also mehr oder weniger immer gleich. Tatsächlich blende ich nur dann zur Kontrolle auf, wenn ich im Nahbereich präzise auf den Punkt scharfstellen muss. Mit einer Naheinstellung bis auf 20 cm kommt man mit dem SKOPAR E übrigens viel näher ran ans Motiv als mit vergleichbaren M-Objektiven.

Im Kameramenü habe ich mir die Kombination aus der Lichtstärke 3,5 und der Brennweite 20 mm (21 mm steht nicht zur Auswahl) auf eine Schnellauswahlposition gelegt. Die Z7 nutzt diese Information für die VR-Konfigurierung. Das funktioniert gut, einige der hier gezeigten Innenaufnahmen entstanden bei 1/10 Sekunde Belichtungszeit, und selbst bei 100% Ansicht am Rechner sehe ich keinerlei Verwacklungsunschärfe. Obwohl ich der Kamera also mitgeteilt habe, welche Brennweite das Objektiv hat, meldet sie diesen Wert nicht an ein aufgestecktes Blitzgerät. Dessen Zoom-Reflektor müsste man also am Blitzdisplay manuell einstellen. Das per Menü ausgewählte Objektiv wird auch nicht in die Bild-Metadaten geschrieben. Wenn wir die komplett haben möchten, können wir das aber später ergänzen (Anleitung dazu siehe HIER).

Bildqualität des 3,5 / 21mm SKOPAR E an der Z7

Verzeichnung. Die Verzeichnung des Skopar ist sehr gering tonnenförmig. Bei dem folgenden, unkorrigierten Architekturfoto mit dem Handlauf sieht man den Grad der Verzeichnung an den beiden parallel montierten, vertikalen Leuchten links im Bild. Ein ziemlich gutes Ergebnis für ein 21 mm Superweitwinkel, finde ich. Die meisten Architekturfotos, die ich mit dem Skopar erstellt habe, kommen ohne nachträgliche Korrektur aus.

Handlauf. Architekturaufnahme mit NIKON Z7 und VOIGTLÄNDER 21mm/1:3,5 Color Skopar E. Foto: Dr. Klaus Schörner

Blende 5,6, 1/20 Sekunde, ISO1000

Stahltreppe. Architekturaufnahme mit NIKON Z7 und VOIGTLÄNDER 21mm/1:3,5 Color Skopar E. Foto: Dr. Klaus Schörner

Blende 5,6, 1/10 Sekunde, ISO1000

Scharfzeichnung und Bokeh. Den hervorragenden Eindruck, den das Skopar an der SONY Alpha 7s II macht, finde ich an der NIKON Z7 bestätigt. Die Detailschärfe ist auch bei der hohen Sensorauflösung einwandfrei, – bis in die äußersten Bildecken und selbst bei offener Blende. Allerdings muss man beim Arbeiten mit Hyperfokaldistanz und Schärfentiefe berücksichtigen, dass die Beurteilung von Bildschärfe bei 45,7 Megapixeln eine andere ist als bei 12 Megapixeln. Zumindest dann, wenn man die hohe Bildauflösung auch nutzen möchte. Leichte Unschärfen, die bei 12 Megapixeln noch als scharf durchgehen, outet die Z7 als völlig unscharf.

Bei meinen Bildern mit dem 21 mm Skopar führt das zu einem interessanten Effekt, den man in der 100% Ansicht gut sieht. Bilddetails sind entweder knackscharf oder richtig unscharf, es scheint kein "etwas unscharf" zu geben. Da sich unsere Augen auf die Erfassung scharfer Bereiche konzentrieren, drängen diese visuell in den Vordergrund, während unscharfe Bereiche zurücktreten. Das Ergebnis ist eine Steigerung des dreidimensionalen Bildeindrucks, der mir besonders bei detailreichen Motiven wie den hier abgebildeten Naturaufnahmen auffällt. Das etwas unruhige Bokeh des 21ers tritt hinter diesem Effekt zurück.

Weiher. Praxistest NIKON Z7 mit VOIGTLÄNDER 21mm/1:3,5 Color Skopar E. Foto: Dr. Klaus Schörner

Blende 8, 1/1000 Sekunde, ISO200

Weiher. Ausschnitt in 100%-Ansicht. Praxistest NIKON Z7 mit VOIGTLÄNDER 21mm/1:3,5 Color Skopar E. Foto: Dr. Klaus Schörner
Bildausschnitt Ecke in 100%-Ansicht. Praxistest NIKON Z7 mit VOIGTLÄNDER 21mm/1:3,5 Color Skopar E. Foto: Dr. Klaus Schörner
Bildausschnitt Mitte in 100%-Ansicht. Praxistest NIKON Z7 mit VOIGTLÄNDER 21mm/1:3,5 Color Skopar E. Foto: Dr. Klaus Schörner
Bildausschnitt Ecke in 100%-Ansicht. Praxistest NIKON Z7 mit VOIGTLÄNDER 21mm/1:3,5 Color Skopar E. Foto: Dr. Klaus Schörner
Bildausschnitt Ecke in 100%-Ansicht. Praxistest NIKON Z7 mit VOIGTLÄNDER 21mm/1:3,5 Color Skopar E. Foto: Dr. Klaus Schörner

Ausschnitte aus den Bildern dieses Beitrags, Eck-, Rand- und Zentralpositionen in 100%-Ansicht.

Weiher. Test NIKON Z7 mit VOIGTLÄNDER 21mm/1:3,5 Color Skopar E. Foto: Dr. Klaus Schörner

Blende 8, 1/125 Sekunde, ISO200

Streulicht, Flare, Blendenflecke & Co. spielen bei dem 3,5 / 21 mm Color Skopar E keine Rolle. Selbst in Gegenlichtsituationen oder beim Fotografieren direkt in eine Lichtquelle hinein gelingt es mir nicht, derartige Effekte zu provozieren. Dabei ist egal, ob die Gegenlichtblende aufgeschraubt ist oder nicht.

Schattenriss. Praxistest NIKON Z7 mit PIXCO-Adapter und VOIGTLÄNDER 21mm/1:3,5 Color Skopar E. Foto: Dr. Klaus Schörner

Blende 8, 1/80 Sekunde, ISO200

Parkanlage mit altem Baumbestand. Praxistest NIKON Z7 mit PIXCO-Adapter und VOIGTLÄNDER 21mm/1:3,5 Color Skopar E. Foto: Dr. Klaus Schörner

Blende 8, 1/100 Sekunde, ISO200

Chromatische Aberrationen. Unter extremen Bedingungen, – zum Beispiel bei Hochkontrast- und Gegenlicht-Motiven in den Bildecken –, produziert das Skopar Farbsäume in gelb/blau. Und die sind nicht so einfach zu beseitigen, weil sie, wie gesagt, nur in den Bildecken auftreten. Sie sind allerdings so gering und schmal, dass man sie selbst in der 100%-Ansicht kaum wahrnimmt. Man muss schon auf 300% vergrößern, um diesen Effekt richtig zu erkennen, und das würde man – entsprechenden Qualitätsanspruch vorausgesetzt – in der bildmäßigen Fotografie nicht tun. Daher denke ich, wir können uns darauf einigen, dass CAs bei diesem Objektiv für die praktische Anwendung keine Rolle spielen.

CA-Test NIKON Z7 mit PIXCO-Adapter und VOIGTLÄNDER 21mm/1:3,5 Color Skopar E. Foto: Dr. Klaus Schörner
CA-Test, Detail in 100%-Ansicht. NIKON Z7 mit VOIGTLÄNDER 21mm/1:3,5 Color Skopar E. Foto: Dr. Klaus Schörner

 

 

 

Links: Bildausschnitt aus dem Bild oben (siehe Markierung) in 100%-Ansicht.

 

 

 

Unten links: Dito in 300%-Ansicht.

CA-Test, Detail in 300%-Ansicht. NIKON Z7 mit VOIGTLÄNDER 21mm/1:3,5 Color Skopar E. Foto: Dr. Klaus Schörner

Vignettierung. An der SONY ist Rand- und Eckenabdunklung kein Thema. Mir ist allerdings nicht bekannt, wie weit die Kamera bei der Bildaufbereitung gegensteuert. Da die NIKON nur mechanisch mit dem Skopar verbunden ist, findet kameraseitig definitiv keine Korrektur statt. Das sieht man. Die Bildränder werden deutlich dunkler wiedergegeben.

Praxistest VOIGTLÄNDER 21mm/1:3,5 Color Skopar E an der NIKON Z7. Vignettierung bei Blende 3,5. Foto: Dr. Klaus Schörner

 

Links: Das Foto in den bedeckten Himmel hinein zeigt eine deutliche Randabdunklung. Offene Blende 3,5.

Praxistest VOIGTLÄNDER 21mm/1:3,5 Color Skopar E an der NIKON Z7. Vignettierung bei Blende 11. Foto: Dr. Klaus Schörner

 

Links: Auch nicht viel weniger Vignettierung bei Blende 11.

Praxistest VOIGTLÄNDER 21mm/1:3,5 Color Skopar E an der NIKON Z7. Korrektur der Vignettierung in Lightroom. Foto: Dr. Klaus Schörner

 

Links: Die Rand- und Eckenabdunklung lässt sich in Lightroom einigermaßen beseitigen. Man muss aber schon kräftig an den Reglern zerren.

Praxistest VOIGTLÄNDER 21mm/1:3,5 Color Skopar E an der NIKON Z7. Nach Korrektur der Vignettierung. Foto: Dr. Klaus Schörner

 

Links: Das Ergebnis mit den oben gewählten Korrekturwerten in Lightroom.

Fazit:

Keine automatische Scharfstellung, keine Springblende, keine Programm- oder Blendenautomatik, keine automatische Anpassung eines Blitzreflektors, unvollständige Metadaten: Für den einen Fotografen ein No-Go, dem anderen ist das nicht so wichtig. Es kommt auf die Fotomotive und die persönliche Arbeitsweise an. Wer auf die genannten automatischen Leistungsmerkmale verzichten kann, erfreut sich an den kompakten Abmessungen des Color Skopar E 21 mm 1:3,5, an seiner weichen und präzisen Fokussierung, dem sauber gerasteten Blendenring und den verbleibenden, an sich völlig ausreichenden Assistenzsystemen, die die Z7 zur Unterstützung unidentifizierter Objektive bereitstellt. Mir jedenfalls macht das manuelle Scharfstellen mit dem hochauflösenden Sucher und seinen Lupenoptionen auf Knopfdruck Spaß und das Arbeiten damit geht flüssig von der Hand.

Hinsichtlich der Adaptierung erfüllt der hier beschriebene, sehr preisgünstige Ring von PIXCO seinen Zweck. Früher oder später werden sich aber sicher noch ästhetischere Lösungen anbieten.

Das 21er von VOIGTLÄNDER liefert auch an der NIKON Z7 eine überzeugende Bildqualität mit präziser Detailwiedergabe bis in die Bildecken, wenig Verzeichnung, verschwindend geringen CAs und beachtlicher Unempfindlichkeit gegen Flare und Streulichteffekte. Ein Problem kann allenfalls die Randabdunklung darstellen. Daneben gefällt mir das Objektiv durch einen Bildeindruck, der mir an der SONY Alpha 7s II so nicht aufgefallen ist. Knackige Schärfe und zugleich ein ausgeprägtes Bokeh verleihen insbesondere detailreichen Bildern eine Mischung aus Plastizität und einer Art Vintage-Effekt, die ich sehr spannend finde. Verstärkt wird das durch den extremen Bildwinkel von 91,2° in Verbindung mit der ausgeprägten Vignettierung, die man je nach gewünschter Bildwirkung mildern oder auch belassen kann.

Praxistest VOIGTLÄNDER 21mm/1:3,5 Color Skopar E an der NIKON Z7. Foto: Dr. Klaus Schörner

Blende 8, 1/125 Sekunde, ISO200

Copyright 2020 by Klaus Schörner / www.bonnescape.de

Herzlichen Dank an VOIGTLÄNDER / RINGFOTO in Fürth für die erneute Leihgabe des Objektivs, die meine Urteilsfindung allerdings nicht beeinflusst hat. Vorteile, Nachteile und Eigenarten des SKOPAR habe ich in dem Bericht entsprechend meinem persönlichen Eindruck ungefiltert und unbeeinflusst wiedergegeben. 


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