Nikon F4

Die NIKON F4 – tatsächlich so etwas wie eine Liebeserklärung

Die Nikon F4 - ein Meilenstein der Kamerageschichte, Copyright 2016 by Klaus Schoerner

Wenn es je eine Kamera gab, die mich bis heute dauerhaft in emotionale Begeisterung versetzen kann, dann ist das ohne jeden Zweifel die NIKON F4. Für mich ein Meilenstein der Kamerageschichte und subjektiv die formvollendetste Kamera, die NIKON je gebaut hat. Nach den vergleichsweise kantigen Vorgängern ist die 1988 vorgestellte F4 die erste Profikamera aus dem Hause NIKON, die konsequent auf abgerundete, ergonomische Formgebung setzt.   ...

Wie keine andere NIKON vor oder nach ihr, scheint die F4 wie für meine Hände geschaffen. Alle Bedienelemente sind perfekt platziert. Gut ausbalanciert liegt sie in den Händen. Ihr für heutige Verhältnisse hohes Gewicht von rund 1200 g wirkt stimmig, vermittelt das Gefühl von grenzenloser Zuverlässigkeit und Qualität. Ob mit kurzbrennweitigen Objektiven oder langen Telezooms, die Kamera ermöglicht jederzeit einen sicheren Griff. Sie fühlt sich einfach gut an. 

Gut ausbalanciert liegt die Nikon F4 in den Händen. Copyright 2016 by Klaus Schoerner

Ein Meilenstein der Fototechnik

Im Vergleich zu den Vorgängern erscheint die F4 geradezu unglaublich fortschrittlich. Neben ihrem selbst für heutige Maßstäbe außerordentlich großen und brillanten Sucherbild ohne Bildfeldeinschränkung für Brillenträger verfügt sie serienmäßig über ein innovatives Matrix-Meßsystem sowie integrierten Autofokus. Zwar bietet sie nur ein einzelnes, zentral platziertes AF-Messfeld, arbeitet aber präzise, einigermaßen schnell und mit Vorwahlmöglichkeit für statische oder kontinuierliche Schärfeführung. Griffige, beschriftete Drehknöpfe erlauben eine schnelle Bedienung und Erkennung der Einstellungen, ein Display mit komplizierter mehrfachbelegter Knopfsteuerung sucht man vergebens. Alle wichtigen Informationen werden im Sucher eingespiegelt oder mit stromsparender Flüssigkristallanzeige, auf Knopfdruck auch grün hinterleuchtet, angezeigt. Statt der heute üblichen Spiegelvorauslösung, die mit 3 bis 5 Sekunden für die effektive Vermeidung von Verwacklungen mitunter zu kurz ausfällt, hat die F4 einen Hebel, mit dem der Spiegel nach oben geklappt werden kann. Wenn die Belichtungen abgeschlossen sind, klappt man ihn wieder zurück. Maximal individuell und dabei genial einfach. Trotz elektronischer Verschlussteuerung und sensitivem Auslöseknopf setzt die Kamera zur Fernauslösung noch auf einen seitlich an der Gehäusebasis platzierten Drahtauslöseranschluss. Wunderbar! Niemals habe ich für Langzeitbelichtungen etwas anderes gebraucht. Die mehrpoligen, elektronischen Fernauslöser-Schnittstellen späterer Nikons mit ihrer hakeligen Schraubbefestigung, die sich entweder von selbst löst oder die man später kaum noch los bekommt, sind mir ein Gräuel. Da die F4 über einen integrierten Motor verfügt, ist sie die erste Profi-Nikon ohne den in den 80er Jahren noch obligatorischen Schnellspannhebel. Ich erinnere mich, dass sich viele Fotoprofis damals nur schwer mit dieser Tatsache anfreunden konnten.

 

Erstaunlich, dass dieses wunderbare, ergonomische Stück Profi-Technik nicht so recht an den Verkaufserfolg der Vorgängermodelle anknüpfen konnte. Jedenfalls wurde die Produktion des Vorgängermodells F3 aufgrund der dauerhaft hohen Nachfrage fortgesetzt und sogar erst 6 Jahre nach Ablösung der F4 durch ihre Nachfolgerin F5 eingestellt.

Die Nikon F4, perfektes Kameradesign. Copyright 2016 by Klaus Schoerner

Die NIKON F4 im Härtetest in den Tropen

Anfang der 90er Jahre hat mich meine F4 zweimal für einige Monate nach Indonesien begleitet und unzählige Rollen Kodachrome 200 belichtet. Hitze, tropische Schwüle, Staub und die unvermeidlichen Erschütterungen beim Reisen auf holprigen Wegen konnten ihr nichts anhaben. Selbst einen Sturz aus einem Meter Höhe auf den gefliesten Steinboden eines alten Kolonialgebäudes in Yogyakarta überstand sie ohne funktionale Beeinträchtigungen (der Schaden an den Fliesen hielt sich in Grenzen). Nahezu unbegrenzt zuverlässig, hat die F4 niemals ihren Dienst versagt. Eine Freude, mit einem solchen Werkzeug zu arbeiten.

Dorfkinder beäugen den fremdländischen Besucher, Cirebon/Nord-Java, Nikon F4 mit AF 1,8/50 mm, Copyright 1993 by Klaus Schoerner

Oben: Dorfkinder beäugen den fremdländischen Besucher, Cirebon/Nord-Java,

NIKON F4, AF 1,8/50 mm, Kodachrome 200, NIKON Coolscan, Schwarz/Weiss-Umwandlung mit Photoshop

Bakso-Verkäufer in der Regenzeit, Zentral-Bali, Nikon F4 mit AF-D 3,5-4,5/28-105 mm, Copyright 1993 by Klaus Schoerner

Oben: Bakso Hujan, Regenzeit, Zentral-Bali,

NIKON F4, AF-D 3,5-4,5/28-105 mm, Kodachrome 200, NIKON Coolscan

Bäuerin vor Reisfeld-Panorama, Zentral-Bali, Nikon F4 mit AF-D 3,5-4,5/28-105 mm, Copyright 1993 by Klaus Schoerner

Oben: Bäuerin vor Reisfeld-Panorama, Zentral-Bali,

NIKON F4, AF-D 3,5-4,5/28-105 mm, Kodachrome 200, NIKON Coolscan

Händlerin auf einem Holzkahn im Hafen von Jakarta, Nikon F4 mit AF-D ED 2,8/80-200 mm, Copyright 1993 by Klaus Schoerner

Oben: Händlerin ordnet ihre Waren auf der Teak-Holzladung eines Kahns im Hafen von Jakarta,

NIKON F4, AF-D ED 2,8/80-200 mm, Kodachrome 200, NIKON Coolscan

Nach diesen Reisen musste die F4 dennoch immer öfter im Schrank bleiben. Meine Motivwahl, meine Arbeitsweise und meine Vorliebe für großformatige Vergrösserungen sprachen zunehmend für die Verwendung grösserer und schließlich digitaler Aufnahmeformate. Ein Vitrinenplatz ist meiner F4 jedoch sicher.

Copyright 2017 by Klaus Schörner / www.bonnescape.de


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Kommentare: 4
  • #1

    Maik (Donnerstag, 02 Februar 2017 13:53)

    Ich hatte eine. Nettes Teil. Hab immer gehofft, dass der Digi-Sensor in Form einer KB-Patrone auf den Markt kommt. Dann hätt ich sie nicht weggegeben. Aber Film ist mir inzwischen zu umständlich.

    Maik

  • #2

    Frank (Donnerstag, 22 Februar 2018 17:52)

    Habe meine immer noch, ab und zu bekommt sie auch einen Film. Hergeben werde ich sie nie.

    Frank

  • #3

    Klaus (admin) (Donnerstag, 22 Februar 2018 18:01)

    :-)
    Nein, ich kann mich auch nicht trennen. Man bekäme aber auch kaum noch etwas dafür. Ich habe letzte Woche bei einem Kölner Fotohändler mehrere im Schaufenster gesehen zu je etwa 200 €. Unfassbar ....
    LG, Klaus

  • #4

    Udo A. (Donnerstag, 24 Mai 2018 20:20)

    Das kann ich verstehen, ich kann mich von meiner Nikon F3 HP auch nicht trennen.

    Viele Grüße, Udo