Landschaft II, Filterhalter

Filter für die Landschaftsfotografie, Teil II:  Filterhalter

Erfahrungsbericht: Filterhalter mit Verlauffilter

Klar, man kann einen Grauverlauffilter auch mit der Hand vor das Objektiv halten .... Aber eleganter geht es doch mit einer professionellen Haltevorrichtung. Und spätestens, wenn mehrere Filter gleichzeitig verwendet werden und dazu auch noch reproduzierbare Ergebnisse entstehen sollen, dann ist ein ordentlicher Filterhalter ein Muss. Bei der Konstruktion der Halter und der dabei verwendeten Materialien gehen die Anbieter teilweise recht unterschiedliche Wege ...

Generell werden bei den marktüblichen Filterhaltern quadratische oder rechteckige Filterscheiben in Führungsschienen eingeschoben und mit Hilfe eines Adapterrings am Filtergewinde des Objektivs befestigt (von einigen wenigen sehr speziellen Lösungen, die sich aussen am Objektivgehäuse festklammern, wollen wir hier mal absehen). Einige Systeme bieten zudem Konzepte für das Anbringen weiterer Zubehörteile wie Polarisationsfilter oder Sonnenblenden an. Ob man sich für einen gegossenen Plastik-Halter von COKIN oder ZOMEI entscheidet oder für einen eloxierten Aluminium-Rahmen mit Messing-Elementen wie bei HAIDA, NISI, LEE oder FORMATT HITECH, ist eine Frage des persönlichen Geschmacks und des Preises, den man dafür bereit ist zu zahlen. Beide Material-Konzepte funktionieren. Dass gefederte Klammern aus Messing, die präzise in eine Nut greifen, bei der Montage verwacklungsfreier zu bedienen sind als Führungen aus Plastik, die das jeweilige Element durch ihre Eigenspannung halten, wird keine Überraschung sein. Angesichts des großen Angebots an Adapterringen zwischen 37 mm und 82 mm kann an nahezu jedes Objektiv mit einem gängigen Filtergewinde adaptiert werden. Für Weitwinkelobjektive sind Filterhalter in besonders schlanker Bauweise erhältlich, um Vignettierung zu vermeiden. Insbesondere die Aluminium-Halter bieten durch ihren modularen Aufbau zudem die Möglichkeit, die Bauhöhe mit der Anzahl der Führungsschienen selbst zu bestimmen. Einige Hersteller wie HAIDA oder NISI haben sogar individuelle, jeweils für einen speziellen Objektiv-Typ gedachte Filterhalter im Programm, so dass sich selbst für Konstruktionen mit großem Durchmesser sowie für Shift- und Superweitwinkelobjektive mit vorgewölbter Frontlinse oft eine Lösung finden lässt. 

Unten: Beispiel für ein 100er Filterset: Filterhalter HAIDA mit Adapterring und Polfilter, oben Grauverlauffilter von LEE FILTERS und Graufilter von HAIDA

Erfahrungen mit meinem Filterset: Haida Filterhalter mit Adapter und Polfilter, Graufilter und Lee-Grauverlaufsfilter

Welche Filterbreite kommt für mich in Frage?

Die gängigsten Filterhalter-Systeme verwenden Filterbreiten von 67 mm, 84 mm, 100 mm oder 150 mm. Für welche Größe man sich entscheidet, hängt von mehreren Faktoren ab: Typ und Größe der Kamera, Durchmesser und Bildwinkel des Objektivs, persönliche Arbeitsweise sowie Art und Anzahl der kombiniert verwendeten Filter. Auf alle möglichen Kombinationen konkret einzugehen, würde diesen Artikel sprengen. Ich möchte im Folgenden aber zumindest einige Beispiele nennen, die bei der Auswahl vielleicht weiterhelfen. So sprechen folgende Faktoren tendentiell für ein größeres System:

  • Objektive mit grossem Filtergewinde 
  • Weitwinkelobjektive
  • Es werden häufig mehrere Filter kombiniert eingesetzt

Grundsätzlich sollte die Filterbreite deutlich über dem Filtergewinde-Durchmesser des Objektivs liegen. Dies umso mehr bei großem Bildwinkel, da es sonst zu Vignettierung kommen kann. Werden häufig mehrere Filter kombiniert eingesetzt (z.B. Graufilter, Polfilter und mehrere Verlauffilter) führt die Anzahl an Führungsschienen zu einem voluminösen Aufbau vor dem Objektiv, der bei Weitwinkeln ebenfalls zu Abschattierungen in den Randbereichen führen kann. Also auch hier: Besser ein grösseres System wählen.

Beispiel: Meine beiden meist verwendeten Objektive an der NIKON-DSLR (Vollformat) sind das AF-S 2,8/28-70 mm und das PC-E 3,5/24 mm. Beide haben ein 77er Filtergewinde. Ich setze gleichzeitig bis zu 3 Filter ein (Grauverlauf, Graufilter, Polfilter) und komme dabei sehr gut mit einem 100er System zurecht.

Test: Haida-Filterhalter mit Grauverlaufsfilter, Graufilter und Polfilter auf Nikon D4

Oben: Filterhalter der 100er Serie von HAIDA mit Führungsschienen für zwei Filter: Vorn steckt ein ND 0,9 Grauverlauffilter, dahinter ein ND3 Graufilter. Das Objektiv ist das NIKON AF-S 2,8/28-70 mm für Vollformat mit 77er Filtergewinde.

Ein weiteres Beispiel: An der LEICA M führt ein 100er Filterhalter dazu, dass man durch den Sucher nichts mehr sehen kann. Ausserdem wird die Kamera damit zu unhandlich. Daher bevorzuge ich hier ein 84er System, dass auch mit dem 2,8/21 mm ZEISS Biogon noch vignettierungsfrei funktioniert und den Sucher nur teilweise abdeckt. Bei Objektiven mit kleinerem Bildwinkel wie dem 35 mm Biogon ZM oder bei Normal- und Tele-Brennweiten an der LEICA M reicht sogar der noch kleinere 67er Filterhalter, der dann noch weniger in den Sucher hineinragt.

 

Folgende Faktoren sprechen also tendentiell für ein kleineres System:

  • Kompakte Kameras
  • Sucher- und Mess-Sucherkameras
  • Objektive mit kleinerem Filtergewinde
  • Weitwinkelobjektive mit gemäßigtem Bildwinkel, Normal- und Telebrennweiten
  • Beschränkung auf 1-2 Filter 
Diverse Filterhalter und Polfilter von Cokin im Vergleich

Oben: Die kleineren Serien von COKIN: Filterhalter COKIN A (67 mm Filterbreite) mit eingesetztem Adapter, darüber der Verschlussdeckel, darunter der passende Polfilter. In der Mitte der Filterhalter COKIN P (84 mm Filterbreite) mit Polfilter, rechts daneben ein Objektiv-Adapterring und der Verschlussdeckel.

Nicht alle erhältlichen Filterhalter sind in der Lage, zusätzlich zum Verlauffilter einen Polarisationsfilter aufzunehmen. Das allerdings ist von nicht unwesentlicher Bedeutung. Grauverlauffilter und Polfilter sind in der Landschaftsfotografie die beiden wichtigsten Filtertypen. Es wäre ein Nachteil, beide nicht kombiniert einsetzen zu können. Ein Aufschrauben des Polfilters zwischen Objektiv und Filterhalter ist keine Alternative, da sich dann mit jedem Einstellen des Polfilters der gesamte Filterhalter mit dreht.

Bei Landschaftsfotos mit großen DSLR oder größeren Aufnahmeformaten verwende ich das 100er-System und habe mich nach einigem Ausprobieren für den Filterhalter von HAIDA entschieden. Dieser hat mich durch seine präzise Verarbeitung und sein durchdachtes Design überzeugt. Vier kleine Messingschrauben fixieren die Filterführungsschienen. Die kleinen gerändelten Schraubköpfe ragen vorn heraus und können von Hand gelöst werden. Das gefällt mir besser als versenkte Schlitzschrauben, für die ich Werkzeug dabei haben muss, oder die umgekehrt mit ihren Spitzen vorn herausragenden Schrauben beim Halter von FORMATT. Damit sind Beschädigungen an der Innenverkleidung der Fototaschen und der eine oder andere Kratzer an den Händen nur eine Frage der Zeit. Ähnlich wie bei FORMATT, LEE und NISI entriegelt bei HAIDA ein kleiner gefederter Messingknopf den Adapterring, so dass der Filterhalter mit einem Griff vom Objektiv abgenommen und wieder aufgesetzt werden kann. Der Adapterring ist vorn mit einem Innengewinde ausgestattet, in die ein optional erhältlicher, extrem flach gebauter 82er Polarisationsfilter eingeschraubt werden kann. Dieser befindet sich auf diese Weise in direkter Nähe zum Objektiv, während der Filterhalter um ihn herumreicht. Eine gute Lösung zur Vermeidung von Vignettierung bei Weitwinkelobjektiven. Befinden sich Verlauffilter im Halter, muss der Filterhalter zum Drehen des Polfilters allerdings abgenommen werden, was dank des Entriegelungsknopfes mit nur einem Handgriff getan ist. Beim Wiederaufsetzen muss man darauf achten, die Nut zu treffen, da sich sonst der gesamte Halter samt teuren Filtern Richtung Boden verabschieden kann.

Test: Polfilter im Haida-Filterhalter

Oben: Versenkte Platzierung des superflachen 82er Polfilters im Filterhalter bei der HAIDA 100er Serie. 

An kompakteren Kameras bevorzuge ich den Filterhalter aus der P-Serie von COKIN, der Filterscheiben mit 84 mm Breite aufnimmt. Das verwendete Plastik-Material des Halters wirkt billig, das Aufsetzen und Lösen vom Adapterring ist hakelig und man muss aufpassen, dass man dabei nicht ungewollt die Kameraausrichtung verändert. COKIN hat jedoch ein tolles Konzept für den optionalen Polfilter, dessen Fassung zum Rand hin zahnradähnlich ausläuft, so dass er an den Ecken über den Halter hinausragt und komfortabel gedreht werden kann.

Der Filterhalter COKIN P besitzt einen zusätzlichen Slot für den Polfilter.

Oben: Der Filterhalter COKIN P (84 mm Filterbreite) besitzt einen zusätzlichen Slot für den Polfilter mit zahnradartiger Fassung.

Das 35er Biogon ist bestückt mit einem Einschraub-Graufilter ND8 und dem Filterhalter COKIN P mit Grauverlauffilter und Polfilter

Oben: Das 2,0/ 35er ZEISS Biogon ist bestückt mit einem Einschraub-Graufilter ND8 und dem Filterhalter COKIN P (84 mm Filterbreite) mit Grauverlauffilter und Polfilter (der Pol ist zu erkennen an der oben links herausragenden Zahnradfassung). Der Filterhalter wurde mit einem 43/62 mm Adapter an das Filtergewinde des Biogon angepasst und führt trotz des respektablen Aufbaus zu keiner Vignettierung.

Erfahrungen mit der Leica M9 mit Zeiss Biogon 21mm und Weitwinkel-Filterhalter COKIN P

Oben: Das 2,8/21er ZEISS Biogon mit seinen 90° Bildwinkel lässt nur einen Weitwinkel-Filterhalter mit mindestens 84 mm Filterbreite (hier COKIN P) zu. Der UV-Schutzfiter muss zuvor abgeschraubt werden, da der Aufbau ansonsten zu Vignettierung führt. Der Kamerasucher wird zum Teil durch den Filterhalter verdeckt, so dass sich eine Kamera mit Life View empfiehlt.

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