Viltrox AF 28mm f4,5 FE VCM Asph ED Sony E-Mount

Pancake-Objektiv oder Gehäusedeckel mit Fenster?

Super-kompaktes Weitwinkelobjektiv im Test: Viltrox AF 28mm f/4.5 VCM Asph ED. Foto: bonnescape.de

Kaum größer als ein Objektivdeckel ist dieses  sechslinsige Weitwinkelobjektiv mit Autofokus und Vollformatabdeckung. Das VILTROX AF 28mm f/4.5 VCM Asph ED ist eines der kleinsten und leichtesten Objektive für den Anschluss Sony E. Zwischen Minimalismus und Vintage-artigen Flares stellt sich die Frage, ob radikale Kompaktheit hier tatsächlich noch einen  Mehrwert darstellt.

VILTROX ist ein chinesischer Objektivhersteller, der sich in den vergangenen Jahren mit preislich attraktiven Autofokus-Objektiven für spiegellose Kameras etabliert hat. Der Schwerpunkt liegt bei modernen Anschlussstandards, elektronischer Integration und einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis. Typisch für VILTROX ist die Bereitschaft, auch unkonventionelle Ansätze jenseits klassischer Objektivkonzepte umzusetzen. Ein gutes Bespiel dafür ist das vorliegende 28 mm Pancake. Portabilität, Vereinfachung und der niedrige Verkaufspreis von knapp 100 € scheinen mir so radikal, dass ich gespannt war, welche konstruktiven Einschränkungen damit einhergehen. 

Der erste Eindruck

Die Baulänge beträgt lediglich 15,3 mm. Trotz seines geringen Gewichts von ca. 60 g wirkt das 28er konstruktiv recht gut verarbeitet. Zudem hat VILTROX dem Sechslinser zwei asphärische Linsen und zwei ED-Linsen (Extra-low Dispersion) mitgegeben. Ein weiterer Pluspunkt ist das Metallbajonett, das in dieser Objektivklasse nicht selbstverständlich ist. Der Rest des Gehäuses besteht aus Kunststoff, was funktional in Ordnung ist, aber wohl auch dem Ziel der Kostenreduzierung dient. Ein Wetterschutz gegen Staub oder Spritzwasser fehlt, was den Einsatz im Outdoor-Bereich etwas einschränkt.

Bajonett-Seite des Viltrox AF 28mm f/4.5 VCM Asph ED. Foto: bonnescape.de
Frontansicht des Viltrox AF 28mm f/4.5 VCM Asph ED. Foto: bonnescape.de

Oben links: Metallbajonett und elektronische Kontakte auf der Anschlussseite des VILTROX AF 28mm f/4.5 VCM Asph ED.
Oben rechts: Frontansicht, das einzige einstellbare Element ist der Schiebeknopf für die Linsenabdeckung.

Bei der Ausstattung und Bedienung zeigt sich das Objektiv konsequent minimalistisch. Es gibt weder einen manuellen Scharfstellring noch eine einstellbare Blende oder ein Filtergewinde. Auch eine Gegenlichtblende ist nicht vorgesehen. Stattdessen hat VILTROX einen Objektivdeckel integriert, der über einen kleinen Schiebeknopf geöffnet und geschlossen wird. Dieser Mechanismus wirkt filigran, erfüllt aber seine Schutzfunktion und ist eine smarte Idee, die zum Gedanken eines stets einsatzbereiten Immerdrauf-Objektivs passt.

Der Drehverschluss des Viltrox AF 28mm f/4.5 VCM Asph ED kann bequem mit dem Mittelfinger bedient werden. Foto: bonnescape.de

Oben: Der Schieber für die Linsenabdeckung kann unmittelbar vor und nach der Aufnahme mit dem Mittelfinger bedient werden.

Fokussierung

Der Autofokus-Antrieb erfolgt durch einen Schwingspulenmotor (Voice-Coil) und arbeitet leise und präzise. Dank des kurzen Einstellweges zwischen der minimalen Aufnahmeentfernung von 32 cm und Unendlich ist die Geschwindigkeit in Ordnung. Eine Möglichkeit zur manuellen Fokussierung gibt es nicht. Damit scheiden klassische Arbeitsweisen wie die Hyperfokaldistanz weitgehend aus. Im Videobetrieb zeigt sich, dass beim Fokussieren ein "Atmungseffekt" auftritt, bei dem sich der Bildwinkel verändert. Zusätzlich erschwert die feste Blende in Kombination mit dem fehlenden Filtergewinde die Einhaltung filmischer Verschlusszeiten bei hellem Licht, da keine Neutraldichtefilter eingesetzt werden können. Zur Kompensation steht also nur der ISO-Wert zur Verfügung. Für einfache Vlogging-Setups ist das Objektiv wohl nutzbar, für Produktionen mit höherem  gestalterischem Anspruch aber nur mit Einschränkungen geeignet.

Architekturdetail mit Schatten. Praxistest des Viltrox AF 28mm f/4.5 VCM Asph ED. Foto: bonnescape.de

Oben: Verzeichnung und Vignettierung des Pancake-Objektivs sind moderat, aber können bei manchen Motiven stören.


Schärfeleistung und Bokeh

An der Alpha 7s liefert das VILTROX AF 28mm f/4.5 VCM eine gute Scharfzeichnung. Außerhalb des Bildzentrums nimmt die Auflösung etwas ab, bleibt aber in einem akzeptablen Bereich. Da kein Abblenden möglich ist, lässt sich die Bildqualität nicht steigern und auch die Schärfentiefe nicht verändern. Für Landschafts-, Architektur- oder Repro-Aufnahmen mit höheren Sensorauflösungen, bei denen eine einheitliche Detailzeichnung über die gesamte Bildfläche erwünscht ist, ist das Objektiv sicher nicht das Werkzeug der Wahl. Bei Weitwinkelobjektiven erwartet man nicht unbedingt optimale Voraussetzungen für ein Bokeh mit weichen Schärfe-Unschärfe-Übergängen. Das VILTROX-Pancake verbindet eine kurze Brennweite mit einer kleinen Blendenöffnung. Selektiver Schärfeeinsatz mit klarer Freistellung vor unscharfem Hintergrund ist daher nur eingeschränkt möglich. Das Bokeh wirkt etwas unruhig. Punktförmige Lichtquellen oder Reflexe werden mit oktogonalen Unschärfekreisen abgebildet. Übergänge zwischen scharf und unscharf sind eher abrupt. 

Praxistest Bokeh: Viltrox AF 28mm f/4.5 VCM Asph ED. Foto: bonnescape.de

Oben: Ein 28 mm Weitwinkelobjektiv mit entsprechend hoher Schärfentiefe ist nicht gerade prädestiniert für harmonische Bokeh-Aufnahmen. Das VILTROX Pancake ist da keine Ausnahme. 

Verzeichnung, Vignettierung und CAs

Die Vignettierung ist mit Ausnahme der Bildecken nicht sehr ausgeprägt, hat aber einen deutlich sichtbaren Cyan-Touch. Die kissenförmige, leicht wellige Verzeichnung lässt sich in der Nachbearbeitung nur schwer restlos beseitigen, bleibt aber dezent, so dass sie bei den meisten Motiven kaum stören dürfte. Inwieweit das eine Folge der optischen Korrektur ist oder auf kamerainterne Korrekturprofile zurückgeht, ist nicht bekannt, kann uns aber auch egal sein. Ähnliches gilt für die geringen chromatischen Aberrationen an Hochkontrastkanten, die sich am ehesten in den Bildecken als cyanfarbene Farbsäume zeigen. 

Backstein-Hausfassade mit gelbem Briefkasten, Praxistest Verzeichnung des Viltrox AF 28mm f/4.5 VCM Asph ED. Foto: bonnescape.de

Oben: Bilder mit dem 28er VILTROX haben eine tendenziell kissenförmige, gering wellig verlaufende Verzeichnung, die bei geradlinigen Motiven sichtbar wird. Architekturfotografie ist sicher nicht die Domäne des Objektivs.

Verhalten bei Gegenlicht

Beim Fotografieren in Gegenlichtsituationen zeigt das 28er VILTROX charakteristische Merkmale, man könnte auch sagen: optische Schwächen. Starke Lichtquellen im Bild oder knapp außerhalb des Bildrands können zu Kontrastverlust, Reflexen und Flare führen. Die Effekte erinnern an alte, einfachvergütete Objektive. Lichtpunkte führen zu prägnanten achtstrahligen Sonnensternen mit lang ausstrahlenden Zacken. Das muss man mögen oder für bestimmte Bildergebnisse bewusst einsetzen. Andernfalls nimmt man besser ein anderes Objektiv. 

Straße mit Straßenleuchten und grüner Hecke bei Nacht. Gegenlichtverhalten des Viltrox AF 28mm f/4.5 VCM Asph ED. Foto: bonnescape.de

Kreisverkehr bei Nacht. Gegenlichtverhalten des Viltrox AF 28mm f/4.5 VCM Asph ED. Foto: bonnescape.de

Oben: Das Gegenlichtverhalten des VILTROX AF 28mm f/4.5 VCM Asph ED ist geprägt von achtstrahligen Sonnensternen und großflächigen Flare-Effekten. Starke Lichtquellen knapp außerhalb des Bildrahmens können in das Bild hineinstrahlen. Dieses Problem lässt sich aber zumeist mit einer minimalen Drehung der Kamera lösen.

Fazit:

Es macht Spaß, mit diesem Pancake-Objektiv zu fotografieren. Der präzise und recht flotte Autofokus und die integrierte Linsenabdeckung mit ergonomisch platziertem Schiebehebel machen ein unbeschwertes Arbeiten möglich. Die größten Stärken des VILTROX AF 28mm f/4.5 VCM (Amazon link) liegen in Größe, Gewicht und Preis. Kein anderes Autofokusobjektiv für Vollformat ist ähnlich klein und leicht. Damit einher gehen Einschränkungen in der Bedienbarkeit und der Einsatzbandbreite, vor allem durch die Fix-Blende und die fehlende manuelle Scharfstellung. Die optische Qualität ist an der Alpha 7s mit ihrer nicht ganz so hohen Sensorauflösung erstaunlich gut, so lange man nicht bei Gegenlicht fotografiert. Dann erhalten die Bilder einen nebulösen, vintage-ähnlichen Look, den man akzeptieren muss oder den man für bestimmte Ergebnisse bewusst einsetzen kann. Seit Kurzem gibt es das Objektiv auch mit Anschluss für NIKON Z Kameras.

Bodenfliesen im Sonnenlicht. Viltrox AF 28mm f/4.5 VCM Asph ED. Foto: bonnescape.de

Oben: Knackige Schärfe, aber blaugrüne Bildecken mit dem VILTROX AF 28mm f/4.5 VCM Asph ED.

Copyright 2026 by Klaus Schörner / www.bonnescape.de

Hinweis: Mein Bericht gibt unbeeinflusst meinen Eindruck von und meine Erfahrungen mit dem beschriebenen Objektiv wieder. An der Entstehung dieses Berichtes war kein Hersteller und kein Händler beteiligt. Ich erhalte keine Vergütung für diesen Bericht und habe mein hier gezeigtes Exemplar zum ganz normalen Preis im Online-Fachhandel gekauft.


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Kommentare: 4
  • #1

    Marius (Sonntag, 08 Februar 2026 10:07)

    Macht es Sinn, so ein Objektiv an Nikon Spiegelreflexkameras zu adaptieren? Geht das überhaupt? Danke vorab.

  • #2

    Klaus (admin) (Sonntag, 08 Februar 2026 19:20)

    @Marius: Aufgrund des unterschiedlichen Auflagemaßes müsstest Du einen Adapter mit Linse verwenden, die den Strahlengang durch den Spiegelkasten bis zur Filmebene verlängert. Derartige Änderungen des optischen Konzeptes tun der Bildqualität selten gut.

  • #3

    Alex (Sonntag, 08 Februar 2026 23:54)

    Danke für den Beitrag. Ich hatte mich schon gefragt, was von diesen extremen Pancakes zu erwarten ist. Ich warte mal, bis die Nikon Version lieferbar ist. An der Z50 müsste das doch ideal sein, wenn der Crop Sensor die Bildecken abschneidet.

  • #4

    Klaus (admin) (Montag, 09 Februar 2026)

    @Alex: Die Kompaktheit der Kamera wird mit diesem Objektiv sicher gut unterstützt und durch den DX-Sensor werden die problematischen Bildecken abgeschnitten, so dass nur der Sweet Spot des 28ers genutzt wird.
    Allerdings entspricht der Bildwinkel dann nur noch einem 40 mm Objektiv.