Neuheit: Belichtungsmesser trifft Entfernungsmesser
Für diejenigen von uns, die mit älteren analogen Kameras fotografieren, sind zahlreiche kompakte Aufsteck-Belichtungsmesser erhältlich, von Herstellern wie Reflx Lab, Keks, TTArtisan, Doomo, Cameractive und anderen. Reflx Lab hat dazu jetzt ein Modell mit erweiterten Funktionen im Programm. Der neue RANGE LUX METER kombiniert einen Belichtungsmesser mit einem Laser-Entfernungsmesser und vereint damit zwei Funktionen, die bislang meist durch separate Zubehörteile abgedeckt wurden.
Oben: RANGE LUX METER auf einer Voigtländer Vito.
Ein kompakter digitaler Belichtungsmesser zum Aufstecken in den Blitzschuh ist heute keine Besonderheit. Externe Entfernungsmesser sind dagegen weitgehend vom Markt verschwunden. Allerdings gibt es zahlreiche Kameras, bei denen eine exakte Entfernungsmessung durchaus hilfreich sein kann. Dazu zählen Faltkameras, Sucherkameras ohne Messsucher, viele Mittelformatkameras mit Skalenfokussierung sowie technische Kameras, Panorama- und Großformat-Handkameras. Besonders bei größeren Aufnahmeformaten und der damit verbundenen geringeren Schärfentiefe ist ein Schätzen der Entfernung oft zu ungenau und eine präzise Entfernungsmessung von Vorteil. Genau das ist der beabsichtigte Einsatzbereich des RANGE LUX METER: Mit einem einzigen Gerät im Blitzschuh der Kamera erhält man sowohl einen Belichtungswert als auch eine Entfernungsangabe zum Motiv.
Verarbeitung und Bedienung
Das 34 g schwere Aluminiumgehäuse ist in silberner oder schwarzer Ausführung erhältlich, wirkt solide verarbeitet und bleibt mit 43 x 35 x 19 mm zugleich angenehm kompakt. Die Bedienung erfolgt mit zwei Tasten und einem Einstellrad und ist nur bei den Basisfunktionen selbsterklärend. Eine Einknopfbedienung (links für den Entfernungs-, rechts für den Belichtungsmesser) bringt es mit sich, dass die einzelnen Befehle und Menüpunkte über längeres, kürzeres oder wiederholtes Drücken erreicht werden. Will man Einstellungen wie den ISO-Wert, die Messart oder die Belichtungskorrektur ändern, sollte man sich dazu die Erläuterungen in dem beigefügten Faltblättchen einprägen. Die zwei Tasten sitzen präzise in der Führung und haben einen deutlich spürbaren Druckpunkt. Das groß dimensionierte, über den Rand des Gerätes hinausragende, gerastete Einstellrad ermöglicht ein präzises Einstellen der gewünschten Werte. Bei meinem Exemplar wirkt es etwas zu schwergängig.
Oben: Der RANGE LUX METER auf einer 4x5 Handkamera. Komfortables Arbeiten mit einem Blick von oben auf die Messwerte, die Einstellskala der Fokusschnecke und die Zeit- und Blendeneinstellung.
Oben: Verwendung mit linksbündig angeschraubtem Fuß an einer Kodak Retina.
Befestigung
Für den Kunststoff-Fuß gibt es an der Geräteunterseite drei mögliche Montagepositionen, damit das Gerät im Zubehörschuh der jeweiligen Kamera keine Bedienelemente verdeckt.
Oben: Unterseite mit mittig angebrachtem Kunststofffuß und alternativen Gewindebohrungen.
Display und Messbereich
Das 16 x 9 mm große digitale Display hat brillant leuchtende Ziffern vor schwarzem Hintergrund und ist auch bei hellem Umgebungslicht gut ablesbar. Erst bei direkter Sonnenbestrahlung schattiere ich die Anzeige etwas mit der Hand ab, um noch etwas zu erkennen. Die Standardansicht liefert im Wesentlichen den ISO-Wert, das Messergebnis als Kombination von Verschlusszeit und Blende, die Entfernung und den Akku-Ladezustand. Der Einstellbereich reicht von ISO 8 bis ISO 6400, von 1/8000 Sekunde bis zu 30 Sekunden Belichtungszeit und von Blende 1,0 bis 32 in halben Schritten. Auch zwischen Dauer- und Momentmessung kann man wählen. Eine Belichtungskorrektur, zum Beispiel bei der Verwendung von Filtern, ist in halben Blendenschritten von -2 bis +2 möglich. Der eingestellte Wert erscheint aber nicht in einem eigenen Menü, sondern wird auf Knopfdruck zwischen den anderen Angaben so winzig eingeblendet, dass ich ihn ohne Lupe nicht ablesen kann.
Oben: Alle Belichtungs- und Entfernungsmesswerte auf einen Blick. Das runde Symbol oben rechts in der Ecke zeigt den eingeschalteten Laser an.
Oben: In einer winzigen dritten Zeile wird der eingestellte Korrekturwert eingeblendet.
Akku und Aufladeprozess
Laut den technischen Daten ist das Messgerät mit einem 280mAh Lithium-Akku ausgestattet, der innerhalb von 90 Minuten über eine USB-C Schnittstelle an der rechten Gehäuseseite komplett aufgeladen werden kann.* Ein kleines Ladekabel mit USB-Anschluss liegt bei, jedoch kein Netzteil. Das ist bei derartigen Geräten üblich, denn ein Aufladen ist mit gängigen 5V-Ladegeräten, also z.B. mit einem Smartphone-Netzteil oder am USB 3.0 Port eines Rechners möglich. Der Stromverbrauch ist erfreulicherweise gering, eine Akku-Ladung soll im Standby drei Monate halten. Ich habe das Gerät seit mehr als zwei Monaten und mir ist es noch nicht gelungen, den Akku signifikant zu leeren.
* Mein Exemplar beinhaltet laut Aufschrift nur einen 250mAh Akku und ist eventuell ein frühes Serienmuster, das ich erhielt, bevor die Geräte im Online Shop des Herstellers zu erwerben waren.
Die Belichtungsmessung
Eines vorweg, um Missverständnisse zu vermeiden: Der RANGE LUX METER ist kein Luxmeter*, wie man angesichts seines Namens vermuten könnte, sondern ein Belichtungsmesser. Als solcher bewegt sich der RANGE LUX METER im Rahmen dessen, was man von einem kompakten Aufsteckgerät dieser Klasse erwarten kann. Für die meisten Anwendungen in der Schwarzweiß- und Farbnegativfotografie liefert er ausreichend exakte Werte. Nennenswerte Fehlmessungen sind mir nicht aufgefallen. Eine Integral- oder Spot-Messung per TTL oder einen hochwertigen Handbelichtungsmesser mit Messkalotte wird er jedoch nicht ersetzen können. Der Messwinkel von 30° entspricht ungefähr dem Bildwinkel eines 80 mm Objektivs an der Kleinbildkamera. Fotografiere ich mit einem Normalobjektiv oder einem leichten Weitwinkel, ergibt sich also eine mittenbetonte Messung. Zur Ermittlung eines tragfähigen Messergebnisses halte ich die Kamera mit aufgestecktem Belichtungsmesser in Richtung einer Fläche mit mittlerer Helligkeit (z.B. eine Straße oder eine Rasenfläche), messe und übertrage die gemessenen Werte dann auf die Kameraeinstellungen. Danach suche ich meinen Bildausschnitt, führe bei Bedarf noch eine Entfernungsmessung durch, fokussiere entsprechend und bin dann bereit für die Aufnahme.
* Ein Luxmeter misst die Beleuchtungsstärke in der Einheit Lux (Lumen pro Quadratmeter) und dient beispielsweise zur Überprüfung von Lichtverhältnissen an Arbeitsplätzen.
Die Entfernungsmessung
Ein Doppelklick auf die linke Taste schaltet den Laser ein. Für die Entfernungsmessung wird er nicht zwingend benötigt, allerdings kann der Laserpunkt beim exakten Ausrichten eine Hilfe sein, wenn zwischen eng nebeneinander abgebildeten Objekten, die sich in unterschiedlicher Distanz zur Kamera befinden, zu differenzieren ist. Beispiel: Ein filigraner Zaun, auf den scharfgestellt werden soll, während zwischen den Streben ein dahinter befindlicher Garten zu sehen ist. Der Messwinkel beträgt 7°, erkannt wird bis zu einer Distanz von 20 Metern.
Oben: RANGE LUX METER auf einer Retina. Die Aufschrift "TOF" an der Gerätefront steht für "Time of Flight" und gibt einen Hinweis auf das Messverfahren. Dabei sendet das Gerät einen Lichtimpuls aus, stoppt die Zeit bis zur Rückkehr des reflektierten Lichtes und ermittelt daraus die Entfernung.
Fazit
Der neue Reflx Lab RANGE LUX METER kann nicht nur als klassischer Belichtungsmesser eingesetzt werden, sondern ist vor allem durch seine Kombination von Belichtungs- und Entfernungsmessung interessant. Während der vergangenen Monate erledigte das mir vorliegende Exemplar diese Aufgabe im praktischen Einsatz tadellos. Ob aus der Verbindung der beiden Messleistungen ein echter Vorteil entsteht, hängt von der persönlichen Arbeitsweise ab. Fotografen, die häufig mit Kameras fotografieren, bei denen die Entfernung zum Motiv vor dem Fokussieren geschätzt werden muss, werden den praktischen Nutzen schnell erkennen. Wer dagegen überwiegend mit Spiegelreflex- oder Messsucherkameras fotografiert, wird den Laser-Entfernungsmesser wahrscheinlich nur dann einsetzen, wenn ein Scharfstellen im Sucher mangels ausreichendem Licht nur eingeschränkt möglich ist.
Bezugsquelle: Reflx Lab Online Shop
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Hinweis: Das oben beschriebene Zubehörteil hat mir der Hersteller zum Testen geschickt. Ich erhalte kein Honorar für diesen Bericht. Dieser gibt unbeeinflusst meinen Eindruck und meine Erfahrungen mit dem betreffenden Produkt wieder.
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