Objektivvergleich 16-80 vs. 16-85 mm

Alt gegen Neu: NIKON DX 16-85 mm vs. 16-80 mm

Bapak Reja und eine Frau sitzen vor ihrem Haus. Copyright 2009 by Klaus Schoerner

Der Brennweitenbereich 16-85 mm bzw. 16-80 mm gilt als gehobener Standard für NIKONs DSLR-Serie mit dem kleinen DX Sensor. Beim Kleinbildformat entspricht er ungefähr 24-120 mm und bietet vom ordentlichen Weitwinkel bis zur mittleren Telebrennweite die Qualitäten eines "Immerdrauf". Vor drei Jahren hat NIKON für das schon ältere 16-85er Zoom einen lichtstärkeren Nachfolger präsentiert. Bei meinem Test der NIKON D500 sind quasi als Nebenprodukt einige Aufnahmereihen entstanden, die sich dazu eignen, die Schärfeleistung beider Zooms zu vergleichen.

Alt gegen Neu: Welches Zoom ist schärfer?

Beide NIKKORE stellen eine hochwertige Alternative zu den preisgünstigen Einsteiger-Zooms dar und waren bzw. sind sowohl einzeln als auch im Set mit den jeweiligen Spitzenmodellen der DX-Kameraserie erhältlich. Wenn man das AF-S DX 16-80 mm 2,8-4,0 E ED VR nicht im Kit mit einer D7500 oder einer D500 erwirbt, so ist es separat zum Straßenpreis von derzeit etwa 1.000 € erhältlich. Das Vorgänger-Modell AF-S 16-85 mm 3,5-5,6 G ED VR DX rangierte mal in Preisregionen um die 700 €, wird aber nicht mehr hergestellt und dürfte inzwischen wohl nur noch gebraucht zu finden sein.

Ich habe mir mein 16-85er vor ca. acht Jahren gekauft und kann nur sagen, dass es den Spaß an meiner damals schon betagten D200 ganz erheblich gesteigert und verlängert hat. Erst vor kurzem habe ich die D200 durch die D500 ersetzt und auch an der neuen Kamera bringt das Objektiv gute Leistung.

Wenngleich es hier vor allem um einen Vergleich der Schärfeleistung geht, vielleicht ein paar generelle Beobachtungen vorneweg. Beide Objektive sind sich von der Haptik, dem Qualitätsempfinden beim Handling und der Performance sehr ähnlich. Obwohl es sich bei beiden um DX-typische Leichtbauweise handelt, wirken sie deutlich wertiger und vermitteln weniger Plastik-Feeling als die NIKON Einsteiger-Zooms 18-55 mm und 18-105 mm. Die Fokussierringe laufen sauber und präzise, die Autofokussierung ist schnell und die zuschaltbare VR-Funktion arbeitet tadellos. Die Gegenlichtblenden bestehen aus Kunststoff und werden per Bajonettverschluss stabil auf den Objektiven befestigt. Das 16-85er hat bei mir etliche Härteeinsätze unbeschadet überstanden (einer davon siehe hier), insofern kann ich dem Objektiv eine praxisgerechte Robustheit bescheinigen. Optisch stelle ich bei beiden Zooms im Weitwinkelbereich eine geringe Verzeichnung fest, die sich problemlos auskorrigieren lässt. Bei den anderen Brennweiten ist die Verzeichnung unauffällig, es sei denn man fotografiert Backsteinwände. Ähnliches gilt auch für die sehr geringen Farbsäume. Eckenabdunklung ist bei beiden Objektiven vorhanden, stellt aber in der Praxis kein Problem dar, da sie sich, falls es stört, mit einem Klick entfernen lässt. Bilder mit dem älteren 16-85er sind eine winzige Spur wärmer und mitunter 1/3 Blende dunkler als die mit dem neuen 16-80er.

 

Alle Bildbeispiele unter Tageslichtbedingungen mit NIKON D500,
MC30-Kabelauslöser und 
Stativ MANFROTTO 161b.

Oben: Das im Jahr 2008 vorgestellte Nikkor AF-S 
16-85 mm 3,5-5,6 G ED VR DX an einer D500. Das Zoom wiegt 487 g und hat ein 67er Filtergewinde.

Oben: Das aktuelle Nikkor 16-80 mm 2,8-4 E ED VR AF-S DX von 2015. Das Zoom und ist mit einem 72er Filtergewinde etwas größer und etwa eine Blende lichtstärker als sein Vorgänger, hat aber mit 479 g nahezu das gleiche Gewicht. Die Gegenlichtblende ist kantiger und ebenfalls etwas größer.


Vergleich bei 50 mm (entspricht 75 mm bei Vollformat)

Bildmitte: Das 16-80er bietet bereits bei offener Blende (Blende 3,8) eine überzeugende Bildschärfe, die durch Abblenden kaum zu steigern ist. Das ältere 16-85er ist zwar nicht schlecht, schließt aber erst bei Blende 11 knapp zu seinem Kontrahenten auf. Bei höheren Blendenwerten ab 16 geht die Bildschärfe durch Beugungsunschärfe bei beiden Zooms wieder etwas zurück.

Bildrand: Hier zeigen sich die Beobachtungen der Bildmitte in ähnlicher Weise, jedoch zeichnet das ältere Zoom insgesamt zu weich und erreicht bei keinem Blendenwert die Schärfeleistung seines Nachfolgers.

Vergleich bei 24 mm (entspricht 36 mm bei Vollformat)

Bildmitte: Das 16-85er bietet bei offener Blende (Blende 4) eine ordentliche Bildschärfe. Das 16-80er ist bei Blende 4 etwas schärfer und bringt bereits bei Offenblende (3,0) eine Detailschärfe, die sein älteres Pendant erst mit Blende 5,6 erreicht. Die Unterschiede sind allerdings gering und ab Blende 5,6 sind beide Kontrahenten ebenbürtig. Weiteres Abblenden bringt im Hinblick auf die Bildschärfe keinen Vorteil, die Ergebnisse werden dann wieder weicher.

Bildrand: Hier liegen beide Objektive ab Blende 5,6 mit guten Schärfeergebnissen gleichauf. Bei Blendenwerten unter 5,6 zeichnet das 16-80er unschärfer als sein Vorgänger.

Vergleich bei 16 mm (entspricht 24 mm bei Vollformat)

Bildmitte: Das ältere 16-85er bietet bereits bei offener Blende (Blende 3,5) eine exzellente Bildschärfe mit einem Sweet Spot bei Blende 5,6 und 8. Das 16-80er liefert bei Offenblende 2,8 kein wirklich scharfes Bild und reicht erst ab Blende 11 an seinen Vorgänger heran, wenn dessen Schärfe bereits wieder nachlässt. 

Bildrand: Hier zeigt sich ein sehr ähnliches Bild. Das 16-85er überzeugt bereits ab Offenblende mit einem verwendbaren Ergebnis. Das neuere 16-80er erreicht bei keiner Blende die Detailschärfe seines Kontrahenten.

Fazit: Lohnt sich das Upgrade?

Sorry, das war jetzt viel Grünzeug. Als die Bildreihen entstanden, dachte ich noch nicht an eine Gegenüberstellung der beiden Zooms. Auch fehlt hier leider eine entsprechende Bildserie mit der Brennweite 80 mm bzw. 85 mm, weil die Fotos damals im Rahmen eines Vergleich mit Vollformat-Kameras und Objektiven mit begrenzterem Brennweitenspektrum entstanden sind. Und auch der bei beiden Objektiven beachtliche Nahbereich von knapp 40 cm ist leider nicht repräsentiert. Mein Bericht ist also kein kompletter Review, sondern vermittelt lediglich einen Vergleich zur Scharfzeichnung der beiden Objektive unter normalen Aufnahmebedingungen.

Generell lässt sich feststellen, dass beide Objektive, das ältere AF-S DX 16-85 mm 3,5-5,6 G ED VR ebenso wie das aktuelle AF-S DX 16-80mm 2,8-4 E ED VR, ein recht hohes Leistungsniveau abliefern. Während Parameter wie Verzeichnung und chromatische Aberrationen sehr ähnlich gering ausfallen und auch die Vignettierung kein echtes Problem darstellt, gibt es bei der Scharfzeichnung Unterschiede, die sich in der Praxis durch die obligatorische Nachschärfung allerdings weniger stark auswirken, als es die ungeschärften 100%-Crops hier vermuten lassen.

Interessant zu wissen ist der Umstand, dass man beide Objektive kaum abblenden muss, um maximale Leistung zu erreichen. Der Sweet Spot wird zumeist schon bei Blende 5,6 erreicht, weiteres Abblenden erhöht zwar die Tiefenschärfe, zugleich aber auch die Beugungsunschärfe, so dass der Schärfeeindruck insgesamt abnimmt. Tendentiell produziert das 16-80 mm Zoom bei 24 mm und 50 mm die bessere Grundschärfe, und dies bereits bei offener Blende. Gegenüber dem Vorgänger kann das Objektiv daher auch mit seiner höheren Lichtstärke punkten, während das ältere 16-85er erst bei höheren Blendenwerten mit seinem Kontrahenten gleichzieht. Aber auch dieses vor zehn Jahren auf den Markt gebrachte Objektiv liefert aufgeblendet bereits ordentliche Schärfe-Ergebnisse, die bei 24 mm noch etwas besser sind als bei 50 mm. Im extremen Weitwinkelbereich, also bei 16 mm, offenbaren sich dagegen beim lichtstarken Nachfolger Schwächen. Sowohl in der Bildmitte als auch am Bildrand sind die Ergebnisse ziemlich soft, so dass sie an die knackigen Ergebnisse des alten 16-85ers nicht heranreichen.

Eine etwas bessere Scharfzeichnung im gemäßigten Weitwinkel- und Telebereich, gepaart mit einer Blende mehr Lichtstärke und beachtlichen Offenblendqualitäten sind Argumente, die den einen oder anderen Fotografen für das neue AF-S DX 16-80mm 2,8-4 E ED VR interessieren werden. Wer dagegen auf hervorragende Schärfeleistung im extremen Weitwinkelbereich Wert legt und zugleich bereit ist, die geringere Lichtstärke mit ISO-Wert, VR oder Stativ zu kompensieren, findet meines Erachtens in dem älteren AF-S DX 16-85 mm 3,5-5,6 G ED VR die preisgünstigere und bessere Lösung. Vorausgesetzt, man bekommt ein gut erhaltenes gebrauchtes Exemplar oder ein noch neues aus dem Restbestand eines Fachhändlers.

Copyright 2018 by Klaus Schörner / www.bonnescape.de


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Kommentare: 3
  • #1

    Volker (Dienstag, 30 Oktober 2018 09:54)

    Danke, Klaus, das macht mir die Entscheidung, vor der ich gerade stehe, leichter.
    Liebe Grüße
    Volker

  • #2

    Klaus (admin) (Samstag, 03 November 2018 09:33)

    Hallo Volker,
    das freut mich. LG

  • #3

    W.F. (Dienstag, 06 November 2018 13:09)

    Fazit aufm Punkt. Man muss ja nicht das ganze "Grünzeug" gucken.
    Danke für den Vergleich.
    Winnie