Ein Fotobuch aus echtem Fotopapier

Ein Fotobuch in FineArt-Fotoqualität? Geht das?

Fotobuch gedruckt bei SAAL DIGITAL auf echtem beschichtetem Fotopapier. Foto: bonnescape.de

Nicht ganz optimale Bildqualität bei Naturpapieren

Im letzten Jahr habe ich zwei Fotobücher beim Online-Anbieter SAAL DIGITAL fertigen lassen. Die damals gewählte Papierqualität "High-End-Druck matt" hat eine angenehme Haptik und die Offset-ähnliche Druckqualität gefällt. Insgesamt war ich positiv beeindruckt von den guten Ergebnissen, von der intuitiv zu bedienenden Software und den kurzen Lieferzeiten.

Allerdings musste ich auch feststellen, dass eine Bildwiedergabe, wie ich sie als FineArt-Arbeitsprobe Kunden präsentieren möchte, mit dieser Drucktechnik nicht erreicht wird. Das gilt insbesondere für schwarzweiße Abbildungen und liegt an der Druckrasterung in Verbindung mit dem matt-saugenden Papier, mit dem keine satten Tiefen möglich sind. Daher habe ich als Bedruckstoff für mein neues Fotobuch über die Kaisersruh-Bildserien diesmal echtes Fotopapier gewählt, das SAAL in den Oberflächen matt und glänzend anbietet. 

Fotobuchtest: Vergleich des Druckbildes. Digitaldruck auf Naturpapier vs.  Fotodruck auf echtem beschichtetem Fotopapier. Foto: bonnescape.de

Oben: Druckbildvergleich ein- und derselben Schwarzweiß-Fotografie in verschiedenen Fotobüchern der Professional Line von SAAL DIGITAL. Links in der Qualität HighEnd-Druck matt per Digitaldruck auf Naturpapier, produziert im August 2021. Rechts aus der aktuellen Produktion per Fotodruck auf Fotopapier matt.

Cover und Buchkassette

Für den Umschlag stehen bei SAAL eine Reihe von Optionen zur Auswahl. Ich entscheide mich für ein Frontcover aus einer 4 mm starken, hochglänzenden Acryplatte mit rückseitig aufkaschiertem Titelfoto. Für den Buchrücken wähle ich einen Bezug aus weißem Kunstleder. Das scheint mir gut zu den gedeckten Weißtönen der Kaisersruh-Fassaden zu passen. Um die Acrylfront vor typischen Aufbewahrungsschäden, Staub und Kratzern zu schützen, bestelle ich für das Buch eine passende Kassette mit. Das Innenmaterial der Kassette entspricht dem Kunstlederbezug des Buchrückens, für den Außendeckel bevorzuge ich unempfindliches Naturleinen.

Fotobuch mit Frontcover aus kaschiertem Acrylglas und Buchkassette. Foto: bonnescape.de

Seitengestaltung

Über die Software, die SAAL zum kostenlosen Download zur Verfügung stellt, habe ich damals ausführlich berichtet. Offenbar wird die Software kontinuierlich gepflegt, die aktuelle Version trägt die Nr. 4.2.233. Ich empfinde die Bedienung als weitgehend selbsterklärend und das Gestalten eines 40-seitigen Buches mit Bildern, die per Drag & Drop auf die Doppelseiten gezogen werden, geht wirklich zügig. Auch dann, wenn man die überwiegend romantisch verspielten Layout-Vorlagen beiseite lässt und lieber selbst gestaltet. Da mein neues Projekt einen größeren Seitenumfang und mehr Bilder hat als die früheren Fotobücher, weiß ich auch zu schätzen, dass die Previews der Bilder in dem angezeigten Arbeitsordner mit einem Haken markiert werden, sobald sie sich auf irgendeiner Buchseite befinden. Das verhindert, dass ich Bilder vergesse oder doppelt einbinde. Alle Fotos habe ich im voraus bearbeitet und entsprechend der Empfehlung des Anbieters mit einem sRGB-Profil versehen.*

*  https://www.saal-digital.de/support/article/srgb-adobe-rgb-1998-und-prophoto-rgb/ 

Das fertige Fotobuch

Am vierten Werktag nach dem Upload meines Auftrags ist das Buch morgens in perfekter Verpackung angekommen und macht schon auf den ersten Blick einen imposanten Eindruck. Nach dem Abziehen des Schutzpapiers zeigt sich, dass die Acrylplatte dem Titelfoto Brillanz und Plastizität verleiht. Das sieht beeindruckend aus, allerdings schlucken die 4 mm Acryl auch etwas Licht, so dass das Bild dunkler wiedergegeben wird. An die Abdunklung hatte ich nicht gedacht, sonst hätte ich das Bild vorher ein wenig aufgehellt, um diesen Effekt zu mindern. Vielleicht könnte man in die Software, die ansonsten sehr um Fehlervermeidung der Anwender bemüht ist, künftig einen kleinen Hinweis aufnehmen?

Buch und Buchkassette wirken handwerklich gut verarbeitet und riechen nicht mehr nach Leim oder Farbe als ein frisch ausgepacktes Buch aus der Buchhandlung. Lediglich am Buchrücken fällt bei genauer Betrachtung eine leichte Unebenheit auf (siehe Foto), die meine früheren Bücher nicht haben. 

Das fertige Buch in der Geschenkbox, SAAL Digital Professional Line Fotobuch im Test. Foto: bonnescape.de

Oben: Das fertige Buch ruht passgenau in der edlen, mit Naturleinen und weißem Kunstleder bezogenen Geschenkbox. Ein breites Satinband erleichtert das Herausnehmen.

Fotobuch mit Frontcover aus kaschiertem 4mm Acrylglas. Foto: bonnescape.de

Oben: Als Buchfront ist eine 4mm starke, glänzende Acrylplatte eingebunden, die rückseitig mit dem Foto kaschiert ist. Durch die lichtschluckende Wirkung der Platte wird das Foto ein wenig dunkler, erhält aber Brillanz, Tiefe und eine hochglänzende Oberfläche.

Fotobuch mit kleiner Delle im Buchrücken. Foto: bonnescape.de

Oben: Ein kleiner Minuspunkt bei der buchbinderischen Verarbeitung gilt der leichten Unebenheit im Buchrücken, die im Streiflicht sichtbar wird. Fast scheint es, dass das für den Buchrücken verwendete Kartonmaterial ein wenig zu dünn ist für den 40-seitigen Buchblock.

Der Buchblock ist aus einseitig bedrucktem Fotopapier gefertigt. Vorder- und Rückseiten jeder Buchseite ergeben sich aus kaschierten Seiten. Doppelseiten sind durch eine dezente Nut getrennt und gehen nahezu flach ineinander über. Eine über den Bund reichende Abbildung verschwindet also nicht teilweise in einer Falte oder Vertiefung wie bei einer herkömmlichen Bindung. Im Vergleich zu Buchproduktionen im Offsetdruck werden keine Druckbögen mit vier, acht, sechzehn oder zweiunddreissig Seiten bedruckt. In Zweierschritten ist jede gewünschte Seitenzahl realisierbar. So war es möglich, das vorliegende Fotobuch mit 42 Seiten zu produzieren. Das verwendete Fotopapier erreicht durch die Kaschierung eine Kartonstärke ähnlich der von Visitenkarten. Haptisch vermittelt das Papier nicht die Anmutung von echtem Papier, sondern hat die typische leichte "Klebrigkeit" von beschichtetem Fotopapier. Die gewählte Ausführung in Matt ist unempfindlich für Fingerabdrücke und lässt die Bilder brillant zur Geltung kommen, ohne sie durch Glanzeffekte zu überlagern. 

Test des SAAL Digital Professional Line Fotobuchs. Sehr gute Planlage der Doppelseiten mit Flat-Bindung. Foto: bonnescape.de

Oben: Dank der Flat-Bindung liegen Doppelseiten plan. 

Fotobuchtest Saal Digital: Über den Bund verlaufende Bilder werden bei der Flat-Bindung nur von einer dezenten Nut unterbrochen. Foto: bonnescape.de

Oben: Fotos, die über den Bund verlaufen, werden lediglich von einer dezenten, nicht-materialfordernden Nut unterbrochen.

Die Qualität der Fotowiedergabe ist sehr überzeugend. Knackige Schärfe und brillante Farben mit satten Tiefen erreichen ein ähnliches Niveau wie die Fotodrucke, die ich auf meinen Druckern für Kunden anfertige. Schwarzweiße und farbige Motive werden gleichermaßen gut abgebildet und entsprechen in ihrer Farbtendenz meinen Erwartungen. Allerdings handelt es sich bei den verwendeten Fotografien auch um Galeriebildmaterial, das ich vorher optimiert und farblich aufeinander abgestimmt habe. Auch das Schriftbild gefällt. Die Textblöcke und selbst die in 8 Punkt recht klein gehaltenen Seitenzahlen sind kantenscharf und erscheinen in einem homogenen Dunkelgrau, das in 80% Schwarz von mir auch so angelegt war. 

Fotobuchtest Saal Digital: Satte Tiefen, kräftige Farben und sanfte Reflexionen beim Fotodruck auf mattem Fotopapier. Foto: bonnescape.de

Oben: Satte Farbtöne, kräftige Tiefen und eine matt schimmernde Oberfläche stellen auch anspruchsvolle Fotografen zufrieden.

Fotobuchtest: Sauberes, kantenscharfes Schriftbild beim Professional Line Fotobuch aus mattem Fotopapier. Foto: bonnescape.de

Oben: Das Schriftbild (hier in 80% Schwarz) ist sauber und kantenscharf und auch bei filigranen Schriften und kleinen Größen wie bei den Seitenzahlen einwandfrei.

Erfahrungsbericht Schwarzweiss-Fotodruck im Professional Line Fotobuch von Saal Digital. Foto: bonnescape.de

Fazit

Ein Fotobuch aus echtem Fotopapier – bei SAAL DIGITAL kann man es innerhalb weniger Tage produzieren lassen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, wirkt repräsentativ und hochwertig. Die buchbinderische Verarbeitung ist gut – bei meinem Exemplar mit einem kleinen Minus wegen der Delle im Buchrücken –, und die Druckqualität auf dem matt schimmernden Fotopapier kann man ohne zu übertreiben als FineArt-tauglich bezeichnen. Wenn man sich nicht an der für Buchseiten ungewohnt künstlichen Haptik stört, findet man in dem Professional Line Fotobuch auf matt beschichtetem Fotopapier eine präsentationsfähige Wiedergabe für hochwertige Bilder.
Bezugsquelle: www.saal-digital.de

Nachtrag 11.5.2022: Ich wollte den kleinen buchbinderischen Fehler eigentlich nicht reklamieren, habe aber auf die Feedback-Anfrage des Unternehmens geantwortet. In der Folge hat mir SAAL DIGITAL nahegelegt, über einen Menüpunkt der Webseite formal Reklamation einzureichen, was ich dann auch getan habe. Inzwischen hat mir das Unternehmen den entsprechenden Teil des Auftragswertes gutgeschrieben, um das Buch neu fertigen zu lassen. Das finde ich bemerkenswert kulant und offensichtlich um Kundenzufriedenheit bemüht, was hier deshalb auch nicht unerwähnt bleiben soll.

Nachtrag 16.5.2022: Das neu produzierte Buch ist angekommen und ist perfekt. 

Copyright 2022 by Klaus Schörner / www.bonnescape.de

Hinweis: Dieser Bericht gibt sowohl meine positiven Eindrücke als auch meine Kritikpunkte ungefiltert wieder. Ich erhalte kein Honorar für diesen Testbericht und meine Verbindung zu SAAL DIGITAL beschränkt sich darauf, dass ich meine Fotobücher dort zu ganz normalen Preisen bzw. unter Verwendung von Rabatten, die jedem Kunden zur Verfügung stehen, produzieren lasse. 


Beiträge zu weiteren Themen:

Werbung




Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    P.Wender (Dienstag, 10 Mai 2022)

    Letztes Weihnachten habe ich für meinem Mann ein Buch mit Bildern von unseren Reisen gemacht. Mit der Druckqualität war ich auch sehr zufrieden. Ich habe damals glänzende Seiten genommen. Die sind empfindlich. Man sieht Fingerabdrücke und die Seiten haften leicht aneinander. Je nach Beleuchtung beim Anschauen stört auch der Glanz. Wie bei einem mit normalem Glas gerahmten Foto. Ich denke, beim nächsten Mal nehme ich mattes Fotopapier wie Sie.
    Schöne Grüße
    P. Wender

  • #2

    Klaus (admin) (Donnerstag, 12 Mai 2022 10:34)

    War das betreffende Buch auch von Saal? Ich habe glänzende Seiten noch nicht ausprobiert, kann mir aber gut vorstellen, dass die Bilder sehr brillant wirken. Beim Anschauen muss man dann wahrscheinlich eine Beleuchtung oder einen Betrachtungswinkel suchen, bei dem die Seiten nicht so stark spiegeln? ;-)

  • #3

    Mario (Montag, 16 Mai 2022 11:21)

    Ich habe ein Fotobuch von Saal mit glänzenden Seiten. Das sieht cool aus, aber spiegelt stark und wirkt beim Blättern wie plastifiziert. Ich werde demnächst mal seidenmatt ausprobieren.