Fotobuchtest SAAL DIGITAL

SAAL DIGITAL: Das Professional Line Fotobuch im Test

Das fertige Buch mit Kassette, SAAL Digital Professional Line Fotobuch im Test. Foto: bonnescape.de

Ob als Reisebildband, als Portfolio Book oder als Familienalbum, – schon länger reizt es mich, meine Bilder in Fotobüchern zu verarbeiten. Als mir SAAL DIGITAL die Möglichkeit für einen Test anbietet, nutze ich die Gelegenheit gern für einen Einstieg in das Thema. Mit einer Proforma Buchproduktion möchte ich mir ansehen, wie Software und Auftragsabwicklung funktionieren und welche Druck- und Buchbindequalität man am Ende erwarten kann.

Vorbereitende Überlegungen – Fragen über Fragen

Statt direkt "ins Reine" zu produzieren und ein ausgefeilt gestaltetes Buch für meinen Eigenbedarf zu erstellen, möchte ich mit einer begrenzten Anzahl von Bildern Verschiedenes ausprobieren und einige Fragen klären, die sich mir aufdrängen: 

  • Werden die Farben der Bilder dem entsprechen, was ich auf meinem kalibrierten Monitor sehe? 
  • Welchen Farbraum und welches Farbprofil wähle ich am besten für den Druck?
  • Wird ein Schwarzweiß-Foto am besten als CMYK-, RGB- oder Graustufenbild angelegt?
  • Wie kontrastreich sollten die Bilder sein, um ein gutes Druckergebnis zu gewährleisten?
  • Werden Tiefen und Lichter im Druck beschnitten und muss ich da vorher gegensteuern?
  • Welche Auflösung muss das Bild haben, um gute Bildqualität zu gewährleisten?
  • Wie viel Bildsubstanz fällt durch den Bund weg, wenn ich Bilder doppelseitig anlege?
  • Wie kantenscharf erscheinen kleine, filigrane Schriften auf den Buchseiten? 

Nicht zuletzt bin ich auch gespannt auf das Papier. Bei Fotobüchern lege ich Wert auf ein hochwertiges Papier, das sich auch nach Papier anfühlen soll. Kartonstarke, plastifiziert wirkende Seiten erinnern mich dagegen an abwaschbare Bilderbücher für Kleinkinder.

Die SAAL Design Software

Bei SAAL kann man fertige Druckvorlagen einreichen oder für die Buchgestaltung eine Software nutzen, die das Unternehmen auf www.saal-digital.de kostenlos zum Download anbietet. Ich verspüre nur wenig Lust, mich in die Konfigurationsrichtlinien für extern erstellte Druckdateien einzulesen. Sicher ist die hauseigene Software des Unternehmens eh optimal auf den Fertigungsprozess abgestimmt. Interessant wird also sein, ob die Bedienung der Software überzeugt. Ein auf der SAAL-Webseite angebotenes Video-Tutorial verschafft mir dazu einen ersten guten Eindruck.

Die SAAL Design Software steht für Windows und Mac zur Verfügung. Die aktuelle Version 4.2.204 ist auf meinem Mac in wenigen Minuten installiert. Nach dem Öffnen finde ich mich schnell zurecht. Ein zentrales Bearbeitungsfenster zeigt die aktuelle Doppelseite und eine verkleinerte Seitenübersicht. An den Rändern sind die wichtigsten Auswahlfelder und Werkzeuge angeordnet. Letztere ändern sich je nach Art des gerade markierten Objektes. Markiere ich ein Bild, sehe ich Tools für die Bildbearbeitung, klicke ich auf ein Textfeld, werden mir Formatierungswerkzeuge angezeigt. Nach dem Starten eines neuen Projektes leitet mich das Programm durch die nötigen Auswahlschritte und überbrückt dabei kaum wahrnehmbar die Schnittstellen zum Online-Shop. Zunächst wähle ich Größe, Umfang, Cover-Material und Papiertyp. Alle Optionen sind mit einer Preisangabe versehen und am unteren Fensterrand gibt mir eine Zusammenfassung mit Gesamtpreis bei jedem Auswahlschritt Kostentransparenz. Alle Parameter lassen sich später nochmal ändern. Auch auf die Seitenzahl und das Format kann ich dabei mit dem Button "Artikel umwandeln" nochmal Einfluss nehmen. Da mir eine nachträgliche Änderung die bereits gestalteten Seiten zerschießen kann, erinnert mich eine Sicherheitsmeldung, das Projekt vorher zu speichern. 

Praxistest SAAL Digital Professional Line Fotobuch. Die Arbeitsoberfläche der Design Software. Foto: bonnescape.de

Oben: In der Bildschirmaufteilung der SAAL Design Software findet man sich zurecht. Ein zentrales Bearbeitungsfenster zeigt die aktuell gewählte Doppelseite und darunter eine verkleinerte Seitenübersicht. An den Rändern sind die wichtigsten Auswahlfelder und Werkzeuge untergebracht.

Über Formate, Umfang und Seitenzahlen

Das Gesamtangebot von SAAL beinhaltet vielfältige Auswahlmöglichkeiten. Da sich das Testangebot auf ein Fotobuch der sogenannten "Professional Line" bezieht, beschränke ich mich aber auf die in dieser Sparte verfügbaren Optionen. Ich entscheide mich für den Mindestumfang von 26 Seiten im Format 21x21 cm. Lieber wäre mir ein gemäßigtes Hochformat im Verhältnis 4:5 oder 6:7, so wie bei den Passepartouts, die ich für meine quadratischen Fotos bevorzuge. Ein solches steht aber nicht zur Verfügung. Die Rechteckformate sind alle schmaler. Bei der nicht durch 4, 8 oder 16 teilbaren Seitenzahl wird bereits deutlich, dass wir es nicht mit Offset-typischen Druckbögen und gängigen Ausschießmustern zu tun haben. Kurz darauf wird mir klar, dass die Umschlaginnenseiten mitgezählt werden. Seite 1 des Innenteils ist die vordere Umschlaginnenseite (U2). Seite 26 entspricht der hinteren Umschlaginnenseite (U3). Durch das Anhängen weiterer Doppelseiten im Gestaltungsteil oder über das oben erwähnte Umwandlungsmenü lässt sich die Seitenzahl in 2er-Schritten bis zu einem Buchumfang von 160 Seiten erhöhen. Dass linke Seiten dabei eine ungerade Seitenzahl haben und rechte Seiten eine gerade Zahl, macht das Rechnen einfach, widerspricht aber gängigen Paginierungsregeln. Entsprechend finde ich in der SAAL Design Software auch keine Funktion für das automatisierte Einbinden von Seitenzahlen. Möchte man welche haben, muss man sie Seite für Seite manuell anlegen. Das ist zeitraubend und beinhaltet ein gewisses Risiko, da Verschiebungen der Seitenfolge, die man komfortabel per drag & drop in der Seitenansicht vornehmen kann, leicht für Durcheinander sorgen. 

Cover, Papier und passende Geschenk-Box

Da ich den Innenteil meines Fotobuchs nicht aus gebundenem Fotopapier, sondern auf echtem bedrucktem Papier haben möchte, entscheide ich mich für die Qualität "HighEnd-Druck matt". Dabei wird das Fotobuch im Digitaldruck produziert. Ein Papiergewicht kann ich weder wählen, noch finde ich irgendwo eine Angabe zur verwendeten Grammatur.* Für das Cover stehen bei der SAAL Professional Line eine Reihe von Optionen zur Auswahl, unter denen sich neben Textilleder oder Leinen auch Ausführungen mit kaschierten 4mm Acrylplatten finden. Ich entscheide mich für eine Ausführung in Naturleinen.

* Tatsächlich gibt es unter https://www.saal-digital.de/support/article/papierstaerke-im-ueberblick/ einen Artikel mit der Angabe, dass die Papierdicke einer Grammatur von ca. 280 g entspricht.

Unter normalen Umständen und ohne die Anwendung von Gutscheinen würde ich für diese Ausstattung bei SAAL 64,99 € bezahlen. Auf der Website wird auch noch eine passende Geschenkbox angeboten, in die das Buch eingelegt werden kann. Mich interessiert die handwerkliche Qualität dieser Box, die nicht wie ein Buchschuber angelegt ist, sondern in Kassettenform mit einem Satinband zur leichten Entnahme des eingelegten Buchs. Daher bestelle ich die Box für weitere 40 € mit und komme somit auf ein Bestellvolumen von 104,99 € zzgl. 4,99 € Versandkosten.

Praxistest: Artikelauswahl für das SAAL Digital Professional Line Fotobuch. Foto: bonnescape.de

Oben: Artikelauswahl mit Kostentransparenz in Echtzeit bei jedem Auswahlschritt. Die Schnittstellen der Design Software zum SAAL Online Shop sind fließend.

Das Gestalten der Seiten

Vorlagen und Auto-Layout

Für die Buchgestaltung gibt es in der SAAL Software fertige Layoutvorlagen. Ich habe den Eindruck, dass mit den romantisch verspielten Entwürfen vor allem Hochzeitspaare und junge Eltern angesprochen werden sollen. Beim Selbstgestalten der Seiten kann ich mich je nach Wunsch mehr oder weniger durch die Software unterstützen lassen. Neben dem Bearbeitungsfenster der Design Software habe ich mir auf dem Desktop einen Ordner geöffnet, in dem sich die Bilder für mein Buch befinden. Per Drag & Drop ziehe ich die Fotos nun einzeln auf die betreffenden Seiten. Bilder, die sich nicht sofort in einem Rahmen öffnen, haben das falsche Dateiformat (z.B. TIF oder PSD). JPEGs funktionieren am besten. Dabei spielt offenbar keine Rolle, ob es sich um RGB- oder CMYK-Bilddateien handelt. Ich finde auf den SAAL Seiten auch keine diesbezügliche Empfehlung.* Also kombiniere ich zum Ausprobieren völlig unbelastet Bilder mit unterschiedlichen Farbräumen, Profilen, Auflösungen und Kompressionsstufen und bin gespannt, was dabei herauskommt. Die Gestaltungsautomatik platziert die Bilder nicht immer so, wie ich das möchte. Um ein Element ändern zu können, muss ich für die betreffende Doppelseite zunächst das "Auto-Layout" deaktivieren. Das ist mir auf die Dauer zu umständlich und so lasse ich die Automatik nach einigen Seiten ganz ausgeschaltet.

* Später entdecke ich in einem Artikel auf der Seite https://www.saal-digital.de/support/article/srgb-adobe-rgb-1998-und-prophoto-rgb/ den Hinweis, dass für Fotobücher der Farbraum sRGB empfohlen wird. 

Voransicht Schwarzweissfoto mit unterschiedlichen Profilen: Graustufenprofil, RGB, CMYK. Foto: bonnescape.de

Oben: Die Mac-Voransicht zeigt Bilder mit unterschiedlichen Farbräumen und Profilen auch unterschiedlich an.

Unten: In der Layout-Ansicht der SAAL Design Software werden diese Bilder identisch angezeigt. Und so werden sie, wie wir später sehen werden, auch gedruckt.

Bildansicht in der Saal Design Software, SAAL Digital Professional Line Fotobuch im Test. Foto: bonnescape.de

Positionierungshilfen und Bildbearbeitung

Das Gestalten der Seiten geht zügig. Bei der exakten Positionierung der Seitenelemente hilft ein in drei Größen zur Verfügung stehendes Raster. Auf Wunsch sind dessen Linien "magnetisch", so dass dorthin geschobene Elemente automatisch anpappen. Bildabstände sind sogar in Haarlinienbreite sehr fein regulierbar. Auf gängige Fehler, etwa durch randnah platzierte Bild- oder Textrahmen, die vermeintlich den Anschnitt nicht berücksichtigen, reagiert das Programm mit dicken roten Markierungen und Hinweisfeldern. Beim Verschieben eines Objektes mit gedrückter Maustaste zeigen mir pinkfarbene Maßangaben Abstände zum Seitenrand an. Leider fehlt die Maßangabe zu Nachbarobjekten und zu beiden Seiten, was zum Beispiel eine exakte Zentrierung unterstützen würde. Es gibt zwar ein Werkzeugfeld "Objekte mit Abstand einrasten", das dafür vielleicht gedacht ist, es scheint aber außer Funktion zu sein. Um Bilder genau in der Seitenmitte zu positionieren, muss ich also tatsächlich Rechenkästchen abzählen. Das wird umso umständlicher, da die Rechenkästchen metrisch sind und den verfügbaren Satzspiegel nicht restfrei abdecken. Bei der zentrierten Titel-Platzierung im Cover wird es noch ein wenig komplizierter, weil Hilfslinien und Bund über der gewählten Leinenstruktur kaum zu erkennen sind. 

Test: Fehlermeldungen in der Arbeitsoberfläche, SAAL Digital Professional Line Fotobuch. Foto: bonnescape.de

Oben: Fehlervermeidung steht im Vordergrund. Randnah platzierte Elemente, die später in Konflikt mit dem Anschnitt kommen können, werden mit roten Markierungen abgestraft.

Sehr praktisch empfinde ich das Korrekturmenü für Farbtendenz, Helligkeit und Deckkraft der Bilder. So lassen sich zum Beispiel zart angedeutete Hintergrundbilder einrichten oder benachbarte Fotos farblich aufeinander abstimmen, ohne den Umweg über eine externe Bildbearbeitung gehen zu müssen. Vergeblich suche ich nach einer Angabe zur Druckauflösung. So würde ich beim Hochskalieren eines Fotos gern selbst beurteilen, welche Auflösungsgrenze noch akzeptabel ist. Das Gestaltungsprogramm von SAAL beschränkt sich hier aber auf pauschale Beurteilungen der Bildqualität.

Praxistest SAAL Digital Professional Line Fotobuch. Angaben zur Bildauflösung. Foto: bonnescape.de

Oben: Die Beurteilung der Bildqualität bezieht sich wohl auf die Bildauflösung. Wird das Bild groß skaliert, wird sie schon mal von "sehr gut" auf "gut" reduziert. Dann sind wir aber auch schon unter 200 ppi. Erst bei Bildern mit sehr geringer Auflösung schaltet das Urteil von "Gut" zu "Mangelhaft". Zwischenstufen gibt es keine.

Typografie

Das "Professional Line Fotobuch" ist seinem Namen gemäß in erster Linie ein Buch für Fotos. Bildunterschriften oder kurze Texte lassen sich jedoch flexibel mittels verschieb- und skalierbarer Textboxen einbinden. Auch das Importieren per Copy & Paste in eine Textbox hinein ist möglich. Die Möglichkeiten zum Formatieren entsprechen denen eines einfachen Texteditors. Tools zum Ausgleichen von Buchstabenabständen gibt es nicht und auch der Verarbeitung von Fließtext sind Grenzen gesetzt. So sind die zur Verfügung stehenden Schriften mehrheitlich Auszeichnungs- und Schmuckschriften, es gibt es keine Spaltenformatierung und Textboxen lassen sich auch nicht fortlaufend miteinander verknüpfen. Das wäre zum Beispiel erforderlich, um Fließtext zusammenhängend über mehrere Seiten laufen zu lassen. Was die Software zudem nicht mag, ist, wenn man eine Doppelseite neu aufbauen möchte und dazu vorübergehend alle Seitenelemente in die Seitenumgebung schiebt. Dann werden Bilder und Texte zu hellgrau gefüllten Rahmen, bei Textboxen erscheinen rote Warnlinien (Stichwort "Beschnitt") und übereinander liegende Elemente lassen sich nicht mehr differenziert anwählen. Auch beim Kopieren meiner Titelgestaltung auf das Cover passiert Überraschendes: Die Schrift wird hochskaliert, die Schmucklinie gelöscht und die Gestaltung dadurch zerschossen. Was zunächst brachial wirkt, folgt auch hier dem Prinzip der Fehlervermeidung. Da die grobe Leinenstruktur meines Covers keine so kantenscharfe Schriftwiedergabe ermöglicht wie das glatte Papier der Innenseiten, erfolgt automatisch eine Anpassung auf das, was möglich ist. 

Abschluss und Upload

Sind die Gestaltungsarbeiten beendet, kann man das Ergebnis als PDF exportieren. Das ist nur zur Ansicht gedacht, für die weitere Abwicklung wird diese niedriger aufgelöste Datei nicht benötigt. Entfernt man in den Software-Einstellungen im Feld „PDF-Export: Wasserzeichen anzeigen" vorher das Häkchen, lässt sich das PDF auch ohne die dicke "Vorschau"-Stempelung generieren. Das Projekt dagegen legt man mit Klick auf den grünen Button in den Warenkorb. Ist der Bezahlvorgang mit den gängigen Optionen erledigt, sollte man den Rechner nicht sofort ausschalten. Erst dann erfolgt nämlich der Upload der hochauflösenden Daten, was durchaus mehrere Minuten dauern kann. Ein kleines Fenster informiert dabei über den Ladefortschritt.

Das fertige Fotobuch – der erste Eindruck

Nur drei Tage (!) nach dem Upload meines Auftrags ist das Buch per Post angekommen. Das ist noch zwei Tage schneller als in der Auftragsbestätigung angekündigt.

Bindung und Papierqualität

Ich bin positiv beeindruckt von dem, was ich nach dem Öffnen der gut gepolsterten Verpackung in den Händen halte. Die handwerkliche Verarbeitung von Buch und Buchkassette ist gut gelungen. Lediglich an den Ecken scheint mir die Verleimung des Leinenstoffs ein wenig locker, so dass man abwarten muss, ob da früher oder später etwas ausfranst. Das Produkt ist frei von unangenehmem Leim-, Farb- oder Lösungsmittelgeruch, es riecht nicht mehr als ein frisch ausgepacktes Buch aus der Buchhandlung. Die Kassette ist mit 5 cm deutlich breiter, als sie für das nur 1,2 cm schmale Buch sein müsste. SAAL setzt hier offenbar auf Standardgrößen und stellt durch entsprechende Einsätze sicher, dass das jeweilige Buch beim Öffnen der Kassette bündig abschließt. Leider gibt es keine Möglichkeit, den Titel des Buchs auch auf dem Deckel der Box abzudrucken. Eine passend bedruckte Kassette zum Buch wäre natürlich das "i-Tüpfelchen" gewesen.

Das fertige Buch in der Geschenkbox, SAAL Digital Professional Line Fotobuch im Test. Foto: bonnescape.de

Oben: Buchbinderisch gut verarbeitet, das fertige Buch in der edlen Geschenkbox. Ein breites Satinband erleichtert das Herausnehmen.

Der 26seitige Buchblock ist als einseitig bedruckte, lange Fahne in Leporello-Faltung gefertigt. Vorder- und Rückseiten jeder Buchseite ergeben sich also aus Seiten, die im Druck nebeneinander standen. Die einzelnen Seiten erreichen damit eine Kartonstärke ähnlich der von Visitenkarten und haben eine angenehm matte Oberfläche. Dank der hohen Papierdichte scheint der rückseitige Druck nur dann durch, wenn man die Seiten gegen das Licht betrachtet. Doppelseiten werden nicht durch einen geleimten Bund getrennt, sondern gehen flach ineinander über. Ein über den Bund reichendes Foto verschwindet also nicht in einer Falte, wie es bei einer Klebebindung der Fall wäre, sondern wird in der Mitte lediglich durch eine dezente Nut unterbrochen. So etwas haben Fotografen gerne.

Test: SAAL Digital Professional Line Fotobuch. Planlage im Bund durch Leporellobindung. Foto: bonnescape.de

Oben: Dank der Leporello-Bindung liegen Doppelseiten plan.

Druckqualität

Die Wiedergabe der Fotos ist scharf und brillant. Je mehr Strukturen die Bildmotive aufweisen, umso besser wirken sie. Flächige Motive zeigen dagegen die Schwächen des Digitaldrucks in Verbindung mit einem matten, saugfähigen Papier. Homogene Farbflächen erscheinen wolkig und es wird nirgendwo ein reines Schwarz erreicht, das eine Strukturierung dunkler Flächen ermöglichen würde. Besonders deutlich sieht man das bei dunklen Schwarzweiß-Fotos. Da  "suppen" die Tiefen in ein "Fast-Schwarz" und der wolkige Farbauftrag dominiert dort, wo im Original durchgezeichnete Details waren. Dieser Effekt ließe sich durch den Aufdruck von Dispersionslack auf den Bildflächen verbessern. Das im Digitaldruck längst gängige Verfahren verlangt vom Anwender aber etwas Know How bei der Druckdatenanlage und wird von SAAL nicht angeboten. 

Test des SAAL Digital Professional Line Fotobuchs. Farbige Doppelseite. Foto: bonnescape.de

Oben: Insbesondere farbige Fotos wirken sehr gut. Die Farbtendenz der gedruckten Bilder ist sehr nah an den Vorlagen.

Natürlich kann man ein Monitorbild nur eingeschränkt mit einem Druck vergleichen. Hinsichtlich ihrer Farbtendenz entsprechen die Bilder im Fotobuch aber dem, was ich mir angesichts meiner Monitoransicht gewünscht hatte. Mal eine Spur warmtoniger, mal ein wenig kühler, aber immer so nah dran, dass es absolut ok ist. Auch den Kontrasteindruck empfinde ich tendentiell so wie bei den Originalbildern. 

Erfahrungsbericht Schwarzweiss-Fotodruck im Professional Line Fotobuch von Saal Digital. Foto: bonnescape.de

Oben: Die Wiedergabe homogener Farbflächen, besonders bei Schwarzweißfotos, ist etwas wolkig. Dunkle, im Bildoriginal durchgezeichnete Flächen neigen zum "Wegsuppen", ohne dabei richtig schwarz zu sein.

Obwohl SAAL ja (an wenig prominenter Stelle) eine Empfehlung für den Farbraum sRGB platziert hat, macht es in meinem Buch offensichtlich keinen Unterschied, welchen Farbraum bzw. welche Profilierung die eingebundenen Fotos hatten. Die Bildwiedergabe der bunt gemischten Bildvarianten ist im Prinzip identisch. CMYK-Fotos scheinen mir in den Tiefen eine winzige Spur heller zu sein als RGB-Bilder. Das ist es aber auch schon. Die Druckvorstufe legt offenbar über alle eingebetteten Fotos ein gemeinsames Profil, so dass man sich als Anwender über dieses Thema keine Gedanken machen muss. Mit der Lupe ist zu erkennen, dass selbst Schwarzweißbilder, die mit nur einem Schwarzkanal angelegt sind, unter Verwendung aller Druckfarben aufs Papier gebracht werden. 

Erfahrungsbericht Schwarzweiss-Fotodruck im Professional Line Fotobuch von Saal Digital. Foto: bonnescape.de

Oben: Ob Graustufenprofil, RGB oder CMYK-Farbraum – das Ergebnis ist im Prinzip identisch.

Unten: Die stark vergrößerte Ansicht macht deutlich, dass selbst reine Schwarzweißfotos, die im Original nur über einen Schwarzkanal verfügen, mit allen CMYK-Farben gedruckt werden. In der Mischung ergeben sich daraus farbstichfreie Grautöne. Feine Kratzerchen im Druckbild zeigen die Empfindlichkeit des Farbauftrags. Schützende und brillanz-steigernde Dispersionslackierungen der Bildflächen sind bei SAAL leider nicht erhältlich.

Erfahrungsbericht Schwarzweiss-Wiedergabe mit allen Farben im Professional Line Fotobuch von Saal Digital. Foto: bonnescape.de

Die kleinste in meinem Buch verwendete Schrift ist eine klare schnörkellose Antiqua namens Source Sans Pro mit einer lesefreundlichen Schriftgröße von 11 pt. Sie erscheint im Druck klar und kantenscharf. Im Gegensatz zu den Bildern erfolgt die Schriftwiedergabe nur mit schwarzer Farbe, was im Sinne eines sauberen Schriftbildes auch absolut richtig ist. Richtig tiefschwarz ist das Ergebnis aber nicht.

Kantenscharfe Typographie im Professional Line Fotobuch von Saal Digital. Foto: bonnescape.de

Oben: Die Qualität der Schriftdarstellung ist auch bei filigranen Schriften und Größen einwandfrei.

Fazit

Auch wenn einige Werkzeuge etwas hakelig sind oder sich der Einsatzzweck nicht immer so recht erschließt, funktioniert die SAAL Design Software im Großen und Ganzen gut und laufsicher. Mit Blick auf das vor mir liegende Buch wird klar, dass meine fachlichen Bedenken unnötig waren. Die Bildfarben entsprechen nicht nur den Erwartungen, sie wurden sogar erreicht, ohne dass Farbräume und eingebettete Farbprofile irgendeine Rolle gespielt hätten. Man könnte sagen: Wenn das Ausgangsbild visuell dem gewünschten Ergebnis entspricht und dabei nicht allzu klein ist, dann ist der Rest egal. Ob Farbe, ob Schwarzweiß, ob RGB, CMYK oder Graustufen – SAAL nimmt die Basissubstanz der Bilder, legt ein auf den Workflow abgestimmtes Profil darüber und am Ende passt es einfach, ohne viel Hantier.

Die Software erkennt die gängigsten Fehler und macht deutlich darauf aufmerksam. Alle Doppelseiten liegen so plan, dass man bei über den Bund laufenden Bildern damit nur zufrieden sein kann. Schriften werden auch dann kantenscharf gedruckt, wenn sie klein und filigran sind. Wo das nicht gewährleistet werden kann – z.B. auf dem strukturierten Coverbezug –, skaliert die Software selbständig auf eine darstellbare Mindestgröße. Die Vermeidung von Fehlern einerseits und das Bemühen um größtmögliche Einfachheit andererseits stehen bei dieser Software spürbar im Vordergrund. Auch wenn dies ein wenig zu Lasten dessen geht, was mit Digitaldruck möglich wäre. Meines Erachtens schafft die Software damit den Spagat, sowohl unbelastete Neulinge als auch erfahrene Anwender mit einem praxisgerechten Baukasten zu unterstützen und ohne viel Vorbereitung zügig zu einer produktionssicheren Druckdatei zu führen. 

Die Lieferung des fertigen Buchs erfolgt unfassbar schnell, in meinem Fall innerhalb von nur drei Tagen. Die buchbinderische Verarbeitung ist gut und die Druckqualität durchaus ansprechend. Strukturreiche farbige Fotos wirken etwas eindrucksvoller, Bilder mit größeren Farbflächen und Schwarzweißfotos leiden ein wenig unter den Limitierungen des Digitaldrucks. Insbesondere bei Letzteren sollte man keine FineArt-Prints erwarten. Das kann die Einsatzmöglichkeit des Professional Line Fotobuchs als Portfolio-Book für die Vorlage bei Kunden tatsächlich etwas einschränken. Insgesamt kann sich das Ergebnis aber sehen lassen, wirkt repräsentativ und hochwertig. 

Wenige Tage nach meinem Fotobuchtest habe ich kostenpflichtig ein weiteres Fotobuch in Auftrag gegeben und die Erfahrungen aus dem Test dabei einfließen lassen. Und während ich noch an diesem Testbericht schreibe, ist das Nachfolgewerk auch schon angekommen und bestätigt die Ergebnisse seines Vorgängers.

Copyright 2021 by Klaus Schörner / www.bonnescape.de

Die Screenshots zeigen das Screendesign der SAAL Design Software

Hinweis: Mein Dank geht an SAAL DIGITAL für die Möglichkeit, das betreffende Produkt im Wert von 100 € kostenlos zu testen. Das Testangebot hat mich in meiner Urteilsfindung nicht beeinflusst. Der Bericht gibt sowohl meine positiven Eindrücke als auch meine Kritikpunkte ungefiltert wieder. Ich erhalte kein Honorar für diesen Testbericht und ich habe keine Verbindung zum Unternehmen SAAL DIGITAL, die über die eines Neukunden mit Testgutschein hinausginge. 


Beiträge zu weiteren Themen:

Werbung




Kommentar schreiben

Kommentare: 11
  • #1

    marcoman (Montag, 16 August 2021 09:33)

    Danke für die Produktvorstellung. Ich kannte die Firma bisher nur dem Namen nach. Die schnelle Lieferzeit überrascht. Da muss sich die Produktion ranhalten: 1. Tag Datenverarbeitung + Druck, 2. Tag Buchbindung + Versand, 3. Tag Ankunft. Da ist ja nicht mal Trocknungszeit drin. Ist die Bindung denn richtig trocken? Etwas enttäuschend, dass keine Veredelungen möglich sind. Das ist eigentlich Stand der Technik. Der Coverdruck ist natürlich auch nicht geprägt, oder? Das Buch sieht ja gut aus, aber billig ist der Spaß nicht.

  • #2

    Klaus (admin) (Montag, 16 August 2021 17:27)

    Ja, schneller kann man es kaum machen. Dem Vernehmen nach spielen Trockenzeiten keine Rolle, da keine Klebebindung im Sinne einer Lumbeck-Bindung erfolgt. Wie die Seiten miteinander verklebt werden bzw. die Inhaltsseiten mit dem Hardcover, weiß ich nicht. Jedenfalls hat das gebundene Werk keinerlei spürbare Restfeuchte und es löst sich auch nichts. Ich nehme an, dass die Kassetten vorgefertigt lagerhaltig sind. Dafür spricht auch die erwähnte einheitliche Breite.
    Die Bedruckung des Covers erfolgt nur mit Farbe. Für eine vorherige Einprägung wäre die Anfertigung einer Pressform erforderlich. Das ist bei nur 2 Tagen Produktionszeit kaum realistisch.

  • #3

    birgit 4711 (Dienstag, 17 August 2021 17:20)

    65 Euro für so ein schmales Büchlein. Ich finde das ziemlich teuer.

  • #4

    Klaus (admin) (Dienstag, 17 August 2021 18:11)

    Nun, das ist der Listenpreis. In der Praxis ist es glaube ich schwer, den Rabattgutscheinen des Anbieters zu entgehen ;-) Schon den Erstbesuchern der Webseite bietet Saal einen "Kennenlerngutschein" an. Nach einer Erstbestellung erhält man dann weitere Gutscheinangebote per email. Damit können die Preise dann sehr attraktiv werden.

  • #5

    Rolleinarr (Mittwoch, 18 August 2021 11:02)

    Ich hab schon einige Fotobücher und Prints bei Saal machen lassen. War immer zufrieden.
    Gutscheine sind branchenüblich. Selbst schuld, wer den Listenpreis zahlt.

  • #6

    B.Servicer (Samstag, 21 August 2021 09:40)

    Hallo Klaus, offensichtlich spielt der Farbraum der Bilder für das Ergebnis keine Rolle. Wenn es anders wäre, könnte Saal sichtbarer darauf hinweisen, z.B. beim Hineinziehen der Bilder könnte ja ein Check >Bitte sRGB Profil wählen< aufgehen. Aber vielleicht schreckt das dann den Kunden ab, der nicht weiß, was sRGB ist? Aber was soll dann der Hinweis in dem versteckten Artikel? Rückversicherung um eine Reklamation ablehnen zu können?

  • #7

    Klaus (admin) (Samstag, 21 August 2021 10:10)

    @B.Servicer: Ich kann nur sagen, dass unterschiedliche Farbräume und Profile bei meinem Test keine nennenswerten Unterschiede bewirkt haben. Vom Saal-Kundenservice habe ich nicht den Eindruck, dass die Reklamationen wegbügeln wollen. Ich hatte mal nachgefragt wegen den etwas wolkigen Schwarzweißbildern und dem nicht ganz so gesättigten Schwarz. Die schienen mir sehr bemüht, mich als Kunden zufrieden zu stellen. Dabei wollte ich gar nicht reklamieren, da das Ergebnis für einen Digitaldruck m.E. in Ordnung ist.

  • #8

    Jens Hertel (Sonntag, 22 August 2021 10:35)

    Wenn das Angebot an Anwender geht, die keine Ahnung haben und nur schnell zu einem guten Fotobuch geführt werden sollen, dann wäre eine Forderung nach einem Farbraum geschäftsschädigend. Das versteht keiner und schreckt unwissende Kunden ab. Viele werden ihre Bilder direkt aus der Kamera verwenden und dann sind die ja schon in sRGB. Also brauchen die sich keinen Kopf machen.

  • #9

    Udo A. (Donnerstag, 02 September 2021 14:45)

    Hallo Klaus,
    so ein Zufall! Anfang des Jahres juckte es auch in meinen Fingern mal wieder ein Buch mit 50 Seiten zu erstellen. Ich habe genau das gleiche Leinencover genommen.

    Auch die Box habe ich bestellt, die Box kann man auch unabhängig vom Buch bestellen. Dann besteht eigenartiger weise auch die Möglichkeit einen Titel aufdrucken zu lassen.

    Wenn man die Box zusammen mit dem Buch bestellt ist das bekloppter weise nicht möglich. Das bedeutet also zwei mal Versandkosten und zwei Lieferungen. Nachhaltig ist das nicht!

    Die Qualität der Saal Produkte ist ansonsten extrem gut!

    Viele Grüße, Udo

  • #10

    Klaus (admin) (Donnerstag, 02 September 2021 15:15)

    Hallo Udo,
    schön von dir zu hören :-)
    Interessant, dass die separate bestellte Box dann auch bedruckt werden kann. Das wusste ich gar nicht. Auf die Idee wäre ich auch nicht gekommen ;-)
    Dann muss man wahrscheinlich darauf achten, dass die Box-Tiefe auch zur separat bestellten Buchdicke passt.
    Hast du das gleiche Papier gewählt oder ein anderes ausprobiert?
    Viele Grüße, Klaus

  • #11

    Udo A. (Sonntag, 05 September 2021 17:11)

    Hallo Klaus,
    ich habe mich für "Hochglanz" entschieden.

    Viele Grüße, Udo