Test Belichtungsmesser DOOMO Meter S

Neu: Aufsteck-Belichtungsmesser DOOMO Meter S

Aufsteck-Belichtungsmesser im Test: Leica M2 mit aufgestecktem DOOMO Meter S. Foto: bonnescape

Die chinesische Marke DOOMO ist keine Unbekannte mehr, wenn es um kompakte Aufsteck-Belichtungsmesser und Zubehör für analoge Kameras geht.

Nun ist unter der Bezeichnung "DOOMO Meter S" ein neues Gerät mit brillantem OLED-Display und Einknopf/Einstellrad-Bedienung erschienen. Ich konnte den "S" eine Zeit lang in der Praxis testen und mit anderen Messgeräten vergleichen.

Update 11.01.2022

Unboxing – der erste Eindruck

Der DOOMO Meter S wird über den Online-Shop von Cameractive (cameractive.shop) vertrieben und kommt in einer matt-schwarzen Kartonbox. Das Messgerät ist in ein weißes Plastiktütchen eingewickelt und wird durch einen Schaumstoffeinsatz mit entsprechender Ausstanzung in Position gehalten. Unter dem Schaumstoff befindet sich noch ein Plastiktäschchen mit Zubehör. Zum Lieferumfang gehören ein Gerätefuß, vier Schräubchen, ein kleiner Kreuzschlitzschraubendreher, ein kurzes USB-C Ladekabel und ein Kärtchen mit einer Bedienungsanleitung in englischer Sprache.

Unboxing Aufsteck-Belichtungsmesser DOOMO Meter S im Test. Foto: bonnescape

Der Belichtungsmesser ist ein edel wirkendes, kleines Messgerät mit elegantem Finishing in matt-chrom und sparsamer Gravurbeschriftung. Das laut Hersteller aus einer Aluminiumlegierung gefertigte Gehäuse wirkt hochwertig verarbeitet. Lediglich die eckennahe Platzierung der beiden Schrauben an der Unterseite stört die Haptik ein wenig, so lange das Gerät nicht auf einer Kamera befestigt ist. Das  Gewicht des "S" liegt mit 38 g ungefähr auf dem Niveau  des KEKS EM01, über den ich vor etwa einem Jahr berichtet  habe. Mit nur 36 x 28 x 15,5 mm sind die Abmessungen des neuen Gerätes allerdings noch einmal deutlich kompakter.

Aufsteck-Belichtungsmesser DOOMO Meter S im Vergleich zu KEKS EM01 und V102. Foto: bonnescape

Oben: Größenvergleich (v.l.n.r.) KEKS EM-01, DOOMO Meter S, Cameractive V102.

Oben auf dem Belichtungsmesser ist ein Einstellrad mit leicht gezahntem Rand angebracht. Das Rad dreht sich spielfrei mit leichtem Widerstand, aber ohne Rastung. Links daneben befindet sich ein 1x1,3 mm großes OLED-Display mit weiß leuchtenden Ziffern auf schwarzem Grund. Die zur Verfügung stehende Fläche ist zugunsten großer, lesefreundlicher Schrifttypen gut ausgenutzt. Neben Verschlusszeit und Blende finden sich Angaben für Lichtwert (EV), Filmempfindlichkeit (ISO), Messart (A für Blendenpriorität, T für Zeitpriorität) sowie eine vierstufige Batterieanzeige. Ein kleiner dreigeteilter senkrechter Balken gibt zudem Auskunft über das gewählte Messverfahren, Moment- oder kontinuierliche Messung. An der Geräterückseite ist eine einzelne runde Taste platziert, die zusammen mit dem Einstellrad für die Bedienung des DOOMO Meter S ausreicht. Vorn am Gerät befindet sich hinter einem Abdeckglas die Messzelle. Laut den technischen Daten arbeitet das Gerät mit einem Messwinkel von 30 Grad. Das ist auch bei den anderen mir bekannten Aufsteck-Belichtungsmessern so und entspricht ungefähr dem Bildwinkel eines 80 mm Objektivs an der Kleinbildkamera. Verwendet man Brennweiten um 50 mm oder 35 mm, ergibt sich somit eine mittenbetonte Messung. Die USB-C Schnittstelle zum Aufladen des integrierten 120mAh Lithium Akkus findet man geschützt an der Unterseite des Belichtungsmessers. Die Ladezeit über den USB-Port eines Computers oder mit gängigen 5V-Ladegeräten beträgt nach völliger Entladung kaum länger als 1,5 Stunden. Ich empfehle, das kurze Kabel aus dem Lieferumfang zu verwenden. Mit einem längeren Fremdkabel hatte ich zunächst keinen Erfolg. Während des Aufladens bleibt das Display angeschaltet und zeigt mit einer blinkenden, kontinuierlich zunehmenden Batterieanzeige den Ladefortschritt an. Laut Herstellerangabe soll eine vollständige Ladung für 12 Messstunden ausreichen. Da man ja immer nur wenige Sekunden misst, ist es mir noch nicht gelungen, den Akku im Messbetrieb zu leeren. Allerdings verbleibt der Belichtungsmesser auch bei Nichtbenutzung im Standby, was innerhalb von einer Woche zur Selbstentladung führt. Laut Hersteller ist dies der Messwertspeicherung und der schnellen Aufwachzeit aus dem Standby-Modus geschuldet. Nach einigen Tagen Fotopause ist vor einem erneuten Einsatz also stets ein Aufladen einzuplanen.

Aufsteck-Belichtungsmesser DOOMO Meter S im Test auf einer Voigtländer Vito CD. Foto: bonnescape

Oben: DOOMO Meter S mit rechtsbündig montiertem Fuß auf einer VOIGTLÄNDER Vito CD.

Aufsteck-Belichtungsmesser DOOMO Meter S im Test auf einer Kodak Retina. Foto: bonnescape

Oben: DOOMO Meter S  mit linksbündig montiertem Fuß auf einer KODAK Retina Automatic II.


Für die Befestigung des Gerätefußes hat der DOOMO Meter S auf der Unterseite sechs Gewindebohrungen. Man benötigt zwei der vier Schrauben aus dem Lieferumfang. Die anderen sind wohl als Reserve gedacht. Der Fuß kann linksbündig, mittig oder rechtsbündig an der Gehäusekante montiert werden, um sich den Kameragegebenheiten anzupassen und das Verdecken von Bedienelementen zu vermeiden. Vorbildlich finde ich die im Gerätefuß verbaute Stahlfeder, die sich im Zubehörschuh der Kamera festkrallt und einem allzu lockeren Sitz und unabsichtlichem Herausrutschen entgegenwirkt.

Fotografieren mit dem DOOMO Meter S

Ein Druck auf die rückseitige Taste schaltet den Belichtungsmesser ein und bildet den vor dem Ausschalten zuletzt gemessenen Wert ab (!). Erst durch ein weiteres Drücken der Taste erfolgt eine neue Belichtungsmessung. Die angezeigten Werte stellt man dann an der Kamera ein. Einen  Ausschalter gibt es nicht, die Abschaltung erfolgt automatisch – zwanzig Sekunden nach dem letzten Bedienschritt zunächst das Display, nach drei Minuten geht das gesamte Messgerät in den Standby-Modus. 

Aufsteck-Belichtungsmesser DOOMO Meter S im Test auf einer 4x5 inch Großformatkamera. Foto: bonnescape

Oben: Auch an der Großformatkamera (hier GAOERSI 4x5") lässt sich der DOOMO Meter S gut verwenden, wenn aus der Hand fotografiert wird und das Messen mit einem separaten Handbelichtungsmesser zu umständlich ist.

Zum Einstellen der Filmempfindlichkeit drückt man die Taste etwa fünf Sekunden lang, bis die ISO-Zahl auf dem Display zu blinken beginnt. Mit dem Einstellrad lässt sich dann der gewünschte Wert zwischen 8 und 6400 auswählen und durch kurzen Tastendruck bestätigen. Die Umschaltung  in einen anderen Messmodus erfolgt durch zweimaliges kurzes Drücken der Taste. Im A-Modus (Aperture) lässt sich mit dem Einstellrad ein Blendenwert zwischen 1 und 32 in halben Schritten einstellen. Der Belichtungsmesser ermittelt dann dazu die geeignete Verschlusszeit. Umgekehrt wählt man im T-Modus (Time) eine Verschlusszeit zwischen 30 Sekunden und 1/8000 Sekunde und das Messgerät ermittelt dazu die passende Blende. Der jeweils vorgewählte Wert wird linksseitig immer durch ein kleines Dreieck markiert. Manche Kleinbildkameras aus den 1950er Jahren wie z.B. meine Vito sind mit EV-Lichtwerteinstellung ausgestattet. Verwendet man den DOOMO Meter S mit einem solchen Kameramodell, reicht es, den EV-Wert im Display abzulesen und auf die Kamera zu übertragen. Schließlich bietet das Gerät auch noch die Möglichkeit einer bis zu 5 Sekunden langen kontinuierlichen Messung. Dazu drückt man die Taste für 2 Sekunden, bis der vertikale dreigeteilte Balken auf dem Display erscheint und startet dann mit erneutem Drücken die Messung. Durch die Einknopfbedienung und die diversen verschiedenen Drückmuster (1x, 2x, Kurz, 2 Sekunden, 5 Sekunden) gerate ich gelegentlich unabsichtlich in diesen Messmodus. Ich verwende ihn aber nur selten, etwa, um einen Motivbereich mit stark unterschiedlichen Lichtverhältnissen zu "scannen".

Gut ablesbares Display: Aufsteck-Belichtungsmesser DOOMO Meter S im Test auf einer Leica M2. Foto: bonnescape

Oben: Das Display ist klein, überzeugt aber bei den Messwertangaben mit gut lesbaren, brillanten Ziffern.

Das Display ist sehr gut ablesbar und bleibt durchgängig hell. Lediglich in prallem Sonnenlicht kann es erforderlich sein, die Anzeige mit der Hand abschirmen, um noch etwas erkennen zu können. Leider bietet der DOOMO Meter S nicht die Möglichkeit, einen Korrekturfaktor anzugeben, um zum Beispiel einen Filter vor dem Objektiv zu kompensieren. Glücklicherweise ist der von dem Gerät angebotene ISO-Spielraum aber so groß, dass man sich stattdessen mit einer Anpassung des ISO-Wertes behelfen kann. Verwende ich zum Beispiel einen mittleren Gelbfilter mit ISO100 Schwarzweißfilm, drehe ich den ISO-Wert auf 25 herunter und suggeriere dem Belichtungsmesser, es wäre ein entsprechend weniger empfindlicher Film in der Kamera. Da der ISO-Wert zu den permanent angezeigten Angaben des Displays gehört, besteht kaum Gefahr, dass ich nach dem Entfernen des Filters vergesse, die Korrektur zurückzustellen.

Fotografieren mit dem Belichtungsmesser DOOMO Meter S auf einer Messsucherkamera. Foto: bonnescape

Oben: Für eine präzise Belichtungsmessung hat sich folgendes Verfahren bewährt: Während man durch den Sucher blickt, drückt man mit dem rechten Daumen den Messknopf. Danach nimmt man die Kamera vom Auge, liest am Display den gemessenen Wert ab und überträgt ihn auf die Kameraeinstellung. Bei Kameras mit geringem Abstand zwischen Sucher und Zubehörschuh, oder wenn letzterer links oberhalb des Suchers platziert ist, ist zwischen Kamera und Stirn eventuell kein Platz für den Daumen, insbesondere, wenn man gewohnt ist, mit dem linken Auge durch den Sucher zu blicken. In solchen Fällen nimmt man zum Messen die Kamera vom Auge.

Die Messergebnisse des DOOMO Meter S sind unauffällig. Die Angaben sorgten bei meinen Tests für nachvollziehbar belichtete Filme und entsprachen zumeist den Messwerten meiner anderen Belichtungsmesser, die ich zum Vergleich herangezogen habe. Bei derartigen Vergleichen muss man sich natürlich der speziellen Messcharakteristik von Aufsteck-Belichtungsmessern bewusst sein, speziell im Vergleich zu einer TTL-Belichtungsführung. Bei schwierigen Messaufgaben, z.B. bei Motiven mit Gegenlicht, hohen Kontrasten oder unregelmäßiger Helligkeitsverteilung, kann es ratsam sein, den Belichtungsmesser in Richtung einer Fläche mit mittlerer Helligkeit (z.B. eine Straße oder eine Rasenfläche) zu halten und auf diese zu messen. Danach überträgt man die Werte auf die Kameraeinstellungen und sucht erst dann den finalen Bildausschnitt.

Fazit

Der DOOMO Meter S ist ein schicker Belichtungsmesser zum Aufstecken auf Kameras, die über keine eigene Messung verfügen. Das hochwertig aussehende Gerät wird in den Zubehörschuh der Kamera geschoben. Eine im Gerätefuß verbaute Stahlfeder sorgt dafür, dass auch mit vielen nur annähernd genormten Schuhvarianten eine gute Stabilität erreicht wird. Der Fuß kann mit zwei Schräubchen links-, mittig oder rechtsbündig an der Unterseite des kompakten Geräts montiert werden, damit an der Kamera keine Bedienelemente verdeckt werden. Die Verarbeitung des DOOMO Meter S ist augenscheinlich tadellos, die Bedienung mit einem Knopf und einem Einstellrad ist vom Prinzip her unkompliziert und das OLED-Display überzeugt durch große, gut lesbare Ziffern. Die Messergebnisse waren im Test in Ordnung. Dieser Bericht bezieht sich auf die mir vorliegende Ausführung in matt-chrom. Es gibt aber auch eine Variante in schwarz.

Im Vergleich zu den beiden Belichtungsmessern ähnlicher Bauart, die ich hier vor etwa einem Jahr vorgestellt habe, liegt der Preis des DOOMO Meter S mit 89 $* doppelt so hoch wie der des V102 und rund 20% niedriger als der des KEKS EM-01. Einige Details fand ich bei den beiden Messgeräten damals suboptimal gelöst.

* Stand Dez. 21, günstigster Preis bei cameractive.shop 

In meinen Augen ist der DOOMO Meter S den beiden überlegen: Vor allem durch sein Design und die Qualität  seines Gehäuses, aber auch wegen seinem eingängigen Bedienkonzept, seinem lesefreundlichen Display und der gut gelösten Befestigung auf der Kamera. Aber auch der "S" bleibt nicht ohne Kritikpunkte. So finde ich den Dauer-Standby und die daraus resultierende Selbstentladung unpraktisch. Bei der Einknopfbedienung  gerate ich schon mal ungewollt in einen anderen Messmodus, was im Display aber sichtbar wird. Und, last but not least, vermisse ich die Eingabemöglichkeit für einen Korrekturfaktor, mit dem zum Beispiel die Abdunklung eines aufgesetzten Filters kompensiert werden kann. Der "S" bietet dafür allerdings einen weiten, praxisgerechten ISO-Bereich, so dass man eine derartige Korrektur auch über den ISO-Wert einbringen kann.

 

Copyright 2021 by Klaus Schörner / www.bonnescape.de

Aufsteckfuss mit Feder, Belichtungsmesser DOOMO Meter S. Foto: bonnescape
Kleines Display, große Schrift, Belichtungsmesser DOOMO Meter S im Praxistest. Foto: bonnescape
Erfahrungsbericht: Aufsteck-Belichtungsmesser DOOMO Meter S im Größenvergleich. Foto: bonnescape
Aufsteck-Belichtungsmesser DOOMO Meter S Testergebnis. Foto: bonnescape

Hinweis: Der Anbieter des hier beschriebenen Produktes hat mir ein Exemplar geschickt mit der Bitte, es eine Weile in der Praxis zu testen und über meine Erfahrungen zu berichten. Ich erhalte kein Honorar für diesen Testbericht und habe Vorteile, Nachteile und Eigenarten des Gerätes unbeeinflusst entsprechend meinem Eindruck bewertet. 


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Kommentare: 4
  • #1

    Patrick Keller (Sonntag, 09 Januar 2022 10:40)

    Hallo Klaus,
    nach so einem Belichtungsmesser suche ich für meine Contax II. Die meisten anderen sind zu teuer, zu schlechte Qualität, zu schwurbeliges Menü, zu kleines Display. Dieser hier könnte die Lösung sein. Gefällt mir. Ich finde aber hier in Österreich keinen Händler. Gibts das Gerät nur in China?
    Grüße
    P.

  • #2

    Klaus (admin) (Dienstag, 11 Januar 2022 10:13)

    Hallo Patrick,
    ja, meines Wissens gibt es das Gerät nur bei Cameractive und beim Hersteller selbst. Letzteres habe ich noch nicht ausprobiert, aber Bestellungen beim Cameractive web shop laufen meiner Erfahrung nach problemlos. Die Bezahlung ging per Paypal, der Versand dauerte etwa 2 Wochen. Kann sein, dass das seit Mitte 2021 jetzt ein paar Tage länger läuft durch die neuen Einfuhrregelungen.
    VG, Klaus

  • #3

    nknusr (Donnerstag, 13 Januar 2022 09:54)

    Stylisches Teil. Gefällt mir. Bin nicht ganz sicher wegen der Selbstentladung. Muss das so sein? Nimmt etwas Spontanität, wenn man erst aufladen muss. Bei geplanten Fotoeinsätzen aber kein Problem. Ansonsten sehr schön. Hält der Fuß auch auf einer Nikon SP?

  • #4

    Klaus (admin) (Dienstag, 18 Januar 2022 08:42)

    @nknusr: Ich habe keine SP hier, um es zu prüfen. Es würde mich aber wundern, falls es nicht passt. Abgesehen von einigen Bakelitkameras passt der Belichtungsmesser in alle alten und neuen Kameras mit Zubehörschuh, die ich hier im Fundus habe. Da, wo der Fuß etwas Spiel hat, sorgt die Feder für Halt.