Arca-Swiss C1 Cube

Der Getriebeneiger ARCA-SWISS C1 Cube im Praxistest

Der STATIVKOPF C1 Cube von ARCA-SWISS im Test. Wie schlägt sich der King of TRIPOD HEADS im Review? Foto: Klaus Schoerner

Meine Suche nach einem Stativkopf mit kompakter Bauform, präzisen Feineinstellmöglichkeiten und sicherer Fixierung auch schwerer Kameras führt mich heute zu dem ARCA-SWISS C1 Cube Getriebeneiger. ARCA-SWISS ist bekannt als Hersteller für Grossformatkamera-Equipment im High-End-Bereich, wobei sich Letzteres nicht nur im Hinblick auf den Qualitätsanspruch, sondern auch beim Preisniveau abbildet. Erfüllt „The Cube“ die hohen Erwartungen an einen Stativkopf für die professionelle Architekturfotografie? 

Der C1 Cube ist in zwei Ausführungen erhältlich, die sich lediglich in der Art der Kamerabefestigung voneinander unterscheiden: Die sogenannte „Flip Lock“ Variante verriegelt ARCA-SWISS-kompatible Platten, Schienen und Zubehör mit einem Schnellverschlusshebel. Bei der hier getesteten Version „Classic“ geschieht dies mit einem gängigen Schraubzwingen-Verschluss. Beim aktuellen Marktangebot vermittelt ARCA-SWISS-Kompatibilität mittlerweile den Eindruck eines Industrie-Standards für die Befestigung von Kameras an Stativköpfen. Das Angebot an passenden Adaptern mit der typischen Schwalbenschwanz-Nut und speziellen Befestigungslösungen selbst für individuelle Kameramodelle ist riesig und wird nicht nur von ARCA-SWISS selbst, sondern auch von Herstellern wie SIRUI, NOVOFLEX, KIRK, BENRO, QUENOX u.v.a. bedient.

Obwohl ich bekennender Kugelkopf-Fan bin, habe ich in dem Testbericht zu dem MANFROTTO X-PRO 3-Wege-Neiger ja bereits geschildert, dass die ansonsten durchaus willkommene, schnelle und bequeme Ein-Knopf-Bedienung eines Kugelkopfs beim Fotografieren von Architektur eher unpraktisch ist. Da, wo es auf präzise Einstellarbeit und minimales Nachjustieren ankommt, sind 3-Wege-Neiger und Getriebeneiger im Vorteil, weil sich mit ihnen vor allem geringe Kipp-, Schwenk- und Drehwege getrennt und feinmotorisch einstellen lassen.

Der STATIVKOPF C1 Cube von ARCA-SWISS unpacked. Die schlichte Verpackung täuscht nicht über die Qualität des GETRIEBENEIGERS hinweg. Foto: Klaus Schoerner

Oben: Der ARCA-SWISS C1 Cube in der Ausführung "Classic" mit Schraubzwinge. Eine Befestigungsplatte für die Kamera ist nicht im Lieferumfang enthalten. Das Angebot an passenden Adapterlösungen für die Kamerabefestigung ist jedoch umfangreich und wird auch von vielen Fremdherstellern bedient.

Ein erster Blick auf den ARCA-SWISS C1 Cube

„The Cube“ kommt in einem unauffällig schwarz bedruckten, unlackierten Karton. Die Innenverpackung besteht aus einem Streifen Schaumstoff und einer einfachen Ziploc-Tüte, die um den Cube und das schlichte, aus zwei zusammengehefteten Din A4-Seiten gefaltete Handbuch herum geknautscht wurde. Das ist im Prinzip funktional und in Ordnung, irgendwie bin ich aber doch etwas enttäuscht von derart viel Understatement. Beim Neukauf eines 1400-Euro-Präzisionsteils vom Fotofachhändler hatte ich nicht erwartet, dass die Verpackung die Anmutung eines Online-Gebrauchtkaufs von Privat hat. Andere Hersteller legen Stativköpfe, die vielleicht ein Zehntel des Cube kosten, in repräsentativ mit Logo bedruckte Textil- oder Kunstleder-Beutel ein und vermitteln den Kunden neben dem Mehrwert damit auch Wertschätzung gegenüber dem eigenen Produkt. Aber sei's drum: So muss mein Cube bei Nichtgebrauch als Staubschutz eben mit einem GIOTTOS-Beutel über dem Kopf klarkommen.  ;-)

Der Cube selbst sieht sehr vielversprechend aus und vermittelt den Eindruck eines kompromisslosen Präzisions-Tools. Satt und schwer liegt er in meiner Hand: Ein massiv wirkender, matt schwarz glänzender Würfel aus gefrästem Aluminium mit Feintrieben, gummierten Knöpfen, Nivellierlibellen und sauberer Skalenbeschriftung. Das Finishing ist glatt ohne scharfe Ecken oder Kanten. Sehr edel!

Das auf den ersten Blick scheinbar hohe Gewicht des massiv wirkenden Blocks täuscht, der Cube wiegt tatsächlich „nur“ 1.030 g und ist damit kaum schwerer als der MANFROTTO X-PRO 3-Wege-Neiger aus meinem kürzlich geposteten Test. Die Größe des Cube ist erstaunlich kompakt und beträgt inkl. der Knöpfe ca. 11x11x11 cm. Die getriebegesteuerten Neige- und Schwenkwege belaufen sich auf jeweils rund 60 Grad, von der Nullstellung aus je 30 Grad in die eine und die andere Richtung. Vier Knöpfe dienen zur Steuerung des Verstellgetriebes, je zwei sich gegenüberliegende Knöpfe pro Achse. Die Einstellungen lassen sich also sowohl ein- als auch beidhändig ausführen, wobei das Drehen mit beiden Händen die präzise Justierung kurzer Verstellwege erleichtert. Für jede Achse ragt ein matt-chromfarbenes, gerändeltes Rad aus dem Gehäuse, mit dem der Drehwiderstand vorgewählt werden kann. Selbst in der ungebremsten Einstellung wirken die Verstellungen eher ein wenig zu schwergängig. Ich vermute, dass sich das gibt, wenn ich den Cube mal ein paar Tage im Einsatz hatte. Für hochformatige Aufnahmen oder eine Ausrichtung der Kamera senkrecht nach unten kann der Cube nach Lösen eines Feststellknopfs schienengeführt um rund 60 Grad über die Aussenkante gekippt werden. Die restlichen 30 Grad zum Erreichen eines rechten Winkels bringt dann die Schwenkeinstellung über eine der Getriebeachsen. 

Die Unterseite des C1 Cube von ARCA-SWISS mit Drehteller und 3/8 Stativgewinde. Foto: Klaus Schoerner

Oben: Die Unterseite des C1 Cube schliesst mit dem unteren Drehteller und einem 3/8 Zoll-Gewinde ab.

Zwei Rotationsplattformen, eine unter und eine über den Getriebeachsen, ermöglichen jeweils eine Drehung von 360 Grad. Die Drehbarkeit oberhalb der Schwenkachsen stellt insbesondere für Panoramaaufnahmen einen erheblichen Mehrwert dar, den die meisten Stativköpfe anderer Hersteller vernachlässigen. Nur wenn die Rotation oberhalb der Nivellierung erfolgt, kann der Fotograf mit den Feineinstellungen und Wasserwaagen des Stativkopfes bequem eine präzise horizontal ausgerichtete Basis für die Kamerarotation herstellen, während dies andernfalls umständlich mit den Stativbeinen gemacht werden muss. Die Feststellung der beiden Rotationsteller erfolgt über kleine schwarze Knebelschrauben. Die Belastbarkeit des Cube wird mit 5 kg angegeben.

Der ARCA-SWISS C1 Cube im Testeinsatz

Beim Fotoshooting mit einer NIKON D4 samt Shift-Objektiv PC-E NIKKOR 45 mm 1:2,8D ED, Lebendgewicht rund 1,9 kg, stellt sich schnell heraus, dass Architekturfotografie zu den Domänen des Cube gehört. Die über eine Standardplatte mit dem Cube verbundene Kamera sitzt bombenfest und absolut spielfrei auf dem Stativ. Schnell und bequem ist die Kamera mit Feintrieben und Nivellierlibellen auf das Motiv ausgerichtet. Die Libellen haben erwartungsgemäß nicht nur repräsentative Wirkung, sondern sind zumindest bei meinem Exemplar auch präzise justiert. Einmal eingerichtete Verstellungen des Cube entwickeln kein Eigenleben, sondern bleiben exakt in Position. Toll, so muss es sein. Während sich kleine Verstellungen schnell und mit hoher Genauigkeit ausführen lassen, brauchen extremere Einstellungen etwas länger, da das Zurücklegen grösserer Verstellwege durch die geringe Getriebeübersetzung ein wenig Arbeit an den Drehknöpfen erfordert. Da die Neigeachsen ineinander konstruiert sind, verschwindet bei extremen Einstellungen der jeweils untere Drehknopf in einer ausgefrästen Vertiefung. Daher ist der jeweils gegenüberliegende Knopf, der dann die Einstellarbeit übernehmen muss, unverzichtbar. Jedenfalls empfiehlt es sich, beim Einstellen konzentriert zu arbeiten, damit man sich nicht irgendwo die Fingerspitzen klemmt.

Der C1 Cube von ARCA-SWISS im Aufbau mit NIKON D4 und PC-E Shift. Wie schlägt sich der GETRIEBENEIGER beim Architektur-Shooting? Foto: Klaus Schoerner

Oben: Praxisgerechte Kombi: "The Cube" mit einer NIKON D4 samt 45er PC-E Shift beim Architektur-Shooting. 

Als vorteilhaft stellt sich heraus, dass sich die konstruktionsbedingt ineinander verschachtelten Neigewege des Cube in ihrem Drehwinkel um einen imaginären Mittelpunkt drehen, der sich über dem Stativkopf befindet. Das ist wirklich eine smarte Lösung, an die ich vorher gar nicht gedacht hatte. Damit führen Schwenkbewegungen zu einem geringeren Versatz der Kameraausrichtung, was beim Nachjustieren wiederum Zeit spart. Beim Kippen des Kopfes nach aussen für eine hochformatige Aufnahme kann davon natürlich keine Rede mehr sein. Dafür liegt die Drehachse an der Aussenkante des Gehäuses zu exponiert. Hier empfiehlt sich dann doch die Verwendung einer kameraspezifischen L-Schiene, die den Formatwechsel mit der Kamerabefestigung ermöglicht, ohne dass die Bildachse verlassen wird oder die Einstellungen des Cube verändert werden müssen. Erwähnt sei allerdings noch, dass auch die extreme "Hochformat"-Position des Cube zu keiner spürbaren Beeinträchtigung der Stabilität führt.

Grundsätzlich wird der Cube ohne eine Kameramontageplatte geliefert. Die Platte, die ich beim Shooting für die D4 verwendet habe, ist etwas klein und verschwindet unter dem Kameraboden. Man muss aufpassen, dass man beim Einsetzen in die Halterung die Führungsnut trifft. Eine längere, über die gesamte Kameraunterseite verlaufende Schiene oder die bereits erwähnte L-Schiene sind für eine Kamera dieser Größe sicher geeigneter.

Extreme Verstellungen sind mit dem GETRIEBENEIGER C1 Cube von ARCA-SWISS kein Problem.  Foto: Klaus Schoerner

Oben: Der C1 Cube unterstützt getriebegeführt auch extreme Kameraausrichtungen mit hoher Stabilität und erreicht diese äusserst präzise in kleinsten Einstellschritten.

Unten: Wenn der untere Drehknopf in der Vertiefung verschwindet, übernimmt der gegenüberliegende Knopf die Dreharbeit.

Der STATIVKOPF C1 Cube von ARCA-SWISS bietet auch extreme Verstellwege mit maximaler Stabilität.  Foto: Klaus Schoerner
Der C1 Cube GETRIEBENEIGER von ARCA-SWISS in der Hochformatposition. Foto: Klaus Schoerner

Oben und unten: Obwohl der ARCA-SWISS Getriebeneiger über eine stabile Kippeinstellung für Hochformataufnahmen verfügt, ist der Einsatz einer L-Schiene hier doch vorteilhafter, da der deutliche Ausleger zu einem üppigen Versatz der Kamera führt. Ein Formatwechsel bei ein und demselben Motiv erfordert daher meist eine komplette Neupositionierung des Stativs.

Aufwendige Mechanik ermöglicht beim C1 Cube GETRIEBENEIGER von ARCA-SWISS das Kippen der Kamera. Foto: Klaus Schoerner

Test-Fazit zum ARCA-SWISS C1 Cube Getriebeneiger

Ist der getriebegeführte 3-Wege-Neiger der Nobelmarke ARCA-SWISS ein praxisgerechtes Präzisionsinstrument mit Mehrwert für die anspruchsvolle Fotografie oder ein nice-to-have Luxusteil? Nun, es kommt auf den Einsatzzweck an. Der C1 Cube empfiehlt sich immer dann, wenn es um ein entschleunigtes Fotografieren und ein präzises Ausrichten der Kamera geht, wie zum Beispiel in der Architekturfotografie und der Landschaftsfotografie oder bei unbewegten Aufbauten im Studio. Ich habe für derartige Anwendungsbereiche noch keinen besseren Stativkopf gesehen. Bei anderen Anwendungen werden Kugelköpfe wahrscheinlich eine schnellere, vielseitigere und vor allem deutlich preisgünstigere Alternative sein. Wer bei seiner Fotoausrüstung auf Stabilität und maximale Präzision Wert legt, wird auf jeden Fall beim Cube fündig. Funktionalität und Verarbeitungsqualität sind superb, der Kaufpreis ist es allerdings auch. Bei meinem praktischen Einsatz des Cube im Architektur-Shooting habe ich kein Haar in der Suppe gefunden und war im Gegenteil begeistert von der ausgereiften und arbeitserleichternden Funktionalität des Getriebeneigers. Bei meinen Architekturfotos möchte ich auf das Teil künftig nicht mehr verzichten. Von meinen Langzeiterfahrungen werde ich zu gegebener Zeit berichten.

Copyright 2017 by Klaus Schörner / www.bonnescape.de



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Kommentare: 4
  • #1

    Carlos (Samstag, 01 Juli 2017 10:00)

    Danke für den review. Guter Überblick. Kannte das Ding gar nicht.

  • #2

    Volker (Samstag, 07 Oktober 2017 10:50)

    Danke für den Tipp! Hab mir auch einen gegönnt. Ist gerade angekommen. Ich bin begeistert.
    mfG

  • #3

    Klaus (admin) (Samstag, 07 Oktober 2017 12:39)

    Hallo Volker,
    aber gerne. Berichte doch bei Gelegenheit mal von Deinen Praxiserfahrungen mit dem Cube!
    LG
    Klaus

  • #4

    hassifoto (Donnerstag, 09 November 2017 10:04)

    Guter Artikel. Aber es gibt sicher auch noch andere gute und preisgünstigere Lösungen.