Praxistest Aurora Speedbounce 40

Weichmacher im Praxistest: AURORA SPEEDBOUNCE 40

Oben: Portrait mit "Weichmacher-Blick", aufgenommen mit weichem Licht aus der SPEEDBOUNCE 40.

Hartes Blitzlicht mit Schlagschatten ...

... ist nicht immer das, was man sich für seine Fotos wünscht. Daher gibt es viele Zubehörartikel, mit denen man das Licht von System- und Kompakt-Blitzgeräten weicher machen kann. Vom aufsteckbaren Reflektor über den sogenannten Joghurtbecher bis hin zur Mini-Softbox, die Modelle sind unterschiedlich, die Wirkung ist es auch. Während der PHOTOKINA ist mir am Stand von HENSEL die AURORA SPEEDBOUNCE 40 positiv aufgefallen. Ich habe mir eine gekauft und mittlerweile ausgiebig getestet. Das Ergebnis möchte ich euch nicht vorenthalten:

Gängige Wege zu weichem Blitzlicht

Wer schon mal mit oder ohne zusätzliche Utensilien versucht hat, seinen Kompaktblitzgeräten weiches Licht zu entlocken, weiß: Es kommt auf eine möglichst indirekte Lichtführung an und auf die Größe der Lichtabstrahlfläche. Aber nicht immer ist eine weiße Wandfläche in der Nähe, die man anblitzen könnte, und mit der Größe beginnt das Problem, denn wir sprechen schließlich von "Kompakt"-Blitzgeräten. Denen kann man ja nicht gut eine 70er Softbox vor's Fenster schnallen. Daher beschränken sich die meisten Lichtformer aus dem Blitzgerätezubehör auf sehr begrenzte Abmessungen, damit sie das Objektiv nicht abdecken und transportabel bleiben, und erreichen dann auch entsprechend begrenzte Wirkung.

Aurora Speedbounce 40 im Einsatz auf einem Nikon SB-800, Foto: bonnescape

Faltbare Reflektor-Softbox in ungewöhnlicher Form

Vor diesem Hintergrund stelle ich fest, dass die AURORA-Produktentwickler ihre Hausaufgaben gemacht haben. Von der Idee her ist die SPEEDBOUNCE ziemlich clever. Wie ein großer Löffel wird die Softbox über den nach oben geschwenkten Blitzkopf gestülpt und erreicht dadurch vier wesentliche konstruktive Vorteile: 

  1. Die Abstrahlfläche kann geschlossener und größer dimensioniert werden, als es bei Vorsätzen möglich wäre, die in Aufnahmerichtung auf dem Blitzkopf befestigt werden, und so kommt die SPEEDBOUNCE mit stolzen 40 cm Durchmesser daher. Alternativ gibt es auch noch eine kleinere Variante mit 30 cm Durchmesser.
  2. Die Abstrahlfläche wird nicht direkt vom Blitz erleuchtet, sondern zumindest teilweise "um die Ecke" über die Reflexion der silbrig beschichteten Softbox-Innenwände. Auf diese Weise ist eine gleichmäßigere Ausleuchtung der Abstrahlfläche zu erwarten, was wir uns unten noch genauer ansehen werden.
  3. Falls die Kombination aus Blitzgerät und Kamera keine TTL-Messung unterstützt, kann zur Blitzbelichtungsmessung die Meßzelle des Blitzgeräts genutzt werden, da diese von der SPEEDBOUNCE nicht verdeckt wird.
  4. So ganz nebenbei wird durch den größeren Abstand zur Aufnahmeachse auch noch eine plastischere Lichtwirkung auf das Motiv erzielt, was auch nicht unwillkommen ist, und bei Portraits sinkt die Gefahr von "glühenden Augen".

Die AURORA SPEEDBOUNCE 40 cm wirkt insgesamt tadellos verarbeitet und ist aus Kunstfasertextil gefertigt, das an hochwertige Zeltplane erinnert und innen silberfarben beschichtet ist. Im Saum sorgen zwei federnde Ringe für eine selbstentfaltende kreisrunde Form. Der Abstand von Rückwand und Diffusor-Vorderseite wird oben durch ein eingestecktes Pappkärtchen, den sogenannten Mate, und unten durch den per Klettband fixierten Blitzkopf gewährleistet. Nach Herausziehen von Blitzkopf und Mate kann die SPEEDBOUNCE in sich verdreht zusammengefaltet werden. So, wie man das von Rundreflektoren kennt. Die Softbox passt dann in das 17 x 5 cm große Täschchen. Die SPEEDBOUNCE 40 wiegt weniger als 200g und passt auf die meisten gängigen Kompaktblitzgeräte mit nach oben schwenkbarem Blitzkopf.

Praxistest Aurora Litebank Speedbounce 40, Lieferumfang, Foto: bonnescape

Oben: Lieferumfang der SPEEDBOUNCE 40 Softbox. Zusammengefaltet passt das Teil in die kleine Tasche. Zur Anbringung am Blitz dient ein an der Unterseite selbsthaftendes Klettband, falls man sein Blitzgerät nicht mit den ebenfalls beigefügten Klebe-Klettstreifen verunstalten möchte. Wichtig ist der sogenannte Mate, das kleine Pappkärtchen oben im Bild.

Praxistest Aurora Litebank Speedbounce 40, Einblick in die innere Beschichtung, Foto: bonnescape

Oben: Einblick durch den Montageschacht ins Innere der SPEEDBOUNCE. Die hochreflektierende silberne Innenbeschichtung sorgt für eine breite Ausleuchtung, die weiße Stoffbespannung für einen diffusen Lichtaustritt.

Praxistest Aurora Litebank Speedbounce 40, Mate zur Softbox-Stabilisierung, Foto: bonnescape

Oben: Nicht abschneiden! Der Speed Bounce Mate wird noch gebraucht und bleibt am besten am Stoffgehäuse hängen, damit man ihn stets zur Hand hat.

Praxistest Aurora Litebank Speedbounce 40, vertikales Einstecken des Mate funktioniert nicht, Foto: bonnescape

Oben: Der Mate wird an der dem Blitzgerät gegenüberliegenden Seite in eine dafür vorgesehene Tasche eingesteckt und soll sicherstellen, dass Vorder- und Rückseite der SPEEDBOUNCE oben Abstand haben. Ob das Kärtchen längs oder quer reingesteckt werden soll, ist nicht ganz klar. Vertikales Reinstecken passt von der Lochung und entspricht ungefähr der Breite des Blitzkopfes, das Kärtchen sitzt dann aber sehr locker in der viel zu großen Tasche und rutscht leicht heraus. Quer passt der Mate dagegen haargenau in die Tasche und spreizt die Softbox bis zum Anschlag. Wenn das so gemeint sein sollte, hätte man die Lochung allerdings besser in der oberen Ecke platziert.

Praxistest Aurora Litebank Speedbounce 40, selbsthaftendes Klettband zur Montage am Blitz, hier ein Nikon Speedlight SB-800, Foto: bonnescape

Oben: Das Klettband wird stramm um den Schaft des nach oben geklappten Blitzkopfes gewickelt. Laut Bedienungsanleitung mit mindestens 1" (ca. 2,5 cm) Abstand zum Rand. Die gummierte, selbsthaftende Unterseite soll verhindern, dass das Band nach oben vom Blitzgerät abrutscht. Alternativ kann man auch die zusätzlich beigefügten Klettpunkte fest am Blitzgerät ankleben, aber das Verunstalten des Geräts mit doppelseitigem Klebeband ist nicht Jedermanns Sache. 

Die SPEEDBOUNCE 40 im praktischen Einsatz

Praxistest Aurora Litebank Speedbounce 40, Vorder- und Rückansicht, Foto: bonnescape

Oben: Betriebsfertige SPEEDBOUNCE 40 an einem NIKON SB-800. Eine Neigung des Blitzkopfes nach vorn ist mit der aufgepflanzten Softbox begrenzt möglich.

Praxistest Aurora Litebank Speedbounce 40, Ausleuchtung mit einem NIKON Speedlight SB-800, Foto: bonnescape

Links: Die Unterbelichtung zeigt, dass die Ausleuchtung der Lichtabstrahlfläche zwar flächendeckend ist, aber nicht so ganz gleichmäßig. Im unteren Bereich, wo der Blitzkopf hineinragt, befindet sich ein Hotspot. Mit einer zusätzlichen Weitwinkelstreuscheibe oder einer Diffusorhaube vor dem Blitz wird keine Steigerung der Homogenität erzielt, sondern das Licht noch stärker im unteren Segment gebündelt, so dass man sich das sparen kann.

 

Bei der folgenden Sachaufnahme der Damaszenerklinge wird deutlich, dass die stärkere Lichtabgabe im unteren Bereich der Softbox kein Nachteil sein muss. Hier wirkt sie sogar einem Lichtabfall in der unteren Bildhälfte entgegen.

Praxistest Aurora Litebank Speedbounce 40, Sachaufnahme Damaszener-Klinge, Foto: bonnescape

Oben: Einfache Sachaufnahme mit der SPEEDBOUNCE 40, ohne viel Aufwand mal eben aus der Hand geschossen. NIKON D500 mit AF-S Nikkor 3,5-5,6/16-85 mm G ED, Blitzgerät NIKON SB-800, TTL-Messung. Für einen Schnappschuss ohne Reflektoren oder Aufheller finde ich das Ausleuchtungsergebnis sehr ordentlich.

ROGUE Flashbender an einem NIKON SB-800 auf der NIKON D4, Vorder- und Rückansicht, Foto: bonnescape

ALTERNATIVE 1, oben: Einige der folgenden Vergleichsfotos wurden mit dem ROGUE Flashbender erstellt. Dieser verfügt über eine flexibel formbare Reflektorfläche von 22x22 cm.

Faltbare Mini-Softbox an einem NIKON SB-800, daneben zum Vergleich der Yoghurtbecher, Foto: bonnescape

ALTERNATIVE 2, oben links: Zum Vergleich die Mini-Softbox LIFE, die Größe ihrer Abstrahlfläche beträgt 15x13 cm. Die Messzelle des Blitzgerätes wird verdeckt, so dass man bei Verwendung der Softbox TTL-fähige Komponenten braucht ... falls man nicht extern manuell messen möchte.

ALTERNATIVE 3, oben rechts: Diffusorhaube, der sogenannte Joghurtbecher, aus dem Systemzubehör von NIKON.

Nahaufnahme Buddhakopf mit Aurora Litebank Speedbounce 40, Foto: bonnescape
Nahaufnahme Buddha, Nikon SB-800 mit Aurora Litebank Speedbounce 40, Foto: bonnescape

Weiches Licht und gute Plastizität mit der SPEEDBOUNCE 40, das Beispiel links mit Motivabstand 30 cm, oben ca. 1 m.


Nahaufnahme Buddhakopf mit ROGUE Reflektor, Foto: bonnescape
Nahaufnahme Buddha, Nikon SB-800 mit ROGUE Reflektor, Foto: bonnescape

Zum Vergleich: Fast ebenso weiches Licht mit dem ROGUE Flashbender, jedoch etwas weniger plastische Wirkung.


Nahaufnahme Buddhakopf mit Mini-Softbox LIFE, Foto: bonnescape
Nahaufnahme Buddha, Nikon SB-800 mit LIFE Minisoftbox, Foto: bonnescape

Zum Vergleich: Tiefe Schatten mit der LIFE Mini-Softbox, die erst bei größerem Motivabstand etwas aufgehellt werden.


Nahaufnahme Buddhakopf mit SB-800 und Joghurtbecher, Foto: bonnescape
Nahaufnahme Buddha, Nikon SB-800 mit Joghurtbecher, Foto: bonnescape

Zum Vergleich: Ebenfalls heftige Schatten mit der NIKON Diffusorhaube, die bei größerem Abstand weicher werden.


Nahaufnahme Buddhakopf mit SB-800 ohne Soft-Vorsatz direkt angeblitzt, Foto: bonnescape
Nahaufnahme Buddha, Direktblitz mit Nikon SB-800, Foto: bonnescape

Zum Vergleich: Das direkte Blitzlicht ohne weichzeichnende Vorsätze produziert Schlagschatten.


Der Bildvergleich oben macht es deutlich: Wenn es um weiches Licht geht, ist indirekte Lichtführung optimal. Die SPEEDBOUNCE 40 verwandelt hartes Blitzlicht in wunderbar weiches Licht und betont durch den relativ großen Abstand der Lichtabstrahlfläche zum Objektiv zugleich die Plastizität des Aufnahmeobjektes. Der ROGUE Flashbender erreicht diese Lichtwirkung nicht ganz, kommt aber beachtlich nah heran. 

Entfesseltes Blitzen in der Architekturfotografie zur Akzentuierung von Bildbereichen. Foto: bonnescape

Oben: Transportable Softboxen (hier die LIFE Mini-Softbox) können auch beim entfesselten Einsatz die Lichtqualität von Systemblitzgeräten verbessern, zum Beispiel beim Setzen von Lichtakzenten in der Architekturfotografie. Die entsprechend aufgehellten Bildbereiche, z.B. die Rückenlehnen der Sessel, werden später maskiert und dosiert in das Gesamtbild eingerechnet. 

Erfüllt die SPEEDBOUNCE 40 die Erwartungen?

Ja, unbedingt. Die Lichtwirkung ist toll und sorgt mit einfachen Mitteln für weich ausgeleuchtete Objekte, insbesondere im Nahbereich. Die SPEEDBOUNCE eignet sich damit hervorragend für Aufnahmen von Portraits und kleinen Gegenständen, die mit ihr geradezu "lichtumflutet" werden. Aber auch bei Aufnahmen von Innenräumen lässt sich die Softbox zur Lichtakzentuierung mit entfesseltem Blitz gut einsetzen. Wenn man das Blitzgerät nicht auf der Kamera hat, kann man natürlich auch mit noch größeren Lichtformern arbeiten (dazu kommt demnächst noch ein weiterer Bericht). Die AURORA SPEEDBOUNCE 40 ist denen gegenüber jedoch im Vorteil, wenn's auf Gepäckmaße und Gewicht ankommt. Klein zusammengefaltet passt sie halt immer in irgendeine Tasche und man hat sie für den Bedarfsfall dabei.

Aufgepflanzt ist die SPEEDBOUNCE ein ziemlich großes, schwankendes Segel, das nur von vier Stofflaschen und etwas Klettband am Blitzkopf gehalten wird und sich gelegentlich auch schon mal von diesem verabschiedet. Mal löst sich nur der Klettverschluss und das Klettband bleibt kleben, mal rutscht die ganze Chose komplett ab. In Innenräumen ist das noch praktikabel, aber für einen Einsatz bei Wind und Wetter ist das nix.

Auch die Langzeitstabilität wird zu beobachten sein: Empfindliche Stellen für Dauerbelastung sind die Befestigungslaschen, die Klebkraft des an der Unterseite gummierten Klettbands, die bei meinem Modell jetzt schon nachlässt, und ggflls. die Nähte der Tasche für die Aufnahme des Mate.

FAZIT: Für derzeit knapp 50 € erhält man mit der AURORA LITEBANK SPEEDBOUNCE 40 ein cleveres, klein zusammenfaltbares Zubehörteil zur signifikanten Verbesserung der Ausleuchtung mit Blitzlicht, besonders bei Nahaufnahmen und Portraits. Die Verarbeitung der kreisrunden Softbox ist prinzipiell sehr gut und überzeugt durch offensichtlich hochwertiges Textilmaterial und saubere Nähte. Der kritische Blick findet lediglich kleinere konstruktive Schönheitsfehler. So wirkt der sogenannte Mate ein wenig "hausgemacht". Außerdem würde man sich eine stabilere Verbindung mit dem Blitzgerät wünschen, die aber wohl dem kompakten Faltmaß geschuldet ist. 

Copyright 2018 by Klaus Schörner / www.bonnescape.de


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