Reparatur: Lichtdichtungen und Spiegeldämpfer erneuern
Eine Spiegelreflexkamera aus den 1970ern, immer noch funktionstüchtig, aber die Lichtdichtungen und der Spiegelpuffer aus Schaumstoff sind klebrig geworden oder haben sich krümelig aufgelöst. Die Kamera liegt mir am Herzen, es war damals meine erste, im Alter von 16 Jahren ein Geschenk meiner Eltern. Also habe ich mir einen Satz neuer Dichtungen besorgt, um das gute Stück wieder gebrauchsfähig zu machen. Nachtrag 02. Mai 2026
Meine Online-Recherche hat mich zu einem Anbieter aus Frankreich geführt, der für eine große Zahl alter Kameras passend konfektionierte Dichtungs-Sets bereithält. Eine Woche nach meiner Bestellung treffen die Schaumstoffstreifen knicksicher verpackt ein und ich begebe mich an die Arbeit. Es ist das erste Mal, dass ich so eine Arbeit selbst ausführe und so orientiere ich mich an den Verarbeitungshinweisen auf der Website des Herstellers.
Folgende Dinge habe ich mir bereitgelegt:
- Neuer Dichtungssatz
- Isopropylalkohol (99,9%) z.B. bei Amazon
- Zwei Pinzetten
- Einige Wattestäbchen
- Mehrere Zahnstocher aus Holz
- Cutter
- Filmrest
- Papier
- Klebeband
- Schere
- Küchenpapier
- Tischstativ
Schutz des Verschlussvorhangs
Um zu verhindern, dass klebrige Schaumstoffreste oder Reinigungsmittel mit dem Verschlussvorhang in Kontakt kommen, decke ich den Bereich mit dem Reststück eines Filmstreifens ab und fixiere ihn an der Metalleinfassung mit etwas Klebeband. Film oder Folie scheinen mir geeigneter als Papier, weil sie auch vor Flüssigkeit schützen.
Schutz des Spiegels
Da beim Entfernen des alten Spiegelpuffers kaum zu vermeiden ist, dass klebrige Schaumstoffbrösel auf den Spiegel fallen, decke ich auch diesen mit einem eingelegten Stück Papier ab.
Entfernen der Dichtungsreste
Den Spiegeldämpfer und die vertikalen Dichtungsreste an der Kamerarückwand trage ich mit Wattestäbchen ab, auf die ich jeweils einen Tropfen Alkohol gegeben habe. Aus der Führungsnut, in die die Rückwand beim Schließen greift, ist es mühsamer, die klebrigen und bröseligen Dichtungsreste herauszukratzen. Am besten geht das mit Zahnstochern und dem Stiel eines Wattestäbchens, den ich mit dem Cutter vorher anspitze, damit er schmal genug für die Nut ist. Der Reinigungsalkohol kann helfen, den alten Kleber zu lösen, darf aber auch hier nur punktuell und tröpfchenweise angewendet werden, damit nichts davon in die Kamera hineinläuft und bei Schmierungen, Beschichtungen oder Verklebungen Schaden anrichtet. Eine kurz in Alkohol getauchte Zahnstocherspitze saugt gerade so viel Flüssigkeit auf wie nötig.
Herstellertipp: Den Reinigungsalkohol mit der Pinzette auftragen.
Eingetaucht in den Alkohol bleibt ein Tropfen zwischen den Spitzen der Pinzette hängen, den man dann zielgenau applizieren kann. Ähnlich gut geht es mit der Cutterklinge. Ist der alte Dichtungsschaum raus, reinige ich die Oberfläche nochmals mit Alkohol und einem ausgefransten Wattestäbchen-Stiel, der aus einer Art gepresstem Papier besteht und dann wie ein Mini-Wischmop durch die Nut gleitet. Nichts von dem alten Kleber darf zurückbleiben. Im Anschluss ist eine Reinigung des Arbeitsplatzes angesagt, bevor ich mich an das Einkleben der neuen Dichtungen gebe.
Einkleben der neuen Dichtungen
Zunächst sortiere ich die Dichtungselemente und schaue mir an, welches Schaumstoffstück wo hingehören könnte. Die eine oder andere Frage kommt dabei schon auf. Zwei Abschnitte lassen sich nicht zweifelsfrei zuordnen, der Streifen für die Nut am Türverschluss ist etwas zu kurz, ein anderes kurzes Stück (im Bild unten rechts) bleibt übrig. Verwirrend ist auch, dass drei Streifen aus grobporigem Schaumstoff bestehen, während die anderen eine Dichte fast wie Moosgummi haben. Das wird seinen Grund haben, aber ein Hinweis dazu oder eine Sortierung aller Rohlinge in einzelnen beschrifteten Tütchen wäre gut gewesen. Die Klebeschicht klebt wie der Teufel, daher hat man beim Aufbringen der Rohlinge meist nur einen Versuch. Sollte etwas schiefgehen, kann man versuchen, den Kleber mit einem Tropfen Alkohol kurzzeitig anzulösen. Nach dem Verdunsten des Alkohols klebt das Dichtungsstück aber etwas schlechter als vorher. Ich gehe so vor, dass ich das Dichtungselement mit einer Pinzette greife, dann mit der zweiten Pinzette die Schutzfolie abziehe und den Schaumstoff an der vorgesehenen Stelle platziere. Danach drücke ich den aufgebrachten Streifen mit einem Zahnstocher kurz an. Hauptproblem ist, dass sich der Streifen in der Nut leicht verdreht und die Klebeschicht dann seitlich in der Nut haftet. Längere Dichtungen klebe ich an einem Ende fest und arbeite mich Schritt für Schritt vor, indem ich die Folie zentimeterweise abziehe und das jeweils frei gewordene Stück anklebe. Das Vorgehen in kleinen Schritten kann ich nur empfehlen, weil der Schaumstoff ohne die stabilisierende Schutzfolie sehr weich, extrem klebrig und schwierig zu handhaben ist. Wenn sich da etwas stärker verdreht und Klebefläche auf Klebefläche oder Schaumstoffoberfläche trifft, ist das Thema durch. Das bekommt man dann nicht mehr zerstörungsfrei auseinander. Das Fixieren der Kamera mit einem Tischstativ kann die Arbeit erleichtern.
Die Führungsnut für die Kamerarückwand
Ich beginne mit dem Verlegen an einem Scharnier und arbeite mich schrittweise die Führungsnut entlang. Ich achte darauf, dass der Schaumstoff dabei nicht gedehnt wird. Es ist hilfreich, wenn man sich gemerkt hat, von wo bis wo der alte Schaumstoff reichte. Die meisten neuen Dichtungsstreifen sind passgenau gefertigt, aber leider nicht alle, was erneut Zweifel an der korrekten Zuordnung aufkommen lässt.
Aussparen des Zählwerk-Tasters
In der oberen Nut befindet sich rechts ein Taster, der das Bildzählwerk beim Öffnen der Rückwand auf Null stellt. Laut Anleitung kann man den Schaumstoff entweder an dieser Stelle teilen oder über den Taster verlegen, da er trotz darüber verlaufender Dichtung genügend Kraft haben soll, um seine Aufgabe zu erfüllen. Ich entscheide mich dagegen, trenne den Dichtungsstreifen und spare den Taster aus.
Schließen der Kamerarückwand
Die Arbeiten sind abgeschlossen. Das erste Schließen der Kamerarückwand stößt auf Widerstand. Der Hersteller weist darauf hin, dass die Dichtungsstreifen zunächst etwas dicker sind und sich erst nach einigen Stunden angepasst haben. Letzteres ist bei meiner Kamera erst einige Tage später der Fall. Die nun etwas komprimierte Dichtung lässt an einigen Stellen der Nutinnenwand etwas von der Klebeschicht sichtbar werden. Es ist mir also nicht überall gelungen, die Klebung des wabbeligen Dichtungsstreifens an der Nutunterseite zu halten. Hoffentlich ist das nur ein Schönheitsfehler, der nicht dazu führt, dass sich die Dichtung an diesen Stellen wieder herauslöst. Immerhin zeigt ein Funktionstest mit Film unter hellem Licht, dass die Kamera wieder lichtdicht ist.
Bezugsquelle: Antikea Photo (ebay shop)
Anleitung (engl./franz.) des Herstellers: https://antikea-photo.com
Nachtrag vom 02.05.2026:
Ein weiterer Dichtungstausch
Das Thema lässt mich noch nicht los. Ich habe eine gut erhaltene MIRANDA Auto Sensorex EE bekommen, bei der ebenfalls einige Dichtungen und der Spiegeldämpfer zu erneuern sind. Dafür habe ich mir diesmal das Universal-Lichtdichtungsset von "Ausgeknipst" gekauft. Mit knapp 25 € (Stand ebay April 2026) kostet es rund doppelt so viel wie das maßgeschneiderte Set von "Antikea". Allerdings beinhaltet es neun einheitlich lange Rohlinge in unterschiedlichen Breiten plus Restmaterial, so dass gegebenenfalls mehrere verschiedene Kameras mit ein- und demselben Set abgedichtet werden können. Man muss dann nur die Länge der Rohlinge bedarfsgerecht zuschneiden. Das Material hat eine Moosgummi-ähnliche Konsistenz mit einer Stärke von gut 1 mm. Ein separater Streifen ist für die Spiegeldämpfung gedacht. Im Gegensatz zu den bei der FUJICA verwendeten Rohlingen scheint er aus dem gleichen Material zu bestehen wie die anderen Dichtungen, ist aber mit rund 2 mm etwas dicker. Außerdem beinhaltet das Set eine Anleitung, eine 3D-gedruckte Pinzette, die sich auch für das Herauskratzen der alten Dichtungen eignet, einige Wattestäbchen und als Gimmick eine Schutzkappe für den Hot shoe. Ein gesonderter Aufkleber "Shutter Protection Tape" ist für das Abkleben des Kameraverschlusses gedacht. Die Klebekraft ist gering, so dass kein Verkleben des Verschlusstuchs bzw. der Lamellen zu befürchten ist.
Reinigung und Tausch der Dichtungen
Meine Vorgehensweise ist die gleiche, wie oben beschrieben. Die Verarbeitung geht bei der zweiten Kamera aber besser von der Hand. Ob es an meiner inzwischen gereiften Erfahrung liegt oder an dem anderen Dichtungsmaterial, kann ich gar nicht so genau sagen. Die Pinzette aus dem Lieferumfang erweist sich als geeignetes Werkzeug, um Dichtungsreste ohne Lackkratzer zu entfernen. Für die schmale Rückwandnut der MIRANDA ist die Prinzette allerdings zu breit. Da greife ich nach einigen Versuchen wieder auf die bewährten Zahnstocher zurück.
Der bröselige Rest des alten Spiegeldämpfers lässt sich gut mit Reinigungsalkohol und Wattestäbchen entfernen. Die vier Stäbchen aus dem Lieferumfang reichen aber nicht aus, da sie von der klebrigen Masse schnell verschmutzt werden. Am Ende habe ich allein für den Dämpfer schon sechs Wattestäbchen verbraucht.
Das Ergebnis zeigt, dass mir der Tausch der Dichtungen und des Spiegeldämpfers bei der MIRANDA besser gelungen ist. Was mir an dem Set von "Ausgeknipst" gefällt, ist die universelle Zusammenstellung des Inhalts. Natürlich braucht man zusätzlich noch Reinigungsalkohol, Küchenpapier und Zahnstocher und die Anzahl der Wattestäbchen reicht nicht aus, aber das mag auch an dem besonders klebrigen Spiegeldämpfer der MIRANDA liegen. Das bedarfsgerechte Zuschneiden der Rohlinge war kein Problem und erscheint rückblickend sinnvoller als das Rätseln bei einem konfektionierten Set ohne ausreichende Kennzeichnung, welches Stück wohin gehört.
Copyright 2026 by Klaus Schörner / www.bonnescape.de
Hinweis: Ich habe keine Verbindung zu den Herstellern der hier beschriebenen Produkte, abgesehen davon, dass ich die Produkte dort zum ganz normalen Handelspreis kaufe. Ich erhalte auch kein Honorar für diesen Bericht. Dieser gibt unbeeinflusst meinen Eindruck und meine Erfahrungen mit den beschriebenen Produkten wieder.
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ReinerJ (Dienstag, 14 April 2026 12:57)
Danke für den ausführlichen Bericht.
Er bestätigt mir, dass es für diese Arbeiten ein wenig handwerkliches Geschick braucht.
Deshalb habe ich das bei meiner Yashica Mat 2 einem Profi überlassen, was allerdings nicht ganz billig war.
Aber Arbeitszeit von Fachleuten kann nicht billig sein.
Andy (Montag, 27 April 2026 09:59)
Was nützt ein Set, wenn die Teil nicht passen oder nicht zuzuordnen sind? Ist Selbstschneiden dann nicht besser? Oder Rollenware kaufen, falls es sowas gibt? Machen lassen ist bestimmt teuer. Was kostet sowas?