Rezension: Die Kunst, ein kreatives Leben zu führen

Buch-Rezension:  Die Kunst, ein kreatives Leben zu führen

Buch-Rezension:  Frank Berzbach. Die Kunst, ein kreatives Leben zu führen. Foto: bonnescape.de

Titel: DIE KUNST EIN KREATIVES LEBEN ZU FÜHREN

Autor: Frank Berzbach

Softcover, 192 Seiten

Verlag Hermann Schmidt, Mainz 2013 (3. Auflage)

ISBN 978-3-87439-829-9

Erhältlich im regionalen Buchhandel und bei Amazon

Preis: 29,80 €

Der erste Eindruck

Vor mir liegt ein wunderschön gestaltetes Buch, gedruckt auf Naturpapieren in gedeckten warmen Farbtönen, haptisch ansprechend und dezent mit kupferfarbener Heissprägefolie veredelt. Im Innern sorgen die ansprechende Typografie und eine unaufgeregte, kontrastreduzierte Farbigkeit in Dunkelgrau und Apricot dafür, dass das Buch angenehm zu lesen ist. Während es inhaltlich darum geht, Achtsamkeit zu erreichen, entspricht das Erscheinungsbild des Buches diesem Leitmotiv in überaus gelungener Weise.

An wen richtet sich das Buch?

Anfangs wird die Zielgruppe nicht so richtig klar. Ist hier der Art Director, Fotograf oder Designer angesprochen oder grundsätzlich jeder Mensch, der ein kreatives Leben anstrebt? Der Autor Dr. Frank Berzbach ist als Dozent für Psychologie, Philosophie und Kulturpädagogik tätig und praktiziert Zen. In seinem Buch schildert er ein realistisches Szenario von Menschen, die in der Werbebranche kreativen Berufen nachgehen und sich im Spannungsfeld zwischen Selbstzweifeln, Zeitdruck, Geldsorgen und Burn-Out tagtäglich gegen Kreativität tötende Umstände behaupten müssen. Der Leser gewinnt den Eindruck, dass es hier weniger um ein kreatives Leben an sich geht als um die Kunst, ein Leben als Berufskreativer zu führen. 

Nach und nach wird jedoch deutlich, dass das Buch Anregungen für alle Menschen mit kreativem Geist enthält, die einen ganz persönlichen Weg suchen, um kreative Betätigungen in ihren Alltag zu integrieren und sich dadurch in gewissem Maße zu verwirklichen. „Wir arbeiten gerne und mit weniger Erschöpfung, wenn wir sinnvoll finden, was wir tun.“

Recht hat er

Mit realistischem und gesellschaftskritischem Blick bringt der Autor seine Situationsschilderungen schlüssig auf den Punkt. Ich ertappe mich oftmals dabei, dass ich beim Lesen zustimmend mit dem Kopf nicke und „recht hat er“ und „das stimmt“ murmele. Dabei schlägt Berzbach einen beachtlichen argumentativen Bogen von Wissenschaft über Weltverbesserung und den ökologischen Fussabdruck bis hin zu Philosophie, Zen-Buddhismus und Tierschutz. Mitunter bekommen seine Ausführungen dabei eine recht esoterische Anmutung, verlieren aber nie den Boden unter den Füssen. So etwa in der Mitte des Buchs bin ich neben all den Wahrheiten gespannt auf den Lösungsweg und blättere ungeduldig weiter bis zum letzten, immerhin sechzehnseitigen Kapitel, das den Titel „Eine Schale Tee“ trägt. Oh nein, bitte lass es jetzt als Resümee dieses Buches nicht nur die Tasse Tee sein, die als Allheilmittel den Weg zu einem erfüllten kreativen Leben weist! Das wäre mir dann doch zu wenig Erkenntnis … Aber der Reihe nach:

Unter welchen Bedingungen ist Kreativität möglich?

„Die Kunst ein kreatives Leben zu führen“ ist kein Tutorial, das dem Leser lautstark und werbekräftig mit der Befolgung einer handfesten Bedienungsanleitung das Erreichen persönlicher Ziele verspricht. Der Autor liefert kluge Denkanstösse, die durch Bewusstwerdung und Erkenntnis die Bereitschaft zur Änderung von schädlichen Verhaltensmustern schaffen können. Das ist nicht weniger anspruchsvoll, mitunter spirituell, aber in jedem Falle seriöser. "Nur du allein hast die Macht, den Ort, an dem du lebst, zu einem wunderschönen Ort zu machen."

Zahlreiche Szenarien und Anregungen hält der Autor bereit, um auch im hektischen Alltag zu mehr Ausgeglichenheit und zu mehr Kreativität zu finden. Unter welchen Bedingungen wird Kreativität erst möglich? Welche Umstände müssen gegeben sein, damit man seinen Gedanken und Gefühlen freien Lauf lassen kann, so dass kreative Ideen entstehen können? Innere Ruhe, Konzentrationsfähigkeit, ein gewisses Maß an Entscheidungsfreiräumen, auch das Alleinsein? “Kreativität ist, egal wie sehr wir den Teamgeist feiern, ein ganz einsames Phänomen.“

(Anm.: Dem kann ich selbst nicht ganz zustimmen, habe ich selbst doch oft die Erfahrung gemacht, dass unter bestimmten Bedingungen durch Teamwork, etwa bei gemeinsamen Brainstormings, oftmals sehr gut kreative Prozesse in Gang gesetzt werden können.)

Verlernt, mit sich allein zu sein

Viele Menschen sehnen sich heutzutage nach Ruhe. Dies widerspricht allerdings den Lebensumständen der modernen Gesellschaft. Zudem haben viele aber auch verlernt, mit sich allein zu sein. Alleinsein wird zum Problem. „Stille auszuhalten, fördert die Konzentrationsfähigkeit“ schreibt Frank Berzbach. Jedoch ist es gerade der eigene Kopf, der derartige Bemühungen mit einem wilden Gedankenkarussell durchkreuzt. „Unser Kopf ist in der Lage, die schönste Situation zu verderben.“ Tatsächlich kennt unser Gehirn keine Ruhe. Selbst wenn alles gut ist, wälzt es noch negative Gedanken. Dazu kommen mitunter Stimmungsschwankungen, die gerade bei Kreativen häufig zu finden sind und mit Überarbeitung, Frustration, Selbstabwertung und der Angst, nicht gut genug zu sein, zu tun haben. „Gehirne von Kreativen haben eine erhöhte Anfälligkeit für Verzweiflung, da sie pausenlos Probleme mit höchster Komplexität lösen.“ Der Autor rät zur Meditation, um Abstand von den eigenen Gedanken zu erlangen. Man solle in sich hineinhören und den eigenen Körper respektieren, ohne sich dabei mit ständigem Hinterfragen und dem Sinnieren über die eigenen Fehler und Beschränkungen zu quälen.

Und Berzbach gibt einen ganzen Strauß von praktischen Ratschlägen: Nicht nur über die Welt klagen, sondern etwas für die Welt tun und sie ein bisschen besser zurücklassen, als man sie vorgefunden hat. Ärger, Frustration und Wut durch falsche Ernährung vermeiden, vor allem durch das Verspeisen von Tieren, die vor ihrem Tode gelitten haben. Die Arbeitswelt durch persönliche Strategien ertragen lernen und kontinuierlich verbessern. Auch durch Änderung der persönlichen Sichtweise: „Zur Qual werden Tätigkeiten, wenn wir sie als Hindernis sehen“. Das Vermeiden einer Trennung von Hand und Kopf, in dem Sinne, dass man nicht nur denken, sondern auch handwerklich tätig werden soll. … denn “nicht der Output, sondern die Tätigkeit des Gestaltens selbst ist der Motor.” Regelmäßiges Üben der Fähigkeiten und lebenslang den „Weg zur Meisterschaft“ gehen. Denn … „Eine Idee, die aus mangelnden Fähigkeiten nicht umgesetzt werden kann, ist wertlos.“

Buch-Rezension:  Frank Berzbach. Die Kunst, ein kreatives Leben zu führen. Foto: bonnescape.de

Last but not least ... die Schale Tee.

Stress kommt nicht nur von außen. Wir sind so durch die gesellschaftlichen Zwänge der modernen Leistungsgesellschaft geprägt, dass wir nur mit Mühe gegen „die Maßlosigkeit des inneren Arbeitsdranges“ ankommen. Und tatsächlich ist es am Ende auch die Schale Tee, die eine kurze Auszeit ermöglicht und zum „Urlaub für die Seele“ wird. Zumindest dann, wenn man den Rat des Sen No Rikyu befolgt: „… Wasser kochen, Tee bereiten und ihn trinken. Nichts sonst“. Soll heißen: „Das Teetrinken sollte alle Arbeiten, ob Lesen, E-Mails schreiben, Bilder bearbeiten oder Layouts entwerfen, unterbrechen!“ Dann ist es „kein Zufall, dass eine so gewöhnliche Sache wie eine Teepause dazu fähig ist, dem ganzen Arbeitstag eine andere Färbung zu geben“. … denn „in den kleinsten Begebenheiten des Alltags (liegt) das Große“ …

Fazit:

Frank Berzbachs Buch ist eine Empfehlung für Jeden, der Kreativität in seinem Leben mehr Raum geben und damit Selbstverwirklichung und Zufriedenheit erlangen möchte. Eine gewisse Bereitschaft, dem Autor kultur- und religionsübergreifend in unterschiedliche wissenschaftliche und esoterische Disziplinen zu folgen, sollte der Leser allerdings mitbringen. Gute Ratschläge mit gesundem Menschenverstand für (im weitesten Sinne) Kreative mit vielen Zitaten und Ausflügen in fernöstliche Philosophien machen das Buch abwechslungsreich und schaffen ein Szenario, das die Ausführungen des Autors als geradezu naturgegebene Essenz eines tiefen, kulturübergreifenden Wissens um die rechte Lebensweise präsentiert. Es lohnt sich, sich zum Lesen Zeit zu nehmen. Alles andere wäre auch nicht im Sinne des Buches.

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Copyright 2018 by Klaus Schörner / www.bonnescape.de


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Kommentare: 1
  • #1

    Andreas Fein (Freitag, 16 März 2018 08:44)

    klingt sehr interessant ... muss ich glaube ich mal lesen. Der Review macht neugierig!