Nachruf Rolf Lohmann

Nachruf zum Todestag von Rolf Lohmann

Rolf Lohmann im Dezember 2012, Foto Dalyani Schoerner

Am 04.02.2014, heute vor drei Jahren, kam der Reisefotograf Rolf Lohmann bei einer Fototour in einer Eishöhle des isländischen Gletschers Vatnajökull ums Leben.

 

Es muss Anfang der 90er Jahre gewesen sein, als Rolf Lohmann und ich uns während eines Rückflugs von Indonesien nach Frankfurt das erste Mal begegneten. Wir beide allein reisend und gleichermaßen schwer bepackt mit Kameras - da kam man während der stundenlangen Zwischen-Stops in Singapore und Abu Dhabi ins Gespräch.

Rolf befand sich damals in einer Kooperation mit ROLLEI und lieferte für das Projekt Rolleivision fertig ausgearbeitete 6x6-Diavorträge mit seinen Reisefotos aus Asien.

Ich habe dann später auch einige seiner Vorträge besucht und war besonders beeindruckt von seinen Bali-Portraits. Rolf pflegte mit relativ kurzer Brennweite nah an seine Modelle heranzugehen und diese formatfüllend auf Diafilm abzubilden. Das große Aufnahmeformat und die hervorragenden Rolleiflex-Objektive taten das Übrige. Das Ergebnis waren technisch ausgefeilte, knackscharfe, dreidimensional wirkende Portraits von fast atemberaubender Intensität, denen man sich nur schwer entziehen konnte. Zumal, wenn sie in seinen Shows metergroß projiziert wurden.

In den Folgejahren begegneten Rolf Lohmann und ich uns immer wieder. Es verband uns vieles: Die Liebe zur Fotografie, die Freude am Reisen, das Interesse an Indonesien und seiner Kultur, schliesslich unsere miteinander befreundeten Ehefrauen. Rolf wurde einer meiner engsten Freunde.

Nordlicht auf Island. Foto Rolf Lohmann

Oben: Polarlicht (Aurora borealis) auf Island. Foto Rolf Lohmann (Copyright 2013)

Rolf Lohmann war ausgebildeter Vermessungstechniker und Luftbild-Fotograf bei RHEINBRAUN. Nach dem Fall der Mauer war er oft in den neuen Bundesländern unterwegs, um diese vom Flugzeug aus fotometrisch zu erfassen. Irgendwann waren diese Arbeiten abgeschlossen und der Personalabbau bei RHEINBRAUN erreichte auch die Flugstaffel, der Rolf angehörte. Zu dieser Zeit wurde jedem Mitarbeiter, der das Unternehmen freiwillig verliess, eine Prämie geboten. Rolf liess Deutschland hinter sich und siedelte nach Indonesien um. Für diese Entschlusskraft habe ich ihn immer bewundert. Rolf besaß seit 1991 an der Nordküste von Bali ein kleines Stück Land mit ein paar Hütten darauf, um Rucksack-Touristen für kleines Geld Unterkunft zu bieten. Während seiner Abwesenheit kümmerte sich ein einheimischer Freund um die Anlage. Die von seinem Arbeitgeber erhaltene Abfindung investierte Rolf nun in den Ausbau des Anwesens zu einem kleinen, aber feinen Bungalow-Hotel mit einem gepflegten tropischen Garten mit traditionellem Badehaus und modern ausgestatteten Pools. Für die einzelnen Gebäude in traditioneller indonesischer Bauweise suchte Rolf im ganzen Land antike Bausubstanz zusammen, liess sie zu seiner Anlage nach Bali transportieren und dort fachmännisch restaurieren. 

Eisbrocken im Sonnenuntergang. Foto Rolf Lohmann

Oben: Eisbrocken im Licht der untergehenden Sonne am Strand von Island. Foto Rolf Lohmann (Copyright 2013)

Manchmal hörte man Monate lang nichts von Rolf, und dann kam plötzlich eine sms oder er stand überraschend vor unserer Haustür. So auch im Dezember 2013. Das Leben auf Bali war für Rolf inzwischen zum Alltag geworden, die Arbeit für das Hotel sein Vollzeitjob, der ihm kaum Zeit zum Fotografieren liess. Besuche in Deutschland waren für ihn Urlaub, den er unter anderem nutzte, um seiner Leidenschaft zum Reisen und Fotografieren nachzugehen. Und so flog er von Deutschland aus über den Jahreswechsel 2013/2014 mit seiner Lebensgefährtin für ein paar Tage nach Marokko und Ende Januar allein zu einem dreiwöchigen Foto-Trip nach Island. Die Landschaften und die Tierwelt der Insel hatten ihn schon seit Jahren immer wieder dorthin gezogen. Am 1. Februar schrieb er mir aus der Gegend von Reykjavik per WhatsApp begeistert von seinen Erfahrungen mit seiner neuen Kamera/Objektiv-Kombination, einem 17 mm CANON TS-E, das er an seine SONY Alpha 7R adaptiert hatte. Beides wollte er drei Tage später für Weitwinkel-Aufnahmen in den Eishöhlen des Vatnajökull Gletschers einsetzen. Von dieser Fototour kehrte Rolf nicht mehr zurück. 

 

Berichten zufolge hatte Rolf in der Eishöhle einige Zeit bäuchlings auf dem Boden liegend fotografiert, war dann aufgestanden und hatte Sekunden später einen plötzlichen Herztod erlitten, der ihn in das fliessende Eiswasser stürzen liess. Seinem einheimischen Führer war es noch gelungen, ihn aus dem Wasser zu ziehen. Rolfs Kamera mit seinen letzten Fotos wurde wahrscheinlich fortgeschwemmt. Es müssen wunderschöne Fotos gewesen sein. Laut Aussage der obduzierenden Ärztin hatte Rolf im Tode noch ein Lächeln auf den Lippen. Rolf Lohmann wurde fünfzig Jahre alt.

Die Stelle, an der Rolf Lohmann ums Leben kam. Eishöhle im Vatnajökull Gletscher, Island 2014.

Oben: Die Stelle in der Eishöhle des Vatnajökull-Gletschers, an der Rolf Lohmann ums Leben kam. Das Foto stammt nicht

von Rolf, sondern wurde auf Wunsch seiner Familie nachträglich von seinem einheimischen Führer aufgenommen.

Das Pondok Sari Beach & Spa Resort in Pemuteran an der Nordküste der Insel Bali zeigt bis heute Rolf Lohmanns Handschrift, sein ausgeprägtes Gefühl für Ästhetik und Kunst, seine Detailverliebtheit und seinen Hang zu handwerklicher Perfektion. Die Hotelanlage wird von seinen Geschwistern und seinem indonesischen Geschäftspartner in Rolfs Sinne weitergeführt.

Copyright 2017 by Klaus Schörner / www.bonnescape.de

Portrait: Foto Dalyani Schörner

Nordlicht und Eisbrocken: Foto Rolf Lohmann

Eishöhle: Name des Fotografen unbekannt


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Kommentare: 3
  • #1

    Eddy (Mittwoch, 28 März 2018 09:30)

    Sehr beeindruckend!

  • #2

    Uli T. (Dienstag, 17 Juli 2018 18:22)

    Ein sehr schöner Bericht.
    Danke
    Beste Grüße
    Uli T.

  • #3

    Klaus (admin) (Dienstag, 17 Juli 2018 20:38)

    :-) Danke
    War mir eine Herzensangelegenheit.