Hoodloupe

Professionelle Einstellhilfe - die Hoodloupe

Testbericht: Fokussieren mit der Hoodloupe, Copyright 2016 by Klaus Schoerner

Manuelles Scharfstellen wird durch die Sucher moderner DSLR nicht mehr so erleichtert, wie man das von analogen Systemen kannte. Das gilt umso mehr, wenn es sich um kleine Kameras handelt. Da freut sich der Fotograf über einen leistungsfähigen Life View, der das Fokussieren am Kameramonitor unterstützt. Jedoch kann die Bildbeurteilung zum Ratespiel werden, wenn man mit der Kamera in die Sonne geht ...

Reflexmindernde Folien können störende Spiegelungen auf dem Monitorglas reduzieren, nehmen dem Monitorbild aber auch etwas von seiner Schärfe und Brillanz. Direkt auftreffendes Sonnenlicht dagegen überstrahlt häufig die Eigenleuchtkraft des Monitors, so dass dann oft nichts mehr zu erkennen ist. Abhilfe verspricht der Zubehörmarkt, der eine Vielzahl von Lösungen in sehr unterschiedlichem Preis- und Qualitätsniveau bereit hält. Da gibt es klappbare Schachtsucher zum Aufkleben auf den Monitor, Balgen- und Lupenaufsätze ebenso wie elektronische Systeme, die das Monitorbild über eine Kameraschnittstelle an ein Smartphone oder an einen Rechner übermitteln und mit Hilfe von Apps auch die Steuerung der Kamera ermöglichen. In den letzten Jahren sind auch einige opto-elektronische Aufsätze auf den Markt gekommen, die das Monitorbild am Monitor selbst aufnehmen und an einen größeren, abgeschirmten Monitor übertragen.

Brillanter, vergrössernder Blick auf den Kameramonitor

Eine pragmatische, analoge Lösung ist die schon seit einigen Jahren bekannte sogenannte Hoodloupe des US-amerikanischen Herstellers Hoodman. Der Lupenaufsatz überzeugt durch ein leichtes, aber stabiles Kunststoffgehäuse mit Antirutsch-Beschichtung und einer 3fach vergrössernden Glasoptik, die fernglasähnlich durch ein Schraubgewinde über einen Bereich von drei Dioptrien an das Auge des Fotografen angepasst werden kann. Die hervorragende Abbildungsqualität macht richtig Spaß. Die Lupe eignet sich für Digitalkameras mit einer Monitorgröße bis 3,2“, ich habe sie aber auch schon für die Mattscheibenfokussierung an der Großbildkamera eingesetzt. Kleiner Nachteil ist, dass die Dioptrieneinstellung wieder ganz zurück ins Gehäuse geschraubt werden muss, damit die Hoodloupe in die zugehörige Tasche passt.

 

Wird die Kamera nicht vom Stativ, sondern aus der Hand bedient, ist das zusätzliche In-Position-Halten des Aufsatzes umständlich. Ein wenig seltsam wirkt eine optionale Gummibandlösung des Herstellers zur Befestigung am Kameragehäuse. Neuerdings ist zur Hoodloupe auch eine Art Flexschnur erhältlich, die sich aus einem kleinen, z.B. am Hosengürtel befestigten Gehäuse herausziehen lässt und mittels interner Feder automatisch wieder einrollt. Kleine, mit Ösen versehene Gerätschaften wie die Hoodloupe können am Schnurende angebracht werden und werden dann automatisch zur Hüfte zurückgezogen, wenn man sie nicht mehr braucht. Das umständliche Verstauen in der Tasche entfällt. Die Idee ist nett, das kleine stabile Teil namens Link HLK1 funktionierte bei einem ersten Einsatz sehr gut, für Langzeiterfahrungen ist es aber noch zu früh.

Sinnvolles Zubehör: Hoodman Link HLK1 zum Anhängen der Hoodloupe an den Gürtel

Oben: Hoodman Link HLK1 mit Flexschnur zieht die Hoodloupe zum Karabiner zurück, wenn sie nicht gebraucht wird.

Update 03.02.17: Ich hatte den Link HLK1 mittlerweile ein paarmal im Einsatz und finde ihn sehr praktisch. Das Teil ist wirklich eine Erleichterung. Man hat die Hände frei und die Lupe baumelt jederzeit griffbereit an der Hüfte. Bisher zeigen Federspannung und Schnur keinerlei Verschleisserscheinungen. Der Vertriebsweg von Hoodman in Deutschland ist mir nicht so ganz klar. Vorgestellt auf der Photokina im September 2016 habe ich den Link HLK1 im regionalen Fachhandel bislang nicht bekommen können. Im Internet war es dagegen kein Problem, Anbieter zu finden. Mein Link kostete 38,50 € inkl. Versand, wurde innerhalb von drei Tagen per Brief geliefert und kam von einem Händler in England. 

Neu: Die universelle Haltekonstruktion zur Hoodloupe

Zur Photokina 2016 hat Hoodman sein Sortiment nun um eine 130 g leichte Aluminium-Konstruktion erweitert, die die Hoodloupe über eine Bodenplatte und einen verstellbaren Haltearm mit dem Kamera-Stativgewinde verbindet und dabei professionellen Ansprüchen genügt. Damit gelangt nun auch das 1/4“ Stativgewinde auf der Unterseite des Lupengehäuses zu Ehren, das in der Vergangenheit lediglich gut gemeint wirkte, aber kaum praktischen Nutzen hatte. Die sogenannte HCP-Halterung ist in zwei Größen für DSLR und Kompaktkameras erhältlich und über Inbus- und Rändelschrauben entlang aller drei Achsen universell einstellbar, so dass die Hoodloupe an theoretisch jeder Kamera stabil montiert und präzise ausgerichtet werden kann. Für den Fall, dass das System auf unterschiedlichen Kameras verwendet und neu angepasst werden muss, ist der zugehörige Inbusschlüssel in einer speziellen Aufnahme am Adapterrahmen immer mit dabei. Die Lupe mit Haltearm kann, auch wenn die Kamera auf dem Stativ befestigt ist, durch Lösen der Messing-Rändelschraube in Sekundenschnelle abgenommen werden, während die Bodenplatte an der Kamera verbleibt.

Erfahrungen mit der Hoodloupe an der Nikon D4, Seitenansicht. Copyright 2016 by Klaus Schoerner

Oben: Die Hoodloupe mit HCP an der Nikon D4. 

Wie man sieht, hält die griffige Antirutsch-Beschichtung gern Staubkörner auf dem Gehäuse fest.

Praxistest: Halteausleger der Hoodloupe. Copyright 2016 by Klaus Schoerner

Oben: Vorn fixieren zwei verstellbare Ausleger die Kamera verdrehsicher an der Grundplatte.

Grundplatte der Hoodloupe. Copyright 2016 by Klaus Schoerner

Oben: Da das Stativgewinde der Kamera durch die Halterung belegt wird, verfügt die Grundplatte über eigene Gewinde zur Stativmontage.

Erfahrungsbericht: Manuelles Scharfstellen mit der Hoodloupe. Copyright 2016 by Klaus Schoerner

Oben: Mit der Abschirmung des Fremdlichts und der 3fach vergrössernden Sicht auf den LifeView wird die präzise Scharfstellung von Manualfokus-Objektiven zum Kinderspiel. Das Objektiv/Kamera/Sucher-Konstrukt wirkt unhandlich, ist jedoch erstaunlich ausgewogen und leicht zu handhaben. Dennoch verwende ich diese Kombination vor allem bei Landschafts- und Architektur-Aufnahmen vom Stativ.

Copyright 2017 by Klaus Schörner / www.bonnescape.de


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