Neue Farbfilme aus China – REFLX LAB

Neue Farbfilme aus China: Kinofilm für Kleinbildkameras

Morgennebel auf der Pferdekoppel. Im Test: Neues Kinofilmmaterial aus China für Kleinbild-Fotokameras. Foto: Klaus Schörner

Oben: Frühmorgens auf der Koppel. Ein grauer, bewölkter Tag. Der Reflx Lab 400D zaubert aber einen rötlichen Glow auf die Baumwipfel, als wenn ein warmer Sonnenaufgang bevorstünde, Nikon FM2, Ai 1.8/50 mm

Kaum habe ich meinen Blogbeitrag zum CINESTILL 800T beendet, erhalte ich einige Muster von zwei neuen Filmen aus Vision3-Kinofilmmaterial. Ein chinesisches Unternehmen hat ebenfalls einen Weg gefunden, die Remjet-Schicht zu entfernen und wird ab dem kommenden Frühjahr konfektionierte Filme für Fotokameras anbieten. Die mir vorliegenden Muster in recycelten Kodak-Patronen sind Prototypen und so neu, dass sie noch kein Branding haben. Dem Vernehmen nach werden die Filme bei ihrer Markteinführung den Namen REFLX LAB tragen. Der weltweite Vertrieb soll über den neu eingerichteten Webshop reflxlab.com erfolgen.*

* Bezugsquelle am 25.3.22 aktualisiert. 

Kinofilm-Zelluloid zum Fotografieren

Für die Verarbeitung der neuen Filme gilt sinngemäß das Gleiche wie das, was ich kürzlich zum CineStill 800T geschrieben habe: Da die Remjet-Beschichtung im Rahmen der Umkonfektionierung bereits entfernt wurde, können die Filme mit handels- und laborüblichen C41-Prozessen entwickelt werden. Die mir vorliegenden Prototypen sind ein Tageslichtfilm für ISO 400 ("400D", entsprechend Kodak 5207) und ein etwas höher empfindlicher Kunstlichtfilm mit ISO 640 ("640T", entsprechend Kodak 5219). Trotz der abweichenden Angaben zur Filmempfindlichkeit sind auch hier die gleichen Farbnegativmaterialien aus dem Hause Kodak verarbeitet wie bei den anderen Angeboten von konfektioniertem Kinofilm. Für das Basismaterial gibt es auf dem Weltmarkt ja auch kaum Alternativen. Die diversen Hersteller geben lediglich unterschiedliche Empfehlungen ab, wie die Filme mit ihrem variablen Spielraum am besten belichtet werden sollten. 

Bildbeispiele mit den neuen Filmen

Morgennebel auf der Pferdekoppel. Erfahrungsbericht: Der neue Film REFLX LAB 400D für Kleinbild-Fotokameras. Foto: Klaus Schörner

Oben: "Morgennebel". Aufnahme mit einem Vorserienmuster des für Tageslicht kalibrierten Farbnegativfilms Reflx Lab 400D. Nikon FM2, 1.8/50 mm Nikkor. Der Film gefällt durch einen hohen Belichtungsspielraum und eine besonders gute Differenzierung von Pastelltönen. Das Filmkorn entspricht den Erwartungen an einen ISO 400 Film. 

Rechts: Straßenlaterne in der Abenddämmerung. Prototyp des Kunstlichtfilms Reflx Lab 640T, ohne Vorsatzfilter. Nikon F4, 1.8/50 mm AF-Nikkor. Um die Lichtquelle herum deutet sich bereits der charakteristische Lichthof der Filme ohne Remjet-Schicht an. Da auf die Lichtquelle belichtet wurde und diese noch Zeichnung hat, hält sich der Effekt aber in Grenzen. Der Himmel mit seinem dezenten Korn und dem feinen, stufenlosen Tonwertverlauf demonstriert die einwandfreie Verarbeitung des Films. Etwaige, durch die Remjet-Entfernung bedingte Beschädigungen der Emulsion würden bei dieser Bildstrecke gnadenlos sichtbar.

Unten links/rechts: Street Photography © Sebastian Kortmann mit dem Filmprototyp Reflx Lab 640T. Starke Kontraste und intensive Lichtquellen an der Grenze zur Überstrahlung provozieren die charakteristischen Lichthöfe, wie wir sie zum Beispiel auch vom CineStill 800T kennen.

Straßenlaterne in der Abenddämmerung, der neue REFLX LAB 640T im Kleinbildformat. Foto: Klaus Schörner

Street Photography © Sebastian Kortmann mit dem Filmprototyp Reflx Lab 640T.
Street Photography © Sebastian Kortmann mit dem Filmprototyp Reflx Lab 640T.

Rechts: Gegenlichtaufnahme mit einem Muster des Reflx Lab 640T, ohne Filter. Nikon F4, 1.8/50 mm AF-Nikkor. An den Hochkontrastkanten zeigen sich die typischen roten Farbsäume, die in der Kamera durch Reflexion von der Filmandruckplatte erzeugt werden.

Unten: Blendenstern mit rotem Lichthof. Foto © Nina Schörner mit einem Prototyp des neuen 400D.

Test: Gegenlichtaufnahme mit dem Reflx Lab 640T. Foto: bonnescape

Test: Gegenlichtaufnahme mit dem Reflx Lab 400D. Foto: Nina Schoerner
Stillife im Antik-Shop. Der neue Film Reflx Lab 400D im Praxistest. Foto: Klaus Schörner

Oben: "Lem Sijan, Wayang-Spielfigur im Antik-Shop". Dort, wo extreme Lichter und Überstrahlungseffekte fehlen, offenbart der Film seine Qualitäten in der Wiedergabe feiner Pastelltöne. Reflx Lab 400D TageslichtfilmPentax ES, 1.8/55 mm SMC Takumar.

Konfektionierter Film aus Kodak 5219 im Test. Negativstreifen ohne Randnummerierung. Foto: bonnescape

Oben: Die Randbelichtung "Eastman 5219 ..." lässt keinen Zweifel an der Provenienz des Filmmaterials. Eine Bildnummerierung wie bei herkömmlichen Kleinbildfilmen gibt es bei dieser umkonfektionierten Ware nicht. Das kann allenfalls eventuelle Fachlabor-Nachbestellungen vom Negativ umständlicher machen.

Fazit

Neue Filme auf dem Markt – den Liebhaber analoger Fotografie wird es freuen. Angesichts der hohen Nachfrage und der zugleich kontinuierlich steigenden Preise für Filme kann Wettbewerb nur gut sein. Das darf natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch hinter den neuen Produkten aus China Basismaterial vom Weltmarktführer Kodak steht und dessen bereits angekündigte Preiserhöhungen für 2022 sich auch hier abbilden werden.

Die charakteristischen roten Lichthöfe oder dezenten Farbsäume, die Empfindlichkeit für Lichteinfall, die große Belichtungsbandbreite, das Filmkorn und die nuancenreiche Wiedergabe von Pastelltönen, – da die Provenienz dem Vernehmen nach die gleiche ist wie bei den anderen Filmen ohne Remjet-Beschichtung, sieht man erwartungsgemäß auch keine Unterschiede bei den Abbildungseigenschaften. Selbstverständlich lassen sich auch die neuen Filme in nahezu jedem Labor im gängigen C41-Verfahren entwickeln. Qualitativ sind die vorliegenden Muster tadellos. Nichts deutet auf verarbeitungstechnische Mängel während der Konfektionierung oder der Remjet-Entfernung hin. Daher darf man sich auf die Markteinführung freuen und gespannt sein, wann und zu welchen Preisen die erste Serienware erhältlich sein wird. Der wirtschaftliche Erfolg der neuen Filme wird sicherlich davon abhängen, ob es neben einer kontinuierlichen Verfügbarkeit gelingt, die mittlerweile etablierten Anbieter von konfektioniertem Kinofilmmaterial preislich signifikant zu unterbieten und sich auf diese Weise Marktanteile zu erobern.

 

Copyright 2022 by Klaus Schörner / www.bonnescape.de

Dank an Sebastian Kortmann (© U-Bahn Nightshots) und Nina Schörner (© Foto Blendenstern) für die Test-Beteiligung.

Hinweis: Mein Bericht bezieht sich auf Vorserienmuster von neuen Filmtypen, die ich vor der Markteinführung zum Testen geschickt bekommen habe. Ich habe darüber hinaus keine Verbindung zu dem Hersteller und erhalte auch kein Honorar für diesen Bericht. Dieser gibt unbeeinflusst meinen Eindruck und meine Erfahrungen mit den beschriebenen Filmen wieder. 


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Kommentare: 9
  • #1

    (Taran-)Timo (Donnerstag, 03 Februar 2022 09:32)

    Cool. Das ist ja dann eine Alternative zu Cinestill. Ab wann gibts die Filme denn zu kaufen? Aktuell sieht man noch nichts auf der Cameractive-Seite. Gibt es auch Mittelformatfilme?

  • #2

    Klaus (admin) (Donnerstag, 03 Februar 2022 18:58)

    @...Timo: Angeblich sollen die Filme ab dem Frühjahr verfügbar sein. Bis Ende Februar hat da drüben eh fast alles geschlossen wegen Chinese New Year. Ich habe gehört, dass es nur KB-Filme geben wird. Könnte mir vorstellen, dass der Bearbeitungsprozess für Rollfilme ein völlig anderer ist, so dass man erst mal mit dem Format startet, das am ehesten erfolgversprechend ist.
    VG, Klaus

  • #3

    Sonja (Donnerstag, 03 Februar 2022 19:40)

    Ich halte das für einen Irrtum. So ein Spezialfilm ist eher was für Profis und da fehlen dann die großen Formate. Ansonsten bin ich gespannt auf den Preis. Der muss schon echt niedrig sein, damit sich eine Bestellung in China lohnt. Die Bilder machen aber Lust auf mehr.

  • #4

    Klaus (admin) (Freitag, 04 Februar 2022 08:49)

    @ Sonja: Da bin ich nicht sicher. Solche Filme sind aktuell bei Street-Fotografen beliebt, und diese Leute sind eher mit kleinem Point&Shoot Gepäck unterwegs.
    VG, Klaus

  • #5

    VarexP (Freitag, 04 Februar 2022 19:21)

    Das sind erfreuliche News, falls es unterm Strich billiger wird. Die Cinestill-Filme gehen bei mir allmählich ganz gut ins Geld und sind auch nicht immer zu bekommen. Wenn man die Neuen nur in China bestellen kann, ist aber Rechnen angesagt: Kaufpreis, Versand, Zoll, Einfuhrumsatzsteuer. Lohnen sich Kleinstmengen im wattierten Umschlag oder wird es im Dutzend billiger. Was ist mit der Haltbarkeit? Lassen sich die Filme einfrieren? Ich bin gespannt.
    Paul

  • #6

    Klaus (admin) (Freitag, 04 Februar 2022 20:09)

    @ Paul: Absolut richtig, das sind die wesentlichen Faktoren. Die Zollgebühren von ca. 4-5% und die E-Ust von 19% sind natürlich bekannt. Bei Kleinmengen ist evtl. ein pauschaler Handling-Zuschlag durch den Zoll denkbar, der Minimengen unattraktiv macht. Zu Versandkosten und dem Abgabepreis habe ich derzeit auch noch keine Informationen und die Prototypen erhielt ich in einer neutralen Umverpackung, der man keine Haltbarkeitsdaten entnehmen konnte. Das bleibt also alles noch abzuwarten.

  • #7

    Mario (Dienstag, 08 März 2022 09:27)

    Ich lese bei Insta dass diese Reflex Lab Filme ab Ende des Monats erhältlich sind. Mal abwarten was die kosten.

  • #8

    Mario (Donnerstag, 12 Mai 2022 10:16)

    Ich verfolge das schon eine Weile und erneut lese ich bei Instagram, dass die Filme Ende des Monats erhältlich sein werden. Aber inzwischen sind wir 2 Monate weiter !?!
    Immerhin sind die beiden Filme jetzt im Shop gelistet.
    Aber für einen earlybird Preis von 11 $ und später dann 12-13 $ !!!!! Plus Versand, Zoll, EUst usw. Und dann steht da noch was über Lichteinfall und fehlerhafte Patronen und dass sie dafür noch 2 Bilder mehr reinpacken, wenn ich das richtig verstehe.
    Kann man das noch ernst nehmen?

  • #9

    Klaus (admin) (Freitag, 13 Mai 2022 23:37)

    @Mario: Die Hintergründe kenne ich auch nicht im Detail. Offenbar hat man sich von dem ursprünglichen Plan, eine besser verfügbare und preiswertere Produktalternative zu schaffen, verabschiedet. Stattdessen war es wohl das Ziel, mit Liebe zum Detail ein Premiumprodukt auf den Markt zu bringen. Man denke an diese wirklich schöne Aluminium-Schraubdose. So etwas kostet natürlich Vorbereitungszeit und Geld. Ob diese Strategie geeignet ist, den etablierten Anbietern Anteile dieses Nischenmarktes abzujagen, bleibt abzuwarten. Immerhin haben ja auch die hiesigen Preise für CineStill & Co. mittlerweile weiter angezogen.