Leica M9 Shift mit PC Super Angulon R 2,8/28mm

Test: Panorama-Shift mit LEICA M Kameras

Das PC Super Angulon 2,8/28 mm mit Novoflex-Adapter im Test an der Leica M9

Aus analogen Zeiten mit den LEICA R Spiegelreflexkameras ist so manche Objektiv-Spezialität erhalten geblieben, die gelegentlich zu moderaten Preisen in den Gebrauchtmarkt gelangt. Dazu gehört auch das Shift-Objektiv PC-Super-Angulon-R 2,8/28 mm, das seinerzeit von SCHNEIDER Kreuznach für LEICA hergestellt wurde und auch an der Digitalkamera gute Dienste leistet, wie der folgende Bericht zeigt:

Das Objektiv macht einen massiven, sehr hochwertigen Eindruck, die Mechanik ist exzellent, der Feintrieb erlaubt eine präzise Einstellung aller Achs-Verschiebungen bis maximal 11 mm. Aufgrund der drehbaren Lagerung des Objektivkopfes mit Rastung in 45°-Schritten ist nicht nur horizontales und vertikales Shiften, sondern auch ein Verschieben in diagonaler Richtung möglich. Eine Tilt-Funktion wie die aktuellen Pendants von NIKON und CANON bietet das Super-Angulon nicht, bleibt dadurch aber auch vergleichsweise kompakt. Optisch ist das Super-Angulon ein Leckerbissen mit kleinen Schwächen, die man kennen muss, um sie zu vermeiden. So zeichnet das Objektiv bei offener Blende deutlich zu weich. Abgeblendet auf 8 oder 11 zeigt das Super Angulon jedoch selbst bei maximalem Shift eine sehr gute Schärfeleistung über das gesamte Bildfeld, keine nennenswerte Vignettierung und nur geringes Purple Fringing. Bei höheren Blendenwerten nimmt die Schärfe wieder etwas ab. Die leicht wellenförmige Verzeichnung kann bei manchen Architekturmotiven stören bzw. zu aufwändigem Korrekturbedarf führen. Daher setze ich dieses Objektivs in erster Linie für Landschafts-Panoramen ein.

Durch sein je nach Fokuseinstellung versenktes Filtergewinde ist das Super-Angulon etwas speziell im Hinblick auf das Anschrauben von Sonnenblenden oder Filtern. Meines Wissens passt nur die Original-Metallsonnenblende, die seltener ist als das Objektiv selbst und entsprechend gesucht und gehandelt wird. Wenn man dieses Zubehörteil im Online-Handel findet, werden dafür häufig 100 € und mehr aufgerufen. Das PC-Super-Angulon-R 2,8/28 mm selbst ist dagegen relativ leicht zu finden. Meiner Beobachtung nach wird das Objektiv je nach Zustand und Lieferumfang zu Preisen zwischen 600 und 1200 € angeboten. Mein Exemplar konnte ich im April 2014 in exzellentem Zustand mit dem speziellen Lederköcher und beiden Deckeln, aber ohne die besagte Sonnenblende, für 1190 € erwerben.

Erfahrungsbericht: PC Super Angulon 2,8/28mm mit Sonnenblende an der Leica M9

Oben: Das PC-Super-Angulon-R mit der seltenen Original-Sonnenblende an der LEICA

Shiften mit der Leica M? Wie soll das denn gehen - und wozu?

Auf den ersten Blick ergibt sich aus der Adaptierung des PC-Super-Angulon-R 2,8/28 mm an eine LEICA M keine besonders komfortable Symbiose. Zwar bietet NOVOFLEX einen durch LEICA lizensierten Adapter für R-Objektive an M-Kameras an, der mechanisch und optisch höchste Qualitätsanforderungen erfüllt. Es findet jedoch kein Informationsaustausch zwischen Objektiv und Kamera statt. Zudem verdeckt das Objektiv durch seine Größe wesentliche Bereiche des Sucherbildes und auch den Entfernungsmesser. Jedoch wäre dieser aufgrund der fehlenden Kopplung mit dem Messsucher sowieso ohne Funktion. Bleibt also der Life View, sofern die Kamera über einen solchen verfügt, was gegenwärtig nur bei den Modellen M240 und M246 sowie bei der neuen M10 der Fall ist. Alternativ bietet sich noch ein 28er Aufstecksucher und die Fokussierung nach Objektiv-Beschriftung an. Alles in allem zunächst einmal nicht besonders verlockend.

Erfahrungsbericht: PC Super Angulon 2,8/28 mm mit Novoflex-Adapter für Leica R an LEICA M

Oben: Der durch LEICA lizensierte NOVOFLEX Adapter für R-Objektive an M-Kameras ermöglicht auch die Verwendung des PC-Super-Angulon-R 2,8/28 mm.

Dennoch habe ich das Super-Angulon in Verbindung mit der LEICA M9 (also einem Modell ohne Life View) schätzen gelernt. Die LEICA findet bei mir immer dann Verwendung, wenn Gewicht und Packmaß eine Rolle spielen. Also z.B. auf Reisen, oder wenn größere Strecken in unwegsamem Gelände oder zu Fuß zurückzulegen sind und meine Spiegelreflex-Ausrüstung eine zu große Belastung darstellen würde. Bei Landschaftsaufnahmen und insbesondere für Panoramen ist für mich ein Stativ obligatorisch. Daraus entsteht eine gewisse Entschleunigung. Ich habe also Zeit genug, auch das Super-Angulon mit einem kleinen Aufstecksucher oder sogar ohne Sucher einzusetzen und den endgültigen Bildausschnitt am Kameramonitor über Testschüsse zu ermitteln. Der Abblend-Hebel des Objektivs muss dabei auf Position Arbeitsblende bleiben. Die Schärfentiefe reicht bei Blende 8 bereits von 2 m bis Unendlich, so dass die Fokussierung mit der aufgedruckten Entfernungsskala auf dem Objektiv kein Problem darstellt. Die Shift-Einstellung über die präzise drehende, langstielige Rändelschraube arbeitet stabil und dennoch so weich, dass die Kameraausrichtung beim Shifting nicht verändert wird. Entfernungseinstellung auf Unendlich oder knapp davor, vorher (bei Nullverstellung) gemessene Belichtungszeit manuell eingestellt, drei Aufnahmen - 1x komplette Verstellung nach links, 1x Nullverstellung, 1x komplette Verstellung nach rechts - haben ausreichende Überlappung und ergeben eine gute Grundlage für ein Panorama, das später in Photoshop nahtlos zusammengefügt werden kann. Im äussersten geshifteten Randbereich kann etwas stärker nachgeschärft werden als im Rest des Bildes. Zudem sind dort an harten Kontrastkanten wie den Baumsilhouetten geringfügige chromatische Aberrationen zu beobachten, die Lightroom bei den Einzelfotos im Automatikmodus problemlos behebt. Das Resultat ist ein knackscharfes Panorama mit knapp 28 MP Auflösung.

Test: Einzelbilder (Shift links, Null Shift, Shift rechts) für das Panoramafoto
Test: Beispielfoto Leica M9 mit PC-Super-Angulon-R 2,8/28mm, Foto: Klaus Schoerner

Ganz oben: Drei Einzelfotos (Links-Shift, Null-Shift, Rechts-Shift) mit Leica M9 und PC-Super-Angulon-R 2,8/28mm.

Oben: Das zusammengesetzte Panorama. Das mittlere Foto wäre verzichtbar gewesen, da die beiden Shift-Aufnahmen ausreichende Überlappung haben, verlagert aber den Fusionsbereich sicherheitshalber aus dem bildwichtigen Zentrum heraus in die Randbereiche. Entwicklung und Beseitigung von chromatischen Aberrationen in den Ecken mit Lightroom. Automatische Montage der Einzelfotos mit dem Photomerge-Befehl von Photoshop CS6. Geringfügige Tonwertkorrektur und Schärfung. Partielle Nachschärfung an den Bildrändern. Die Einzelbilder haben eine Originalgröße von 5.212 x 3.468 px. Das Panorama hat nach Randbereinigung (minimaler Versatz von einigen Pixeln Breite) eine Größe von 8.020 x 3.458 px. 

Unten: Ausschnitt Bildmitte in 100%-Ansicht nach finaler Schärfung.

Test: Detail aus Beispielfoto Leica M9 mit PC-Super-Angulon-R 2,8/28mm, Foto: Klaus Schoerner
Detailausschnitt aus dem Test-Panorama, Ecke links, Leica M9 mit PC-Super-Angulon-R 2,8/28mm, Foto: Klaus Schoerner

Oben: Ausschnitt linke obere Bildecke in 100%-Ansicht, links nach Gesamtschärfung wie Bildmitte oben, rechts nach zusätzlicher partieller Nachschärfung der Bildränder.

Unten: Ausschnitt rechte Seite in 100%-Ansicht, dito.

Detailausschnitt aus dem Test-Panorama, rechte Seite, Leica M9 mit PC-Super-Angulon-R 2,8/28mm, Foto: Klaus Schoerner
Erfahrungen mit der Leica M9 mit Shift: das PC-Super-Angulon 28 mm mit Novoflex-Adapter. Foto: Klaus Schoerner

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Kommentare: 9
  • #1

    Achim B. (Dienstag, 14 März 2017 11:49)

    Interessanter Tipp.
    Was hat das Stitchfoto für einen Bildwinkel?

  • #2

    Klaus (admin) (Dienstag, 14 März 2017 20:27)

    Der Bildwinkel des fertigen Panoramas beträgt knapp 90° und entspricht damit ungefähr dem Bildwinkel eines 18 mm Weitwinkels. Aber eben mit höherer Auflösung und weniger weitwinkeltypischer Verzerrung in den Randbereichen.

  • #3

    Achim B. (Dienstag, 14 März 2017 21:20)

    ok, danke.
    Hast du ein Profil benutzt?

  • #4

    Klaus (admin) (Dienstag, 14 März 2017 21:50)

    Ich habe das Objektivprofil für das 2,8/28er 11809 verwendet, falls du das meinst.

  • #5

    Achim B. (Mittwoch, 15 März 2017 12:11)

    ok alles klar
    Bildwinkel horizontal nehme ich an

  • #6

    Klaus (admin) (Mittwoch, 15 März 2017 22:37)

    Ja klar, der Wert meint den horizontalen Bildwinkel

  • #7

    Paul (Sonntag, 16 April 2017 12:47)

    Habe gehört, dass die Sonnenblende auch als Filterhalter dient. Stimmt das?

  • #8

    Klaus (admin) (Sonntag, 16 April 2017 16:58)

    "Habe gehört, dass die Sonnenblende auch als Filterhalter dient ..."

    Danke für den Hinweis. Ich checke das mal und werde berichten ...

  • #9

    Klaus (admin) (Sonntag, 16 April 2017 21:33)

    Die Sonnenblende besteht aus drei ineinander geschraubten Teilen: Einem Basisring, der in das Objektivfiltergewinde passt, der eigentlichen Blende, die in den Basisring geschraubt wird, und einem gerändeltem Verschlussring, der nach dem Einlegen von ungefassten Filterscheiben mit 74 mm Durchmesser zum Verriegeln derselben dient. Leider ist keines der konstruktionstypischen Gewinde innerhalb der Sonnenblende zum direkten Einschrauben gängiger Filter geeignet. Zum Filtergewinde des Objektivs selbst passen ausschliesslich die B+W Filter der Serie WA, die über ein spezielles 67 EW Gewinde verfügen.