Landschaftsfotografie im Teide-Nationalpark

bonnescape-in-action: Landschaftsfotografie am Vulkan

Teide-Nationalpark, Llano de Ucanca, die Ebene von Ucanca mit einem Exemplar des hier typischen Kugelginsters. Landschaftsfoto mit Leica M9 und 35 mm Zeiss Biogon. Foto: Klaus Schoerner

Oben: Wie die Kulisse aus einem Science Fiction Film: Die Ebene von Ucanca im Teide-Nationalpark. Der typische kugelförmige Retama-Ginster (Spartocytisus supranubius) ist eine der wenigen Arten, die sich hier auf 2000 m Höhe auf dem kargen Untergrund behaupten können. Rechts die Gebirgskette Los Roques de Garcia, im Hintergrund der alles überragende Vulkan Pico del Teide. 

Mein fotografisches Interesse an bizarren Felslandschaften führt mich in den Teide-Nationalpark im Zentrum der Insel Teneriffa. Auf etwa 2000 m Höhe erstreckt sich hier über 190 km² ein fantastisches Areal rund um den Vulkan Teide (sprich: Täide). Der Weg dorthin geht durch den Nationalpark Corona Forestal, der den Parque Nacional del Teide als zunächst dichter Waldgürtel umgibt und mit zunehmender Höhe immer spärlicher wird. Von Norden kommend fahre ich hier einige Kilometer lang durch dichten Nebel, bis ich den Wald und die Wolkendecke hinter mir gelassen habe, die sich oft am Nordhang des Teide bildet und die Nordküste Teneriffas sonnenärmer und kühler hält als den Rest der Insel. Oberhalb der Wolkendecke erwartet mich klare Luft, blauer Himmel und strahlender Sonnenschein, ideale Bedingungen für mein Fotovorhaben.

 

Der 3718 m hohe Pico del Teide erhebt sich aus einem Vulkankessel mit bis zu 16 Kilometern Durchmesser, der von einem Ring steiler Felsformationen, den Cañadas del Teide, gebildet wird. Innerhalb des Kessels breitet sich eine spektakuläre Vulkanlandschaft aus mit Kratern, Vulkankegeln, erstarrten Lavaströmen, Lavageröll und bizarren Felsformationen von kolossaler Größe. 

 

Zwei gut ausgebaute Landstrassen, die TF-21 in nord-südlicher Richtung und die von Westen kommende TF-38, ziehen sich durch den Nationalpark, so dass man ihn bequem mit einem Fahrzeug durchqueren kann. Ein ausgedehntes Wandernetz ermöglicht von verschiedenen Punkten entlang der beiden Strecken Wandertouren unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade. Das vollständig erschlossene und kartografierte Gelände darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass man hier unter subalpinen Bedingungen in einer tendentiell lebensfeindlichen Umgebung wandert. Trittsichere Wanderschuhe, Schutz gegen die intensive Sonneneinstrahlung und ausreichende Wasservorräte sind die Minimalvoraussetzung, um hier einige Stunden herumzuklettern.

Die geeignete Fotoausrüstung für den Einsatz am Vulkan

Ich möchte dieser naturbelassenen, formal chaotischen Landschaft mit einer konzentrierten, bewusst bildgestaltenden Arbeitsweise begegnen und daher mit Fotostativ arbeiten. Aus Gewichtsgründen habe ich mich bei den eingepackten Fotogeräten für die vergleichsweise leichtgewichtige LEICA M9 mit den kompakten Brennweiten 21, 35, 50 und 90 mm, UV-Filtern und Sonnenblenden, einen Filterhalter mit Pol- und Grauverlauffiltern und Adaptern für die genannten Objektive sowie EDDYCAM-Gurt und Carbon-Stativ entschieden. Die Geräteauswahl schont den Rücken während der mehrstündigen Kraxelei, unterstützt konzentriertes Arbeiten und ermöglicht später knackscharfe, kontrastreiche Bilder in ausreichend hoher Auflösung, um Prints in DIN A3 und grösser anfertigen zu können. Die Auswertung der Bilder wird später zeigen, dass die Mitnahme des 90ers überflüssig war. Die imposanten Dimensionen dieser Landschaft drängen mich eher zu dreidimensional wirkenden, weitwinkeligen Bildern als zu begrenzten Bildausschnitten. Auch den Filterhalter setze ich nicht ein. Die in grosser Höhe extrem klare Sicht und der intensiv blaue Himmel lassen es unnötig erscheinen, dies durch Einsatz von Polfiltern und Verlauffiltern noch zu verstärken. Daher kommen nur jeweils ein vor das Objektiv geschraubter UV-Filter und natürlich die Sonnenblende zum Einsatz. Um beim häufigen Objektiv-Wechsel bequemer aus der Tasche heraus arbeiten zu können, habe ich mich gegen den angenehmer zu tragenden Fotorucksack entschieden und stattdessen eine KALAHARI Kapako K-35 Messenger-Fototasche ausgewählt. Das Stativ, ein SIRUI KTV224, befindet sich in einer weiteren Umhängetasche, um die Hände frei zu haben. Zur besseren Bildbeurteilung am Kameramonitor bei starker Sonneneinstrahlung habe ich ausserdem eine Hoodloupe mit dabei.

Strasse durch den Corona Forestal zum Teide-Nationalpark. Landschaftsfoto mit Leica M9 und 50 mm Summicron. Foto: Klaus Schoerner

Oben: Die Strasse zum Teide-Nationalpark führt durch die Wolkendecke und den vorgelagerten Naturpark Corona Forestal.

Baumgrenze am Teide-Nationalpark. Landschaftsfoto mit Leica M9 und 50 mm Summicron. Foto: Klaus Schoerner

Oben: An der Westgrenze des Nationalparks verläuft die Baumgrenze in Feldern aus feinkörniger schwarzer Schlacke.

Landstrasse TF-21 durch den Teide-Nationalpark. Landschaftsfoto mit Leica M9 und 35 mm Zeiss Biogon. Foto: Klaus Schoerner

Oben: Die gut ausgebaute Landstrasse TF-21 führt durch die bizarren Landschaften des Nationalparks.

Vulkankessel Las Canadas del Teide im Teide-Nationalpark. Landschaftsfoto mit Leica M9 und 21 mm Zeiss Biogon. Foto: Klaus Schoerner

Oben: Blick in den Vulkankessel Las Cañadas mit dem Felsen La Catedral. In der Relation zu den schmalen Pfaden, die das Gelände durchziehen, sind die ungeheuren Dimensionen zu erkennen.

Arenas Negras im Teide-Nationalpark. Landschaftsfoto mit Leica M9 und 35 mm Zeiss Biogon. Foto: Klaus Schoerner

Oben: Oberhalb von El Portillo der Blick nach Osten auf die Arenas Negras.

Arenas Negras mit Rotem Teide-Natternkopf im Teide-Nationalpark. Landschaftsfoto mit Leica M9 und 35 mm Zeiss Biogon. Foto: Klaus Schoerner

Oben: Blick in Richtung Arenas Negras mit der typischen subalpinen Vegetation des Parque Nacional del Teide.

Las Cañadas del Teide im Teide-Nationalpark. Landschaftsfoto mit Leica M9 und 21 mm Zeiss Biogon. Foto: Klaus Schoerner

Oben: Blick in den Vulkankessel Las Cañadas auf die Ebene von Ucanca.

Bizarre Felsformation bei den Los Roques de Garcia im Teide-Nationalpark. Landschaftsfoto mit Leica M9 und 21 mm Zeiss Biogon. Foto: Klaus Schoerner

Oben: Blick von den Los Roques de Garcia hinab auf eine rund 100 m hohe Felsformation, die wegen ihrer Form mit den zwei Türmen La Catedral genannt wird.

Felsformation bei El Portillo im Teide-Nationalpark. Landschaftsfoto mit Leica M9 und 35 mm Zeiss Biogon. Foto: Klaus Schoerner

Oben: Kleines Felsentor oberhalb von El Portillo.

Roter Teide Natternkopf (Echium wildpretii) im Teide-Naturpark. Landschaftsfoto mit Leica M9 und 35 mm Zeiss Biogon. Foto: Klaus Schoerner

Oben: Der Rote Teide Natternkopf (Echium wildpretii) prägt mit seinen bis zu drei Meter hohen, kegelförmigen Blütenständen das Bild der subalpinen Regionen auf den Inseln La Palma und Teneriffa und kommt nur hier vor. Während der Blütezeit von Juni bis August ist der Kegel mit unzähligen kleinen roten Blüten besetzt.

Wandern mit angemessener Ausrüstung im Teide Nationalpark. Foto: Dalyani Schoerner

Oben: Der Autor vor dem skurril geformten Roque Cinchado, der als Wahrzeichen Teneriffas gilt und früher den 1000-Peseten-Geldschein zierte. Im Hintergrund der Pico del Teide.

Info: Der Parque Nacional del Teide wurde 1954 gegründet und behutsam erschlossen. Aufgrund seiner biologisch einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt mit einer Vielzahl von Arten, die nur hier vorkommen, trägt der Teide-Naturpark seit 1989 das Europäische Diplom des Europarates für geschützte Gebiete mit der höchsten Klassifizierung. 2007 wurde er in die Liste des Weltnaturerbes der UNESCO aufgenommen.

Copyright 2017 by Klaus Schörner / www.bonnescape.de

Unterstes Foto: Dalyani Schörner

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