Fototipp: L-Winkel zur Kamerabefestigung

Fototipp: L-Winkel zur Kamera-Befestigung auf dem Stativ

TRIPOD REVIEW: Test und Zubehör-Tipp für den Stativkopf, eine ARCA-SWISS-kompatible L-Winkel-Schiene von KIRK im Einsatz an einer NIKON D4/D4s/D5, speziell für Landschaftsfotografie, Architekturfotografie und Panoramafotos. Foto Klaus Schoerner

Früher verschraubte man die Kamera direkt mit dem Stativkopf, heute ist das eher die Seltenheit. Längst haben sich Adapter- und Schienensysteme durchgesetzt, mit denen die Kamera per Schnellverschluss mit dem Stativ verbunden und wieder gelöst werden kann. Unter den vielen Anbietern mit proprietären Systemen hat sich der französische Hersteller ARCA-SWISS mit der Bauart des sogenannten Schwalbenschwanz-Profils durchgesetzt, das von vielen Mitbewerbern mit Zubehörteilen bedient wird und das insofern als eine Art Standard angesehen werden kann.

 

Im Praxis-Test Landschaftsfotografie, Architekturfotografie und Panoramafotografie: NIKON D4, D4s, D5 mit L-Schiene BL-D4 von KIRK, Rückansicht. Foto: Klaus Schoerner

Oben: NIKON D4 mit montiertem L-Winkel BL-D4 von KIRK.

Welche Vorteile hat ein L-Winkel an der Kamera?

Normalerweise wird man an der Unterseite der Kamera eine Adapterplatte anschrauben, die in ein passendes Gegenstück am Stativkopf eingerastet, eingeschoben oder eingeklemmt wird. Eine praktische Sache, die Platte ist klein, wiegt nicht viel und stört nicht, wenn man die Kamera zwischendurch vom Stativ nimmt und aus der Hand bedient. Für Hochformat-Aufnahmen bedient man sich der Schwenkeinrichtung des Stativkopfs und kippt die Kamera aus der Stativachse heraus zur Seite, was aufnahmetechnisch einige Nachteile mit sich bringen kann:

  1. Bei Kugelköpfen ist ein Kippen um 90° zumeist nur in eine Aussparung möglich, die zunächst an die richtige Position gedreht werden muss und dann die Beweglichkeit der Kamera einschränkt.
  2. Je nach Bauart des Stativkopfs stehen im Hochformat nur reduzierte Nivelliermöglichkeiten zur Verfügung.
  3. Viele Kugelköpfe erreichen konstruktionsbedingt keinen 90°-Winkel, so dass man umständlich mit dem Auszug der Stativbeine nachhelfen muss, damit die Kamera bei Hochformat-Aufnahmen lotrecht steht.
  4. Der Aufbau verliert an Stabilität, da sich die ins Hochformat geschwenkte Kamera ausserhalb des Schwerpunktes befindet.
  5. Stitchings und Panoramen werden erschwert, da die Kamera nun weit vom Nodalpunkt entfernt ist.
  6. Bei manchen Aufnahmen kann sich negativ auswirken, dass die Maximalhöhe des Stativs nicht mehr erreicht wird, wenn der Stativkopf um 90° gekippt wird.
  7. Je kleiner die Adapterplatte ist, desto leichter führt die geringe Auflagefläche im Hochformat schwerkraftbedingt zu einem Verdrehen der Kamera auf dem Stativ. Insbesondere dann, wenn sich ein schweres oder weit ausladendes Objektiv an der Kamera befindet.
  8. Der Wechsel vom Quer- ins Hochformat verändert die Bildachse. Eine bereits eingestellte Nivellierung ist damit hinfällig. Um die Kamera im Hochformat wieder in die gleiche Position zu bringen wie zuvor im Querformat, muss das gesamte Stativ verschoben und nach oben verlängert werden.

Abhilfe schafft eine L-Winkelschiene, die so an die Kamera angeschraubt wird, dass sie die Kamera unterseitig und linksseitig um ein Adapter zum Ansetzen an den Stativkopf ergänzt. Zum Formatwechsel wird die Kamera per Schnellverschluss abgenommen und um 90° gedreht wieder angesetzt. Die Bildachse und alle Stativeinstellungen bleiben erhalten, da das Kippen zwischen Hoch- und Querformat vom Stativkopf auf die Kamerabefestigung verlagert wird.

REVIEW, Test und Zubehör-Tipp: eine ARCA-SWISS-kompatible L-Winkel-Schiene BL-D4 von KIRK für NIKON D4/D4s/D5 für den Einsatz in der Landschaftsfotografie, Architekturfotografie und bei Panoramafotos. Foto Klaus Schoerner

Oben: L-Schiene BL-D4 von KIRK für die NIKON D4, D4s und D5. Der Inbusschlüssel für die Kameraschraube ist im Lieferumfang.

Im Praxis-Test Landschaftsfotografie, Architekturfotografie und Panoramafotografie präzise Ausrichtung der NIKON D4, D4s, D5 im Querformat mit einem ARCA-SWISS-kompatiblen L-Winkel von KIRK. Foto Klaus Schoerner

Oben: Mit einem L-Winkel findet der Formatwechsel nicht mehr mit dem Stativkopf statt, sondern mit der Kamerabefestigung. Einer von vielen Vorteilen ist, dass sich die Bildachse dabei nur geringfügig verändert. 

Unten: Die um 90° ins Hochformat gedrehte Kamera hat die horizontale Ausrichtung präzise beibehalten und ist lediglich minimal aus der Bildachse nach unten versetzt, was aber zumeist durch das höher reichende Hochformat ausgeglichen wird. 

Im Praxis-Test präzise hochformatige Ausrichtung der NIKON D4, D4s, D5 mit einem ARCA-SWISS-kompatiblen L-Winkel von KIRK. Foto Klaus Schoerner
Im  Praxis-Test präzise Ausrichtung der NIKON D4, D4s, D5 im Querformat mit einer ARCA-SWISS-kompatiblen Montage-Platte von SIRUI. Foto Klaus Schoerner

Oben: Kameramontage mit Adapterplatte. Die Grundeinstellung im Querformat ist identisch mit der bei Verwendung des L-Winkels.

Unten: Für die Einstellung einer hochformatigen Aufnahme muss hier der Stativkopf dienen. Die Kamera kippt dabei völlig aus der Bildachse heraus. Alle bisherigen Einstellungen sind hinfällig. Um die vorherige Kameraposition zu erreichen, muss der gesamte Aufbau seitlich verschoben und das Stativ nach oben verlängert werden.

Mittels Stativkopf ins Hochformat gekippte NIKON D4, D4s, D5 mit einer ARCA-SWISS-kompatiblen Montage-Platte von SIRUI. Foto Klaus Schoerner

Man unterscheidet Standard-Winkelschienen, die meist etwas sperrig an den Kameras befestigt sind und abgeschraubt werden müssen, um an linksseitig angebrachte Bedienelemente heranzukommen, und solche Winkelschienen, die für spezielle Kameras maßgefertigt sind. Hersteller von derartigen paßgenau anliegenden Schienen sind zum Beispiel KIRK, MARKINS, RRS (Really Right Stuff), SUNWAY und FITTEST.

Vorderansicht: Nikon D850 mit L-Winkel PNL-D850 von Sunway. Foto: bonnescape

Oben: NIKON D850 mit dem L-Winkel PNL-D850 von SUNWAY. Die Winkelschiene verbreitert die Kamera deutlich, ermöglicht aber den Zugang zu den Schnittstellen an der Kameraseite.

Rückansicht: Nikon D850 mit L-Winkel PNL-D850 von Sunway. Foto: bonnescape

Oben: NIKON D850 mit dem L-Winkel PNL-D850 von SUNWAY. Die Winkelschiene ist perfekt an das Kameragehäuse angepasst. Selbst die Monitorbewegung wird nicht beeinträchtigt. Durch den vorgegebenen Abstand zwischen Schiene und Kameragehäuse links kann man die Gummiverschlusskappen ohne Hilfsmittel mit dem Fingernagel öffnen.

Problemloses Herankommen an die Bedienelemente der NIKON D4, D4s, D5 trotz montiertem L-Winkel BL-D4 von KIRK. Foto Klaus Schoerner

Oben: L-Winkel BL-D4 von KIRK für die NIKON D4, D4s und D5. Auch dieses rund 160 g schwere Aluminium-Teil ist so an das Kameragehäuse angepasst, dass ein Zugang zu allen Anschlüssen und ein Austausch des Akkupacks gewährleistet ist. Die Schiene kann links anliegend oder mit etwas Abstand montiert werden. Im ersten Fall wird die Konstruktion kompakter, man braucht jedoch einen spitzen flachen Gegenstand (z.B. eine Messerspitze), um die Gummiverschlusskappen zu öffnen.

USB-Kabel-Steuerung der NIKON D4, D4s, D5 trotz montiertem L-Winkel BL-D4 von KIRK. Foto Klaus Schoerner

Oben: Im Hochformat wird es für den Kabelzugang etwas enger, die Steuerung der Kamera über USB-Kabel ist jedoch nach wie vor möglich. An den Akku kommt man allerdings nicht mehr dran.

Zusammenfassung und Fazit

Häufiges Fotografieren vom Stativ mit präziser Nivellierung der Kameraausrichtung und Formatwechseln bei ein- und demselben Motiv sind die klassischen Aufgabenstellungen in der Landschafts-, Panorama- oder Architekturfotografie, die für den Einsatz eines L-Winkels sprechen. Der L-Winkel kann hier einen nicht unerheblichen Effizienzgewinn beim Aufnahme-Prozedere bringen. Für welches Modell man sich entscheidet, ist eine Frage des Preises und des persönlichen Geschmacks. Einfache Standardschienen erfüllen die Aufgabe und sind einigermaßen preiswert, haben aber häufig den Charme eines Baugerüstes an der Kamera und müssen abgeschraubt werden, wenn man an dahinterliegende Kabelanschlüsse oder das Akkufach dran muss. Maßgefertigte Schienen für bestimmte Kameramodelle sind perfekt an die Gegebenheiten des Kameragehäuses angepasst und können dauerhaft an der Kamera verbleiben, erreichen aber aufgrund geringerer Produktionsmengen und aufwändigerer Herstellung zumeist Preise deutlich über 200 €.

Copyright 2017 by Klaus Schörner / www.bonnescape.de

Update 25.06.2018: Ergänzung L-Winkel von Sunway


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Kommentare: 5
  • #1

    V.B. (Samstag, 08 Juli 2017 19:51)

    interessanter post. kannte das ding gar nicht. werde mal sehn obs das für meine cam auch gibt. danke

  • #2

    Volker (Samstag, 07 Oktober 2017 10:48)

    Bin begeistert. Vielen Dank! Sehr anschaulich erklärt. Endlich verstehe ich mal den Sinn dieser Winkel.
    mfG

  • #3

    Klaus (admin) (Samstag, 07 Oktober 2017 12:38)

    Hallo Volker,
    danke für's positive Feedback.
    LG
    Klaus

  • #4

    Udo Afalter (Donnerstag, 14 Juni 2018 22:45)

    L-Winkel kann ich ebenfalls sehr empfehlen. Ich habe meine wichtigsten Kameras mit L-Winkel bestückt. Nicht nur das alles raz faz von Quer- auf Hoch-Format geht, sie sind auch noch ein bisschen "Stoßstange" für Kameras.

    Viele Grüße, Udo

  • #5

    Klaus (admin) (Freitag, 15 Juni 2018 11:11)

    Hallo Udo,
    leider verschlechtern sie häufig die Ergonomie der Kamera für Aufnahmen aus der Hand. Aber da gibt es auch bessere und schlechtere ...
    LG, Klaus