Feisol CT-3372 Carbon-Stativ

Carbon-Stativ im Test: FEISOL CT-3372

FEISOL CT-3372 tripod im Carbon Stativ Test, Foto: bonnescape

Wer sagt eigentlich, dass Profi-Stative immer schwer, groß und notgedrungen auch unhandlich sein müssen, um den alltäglichen Anforderungen standhalten zu können?

Hier geht es heute um das FEISOL Elite CT-3372 M2 Rapid. Laut seinem Hersteller ist es für den professionellen Einsatz gedacht. Wie schlägt sich das erstaunlich leichtgewichtige Carbon-Stativ im Praxistest mit DSLR, Mittel- und Großformatkamera? 

Gesucht wird ein Allround-Stativ

Ich habe ein Stativ gesucht, das in meiner Fotoausrüstung eine ziemlich breite Lücke füllt. Die zwischen dem leichten Reisestativ, einem Federgewicht namens SIRUI ET-2204, und meinem elefantösen MANFROTTO 161b. Vergleichsweise leicht und kompakt soll das Neue sein und zugleich sehr standfest, stabil genug für 3 kg NIKON-Schwermetall, für eine Mittelformatkamera oder vielleicht sogar für ein erwachsenes Aufnahmeformat. Zudem soll es die Kamera bei Bedarf knapp über dem Boden fixieren und voll ausgefahren eine Arbeitshöhe bieten, die es mir möglich macht, ohne Quasimodo-Körperhaltung durch den Kamerasucher zu gucken. Auf Mittelsäule, Querausleger oder Ähnliches kann ich verzichten. Die gehen schnell zu Lasten der Stabilität und verkomplizieren den bodennahen Einsatz. Aber eine solide breite Montageplatte, die meinen ARCA SWISS C1 Cube nicht wie einen Satellit an der schwingenden Antenne wirken lässt, wäre nett. Kurz, ich suche ein Allround-Stativ für alle Tage.

Gefunden habe ich auf der diesjährigen Photo & Adventure das FEISOL Elite CT-3372 M2 Rapid. Es fiel mir am Messestand von FEISOL sofort ins Auge, weil es die richtige Höhe hat und sehr massiv wirkt. Beim ersten Anheben hatte es mich. Ich war geflasht, wie leicht es ist und wie stabil es die Beinspreizung beibehält, wenn man es hochhebt. Das Dreibeinstativ aus Carbon-Faser erreicht mit seinen beiden Auszügen eine maximale Höhe von 149 cm und kommt in der Standardausführung ohne Mittelsäule und Stativkopf. Inklusive der üppig großen Transporttasche zahlt man dafür rund 570 €. Damit ist das Stativ in seiner Klasse aktuell eines der preisgünstigsten Exemplare auf dem Markt. 

Praxistest: Carbon Stativ FEISOL Elite CT-3372 M2 Rapid tripod in der Tragetasche, Foto: bonnescape

Oben: Mit einer Länge von 82 cm reicht die Transporttasche locker für das CT-3372 samt großem Kugel- oder Friktionskopf.

FEISOL CT-3372, der erste Eindruck

Die Beine des FEISOL haben einen Vertrauen erweckenden Durchmesser von 37 mm, die beiden Auszüge immerhin noch 33 und 29 mm. Die Auszugsverriegelung erfolgt über Schraubringe, die so breit und griffig sind, dass sie sich sehr gut lösen lassen. Bekanntermaßen soll man die Arettierung von Carbon-Beinen nicht mit zu viel Kraft anziehen, um die Rohre nicht zu cracken. Beim FEISOL reicht ein leichtes Festdrehen völlig aus, um die Beinlänge stabil zu fixieren. Die Beine sollen dabei mit einer neuartigen Verdrehsicherung, der sogenannten Rapid Technologie ausgestattet sein. Weiter unten werden wir sehen, wie sich das in der Praxis auswirkt. Das Ausziehen und Zusammenschieben der Beine läuft weich und präzise mit einem leicht schleifenden Geräusch im Innern der Beine.

Beim Anheben klappern die Stativbeine des CT-3372 nicht ungebremst hin und her, da die Gelenke über eine gut dosierte Hemmung verfügen. Beim Aufstellen ist im Prinzip jeder Abspreizwinkel möglich. Maximale Standfestigkeit erreicht man allerdings, wenn die Beine jeweils bis zum Anschlag gespreizt werden. Dafür stehen drei Winkel zur Verfügung: 25°, 50° und 75°. Die Gelenkmechanik scheint mir ebenso einfach wie langlebig ausgelegt. Am oberen Ende jedes Beins befindet sich ein Hebel, der durch eine darunter sitzende Feder mit seiner rückwärtigen Kante in die Dreifach-Zahnung des Stativrahmens gedrückt wird. Durch Betätigen des Hebels gegen die Federspannung hebt sich die Kante aus der Zahnung und das Bein kann weiter gespreizt werden. Beim Verringern der Spreizung oder beim Zusammenklappen gleitet der Hebel selbsttätig über die Zahnung.

Praxistest: Grundplatte und Anschluss- und Verstellelemente des FEISOL Elite CT-3372 M2 Rapid tripod, Foto: bonnescape

Oben: Massiver Stativrahmen mit eingelassenem rundem Stativteller und grosser 3/4" Schraube, versenkter Wasserwaage, Stativhaken und Beinarrettierung sowie schaumstoffarmierten Stativbeinen. Nach Lösen der drei seitlichen kleinen Inbusschrauben kann der Stativteller entnommen und gegen ein Modul mit Nivelliersockel oder eines mit Stativsäule getauscht werden. Es ist ratsam, das Festsitzen dieser Schrauben hin und wieder zu kontrollieren.

Die Beine des CT-3372 sind standardmäßig mit Gummifüssen ausgestattet. Diese können optional durch Metallspitzen ersetzt werden, falls man Kamera und Stativ in den Boden krallen möchte. Passende Spikes hält der Hersteller in zwei verschiedenen Ausführungen bereit, die größere Version ist mit 4 cm Länge fast schon waffenscheinpflichtig. Sind die Dinger aufgepflanzt, muss man sich etwas überlegen, um die eigenen Schienbeine, die Transporttasche, den Laderaum des Autos oder beim Herumtragen die nähere Umgebung vor unbeabsichtigten Verletzungen zu bewahren. Bei wechselnden Einsätzen auf festen Böden im Innen- und Außenbereich sind Gummifüsse universell und verursachen beim Fotografieren auf Fliesen oder Mutters gutem Parkettboden auch deutlich weniger Ärger. Für diejenigen, die für alle Bodenbeschaffenheiten gerüstet sein möchten, gibt's alternativ auch noch die etwas teureren Gummifüße mit herausschraubbaren Spikes.

Für einen besseren Grip sind alle drei Beine oben schaumstoffgepolstert. Das Risiko, im Winter mit den Händen am Stativ festzufrieren, ist bei Carbon zwar eher gering, aber auch bei schwitzenden Händen im Hochsommer haben die Schaumstoffhülsen ihre Vorteile. Das CT-3372 lässt sich auf eine Länge von 63 cm plus Stativkopf zusammenschieben, was ich für ein Stativ dieses Kalibers als handlich ansehe. Das Packmaß wird zusätzlich bestimmt durch die relativ große Basisplatte, die die Beine oben in einigem Abstand voneinander fixiert. Damit ist der Stativdurchmesser mit etwa 14 cm an der Basis deutlich größer als an den Füßen (ca. 8 cm). Oben aus dem Stativteller ragt eine 3/4" Schraube für die Montage eines Stativkopfs heraus. "Köpfchen" mit kleinem Stativgewinde passen also nicht. An der Unterseite des Tellers ist ein Haken angebracht, über den das CT-3372 zusätzlich beschwert oder verankert werden kann. Optional kann der Teller durch einen Nivelliersockel oder eine 53 cm lange und 430 g schwere Stativsäule ersetzt werden. Daneben hat der Hersteller weiteres Zubehör im Programm, um das Stativ für individuelle Verwendungszwecke zu pimpen. Das Gesamtgewicht des FEISOL beträgt 1,78 kg plus Stativkopf, der, entsprechendes Kaliber vorausgesetzt, nochmal ein weiteres Kilo mitbringt. Tragen kann es laut technischen Daten bis zu 30 kg. 

Das FEISOL CT-3372 im Praxistest

Beim Fotografieren dauert die Höhenverstellung mangels Mittelsäule etwas länger, da ja jeweils drei Beine verlängert oder verkürzt werden müssen. Dafür ist man mit dem einstellbaren Höhenbereich nicht so limitiert. Mit wenigen Handgriffen kann die Kamera in Augenhöhe oder mit dem tiefsten Anschlagwinkel knapp 8 cm über dem Boden fixiert werden. Noch tiefer geht's mit flach gespreizten Stativbeinen, wenn man den Stativhaken herausschraubt. Die Kombination aus einer 2 kg schweren Kamera und dem Stativ lässt sich gut mit einer Hand anheben, während man mit der anderen Hand die griffigen Schraubringe löst, die gewünschte Beinlänge einstellt und die Ringe wieder festzieht. Bei der Einhandbedienung kommt dem FEISOL die oben erwähnte Verdrehsicherung zugute. Beim Lösen oder Festziehen eines Schraubrings spielt keine Rolle, ob der darüber liegende Auszug fixiert ist oder nicht, da sich die einzelnen Teile des Stativbeins nicht mit drehen. Das ist bei Stativen mit Schraubverschlüssen durchaus keine Selbstverständlichkeit und hat oftmals Einfluss darauf, ob man eine oder zwei Hände zum Verstellen der Beinlänge benötigt.

Praxistest: Carbon Stativ FEISOL Elite CT-3372 M2 Rapid tripod beim Aufbau auf Treppenstufen, Foto: bonnescape

Oben: Je zwei Auszüge pro Bein und drei verschiedene Anschlagwinkel bieten ausreichend Flexibilität bei der Positionierung des Stativs. Die Verdrehsicherung erleichtert zudem das Handling beim Fotoeinsatz. So kann man die Schraubringe mit einer Hand lösen und wieder festziehen, ohne dass das Stativbein dabei mit der anderen Hand festgehalten werden muss.

Beim waagerechten Ausrichten des Stativs liefert die in den Stativrahmen eingelassene Wasserwaage einen groben Anhaltspunkt. Nicht, dass sie nicht genau anzeigen würde, lediglich das Fine Tuning mit drei längenverstellbaren Beinen ist umständlich. Insofern erledigt man das besser mit dem Stativkopf oder aber mit dem oben erwähnten Nivelliersockel. Während des Shootings finde ich es bei häufigen Positionswechseln mit montierter Kamera ziemlich praktisch, dass die Beine des FEISOL nicht zusammenklappen, wenn man den Aufbau anhebt. Das Ding lässt sich mit gespreizten Beinen einfach ein Stück weiter tragen und man braucht nur eine Hand dafür, während die andere Hand zum Beispiel den Fotokoffer oder das Notebook hält.

Profi-DSLR

Mit einer schweren DSLR ergibt sich eine stabile, zuverlässige und zugleich komfortabel zu transportierende Aufnahmekombination. Nach einigen Architektur-Einsätzen mit dem CT-3372 samt ARCA SWISS CUBE und NIKON D4 habe ich keinerlei Kritikpunkte an dem FEISOL gefunden, weder beim Fotografieren im Innenbereich noch draußen. Lediglich die drei Inbusschrauben, die den Stativteller im Rahmen fixieren, musste ich zwischendurch einmal nachziehen, da der Teller plötzlich etwas Spiel hatte. Das war aber schnell erledigt, da FEISOL den Kunden drei Inbusschlüssel in verschiedenen Größen spendiert, die sich in ein Plastiktütchen eingeschweisst in der Stativtasche befinden. Alle "normalen" Einsatzbereiche mit meinen NIKONs bis zu einer Kameraposition in Augenhöhe ließen sich mit dem CT-3372 sehr gut bedienen. Bei voll ausgefahrenem Stativ mit Cube befinden sich die Suchereinblicke meiner DSLR in einer Höhe zwischen 171 cm (D4), 168 cm (D500 ohne Batteriegriff) und 166 cm (jeweils Hochformat), was bei meiner Körpergröße von 184 cm perfekt ist für ein aufrechtes, rückenschonendes Arbeiten.

Praxistest: Carbon Stativ FEISOL Elite CT-3372 M2 Rapid tripod mit Arca-Swiss Cube C1, KIRK L-Schiene und NIKON D4, Foto: bonnescape

Oben: Voll ausgefahren perfekt für meine Körpergröße von 184 cm. FEISOL CT-3372 mit ARCA-SWISS Cube C1, NIKON D4 und passendem KIRK L-Winkel beim Interieur-Shooting.

Mittelformatkamera

Beim Einsatz des Stativs mit einer analogen Mittelformatkamera gilt im Prinzip das Gleiche wie mit einer DSLR. Als Unterbau für eine MAMIYA RB67 erfüllt das CT-3372 seinen Zweck mindestens ebenso gut, zumal die Verwendung des Schachtsuchers häufig eine tiefere Kameraposition zur Folge hat und das Stativ dazu weniger weit ausgefahren werden muss. Auch bei längeren Belichtungszeiten von 1/2 oder 1 Sekunde konnte ich keine Verwacklungsunschärfen feststellen. Die RB war mit einer kleinen 50 mm Adapterplatte auf dem Stativkopf befestigt.

FEISOL CT-3372 im Praxistest mit Mittelformatkamera Mamiya RB67 Pro-S. Foto: bonnescape

Oben: Bei tiefstem Beinanschlag befindet sich der Stativteller 8 cm über dem Boden. Tiefer geht's aber notfalls auch noch, wenn man den Stativhaken herausschraubt und die Beine nach Lösen der Arrettierung bis flach auf den Boden herunterdrückt. MAMIYA RB67 Pro S auf dem FEISOL CT-3372 mit ARCA-SWISS Cube C1 und 50er Adapterplatte.

Großbildkamera

Man kann mit der Kombination gut arbeiten, sowohl im Innen- als auch im Außenbereich. Meine Vorbehalte, dass ich beim Verstellen der Standarten einen schweren Unterbau vermissen würde, der die Kamera während der Bedienung der Feintriebe und Stellschrauben stabil in Position hält, waren unbegründet. Natürlich hat ein Carbon-Stativ nicht die Masse eines 90 kg Mammut-Säulenstativs. Das muss aber auch nicht sein. Auch die Kamerastandarten geben beim Verstellen oder beim Einschieben einer Filmkassette nach und federn danach wieder in die Ausgangsposition zurück. Beim CT-3372 ist das ähnlich, wobei die Trägheit der Beingelenke einer Veränderung der Einstellungen effektiv entgegenwirkt. Insofern habe ich die Kombination von CT-3372 und SINAR F als nahezu perfekt empfunden. Lediglich bei einem Einsatz an einem windigen Tag mit dem Balgen der 4x5" Kamera als Segel konnte das FEISOL dem nicht genügend Eigengewicht entgegensetzen. Allerdings waren nicht etwa Vibrationen des extrem schwingungsarmen Stativs dafür die Ursache, sondern der ganze Aufbau neigte zum Wandern (eigentlich auch gar kein Wetter für eine Balgenkamera). Ein zentrales Verankern oder Beschweren des Aufbaus über den Stativhaken hätte Besserung bringen können, lässt sich aber nicht immer optimal realisieren. Kurz, das angenehm geringe Gewicht des CT-3372 kann witterungsbedingt bei Verwendung mit einem "Windfänger" wie der Großbildkamera auch schon mal Nachteile haben. Für den Einsatz der Großbildkamera habe ich einen MH-3000 Kugelkopf von GIOTTOS auf dem Stativ montiert, da er mit seiner breiten Montageplatte eine gute Basis für den runden Bankhalter der SINAR bietet.

FEISOL CT-3372 im Praxistest mit Großbildkamera SINAR F. Foto: bonnescape

Oben: Landschaftsfotografie mit 4x5" Kamera und dem FEISOL CT-3372, hier mit einem Kugelkopf MH-3000 von GIOTTOS. Auf unbefestigtem Untergrund bestückt man die Stativfüße besser mit Spikes und drückt den Aufbau etwas in den Boden.

Fazit zum FEISOL Elite CT-3372 M2 Rapid

Griffig, standfest, stabil, schwingungsarm, sehr gut verarbeitet und erstaunlich leichtgewichtig, dazu noch die praktische Verdrehsicherung. Was kann man sich sonst noch von einem Stativ wünschen? Nach einigen Wochen im Einsatz finde ich an dem CT-3372 nichts zum Meckern. Die Standardausführung hat alles, was ich brauche, und verzichtet auf Überflüssiges. Für eine eventuell gewünschte Individualisierung lässt sich das Teil modulartig ausbauen, so dass kaum Wünsche offen bleiben. Einer der wesentlichen Vorteile des FEISOL dürfte erst dann zum Problem werden, wenn mal Gewicht gebraucht wird. Etwa bei starkem Wind oder mit den Füßen im Wasser. Das kann man dem FEISOL aber nicht vorwerfen. Spezielle Einsatzbedingungen erfordern spezielles Werkzeug. Für alle anderen Zwecke, ob mit DSLR, Mittel- oder Grossformatkamera, habe ich mit dem FEISOL CT-3372 mein Allround-Stativ gefunden. Über Langzeiterfahrungen werde ich zu gegebener Zeit berichten.

Copyright 2018 by Klaus Schörner / www.bonnescape.de


Beiträge mit ähnlichen Themen:

Werbung



Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Relitzki (Dienstag, 18 September 2018 13:54)

    Hab keinen Feisol-Stand gesehen auf der Photo & Adventure. Sonst hätte ich mir das Teil auch mal näher angesehen. Danke für den Bericht.

  • #2

    Klaus (admin) (Dienstag, 18 September 2018 14:24)

    Feisol war auf dem Stand von ac-foto. Irgendwo an der langen Längswand gegenüber vom Eingang. :-)

  • #3

    G.B. (Freitag, 09 November 2018 10:11)

    Das Teil ist genial. Danke für deinen Bericht. Spricht mir aus der Seele.
    Gruß Schorsch